Von Friedrich Roeingh.

Mittelrhein-Tageblatt - Newsportal - Deutsche Presseschau -Mainz – Wohnungsnot in Deutschland: Mit Zahlen macht man Politik – und mit Flüchtlingen sowieso. Wenn die Wohnungslosenhilfe darauf verweist, dass der Flüchtlingsstrom die Zahl der Menschen in Deutschland vergrößert, die keine Wohnung finden, dann ist das schlüssig und legitim.

Zu den 422 000 Wohnungslosen einfach 436 000 anerkannte Flüchtlinge draufzurechnen und so die Zahl der Wohnungslosen mir nichts dir nichts zu verdoppeln, ist dagegen unseriös. Wir reden immer noch von zwei unterschiedlichen Gruppen. Dass Flüchtlinge erst einmal keine Wohnung haben und nur peu à peu aus Gemeinschaftsunterkünften im angespannten Wohnungsmarkt unterkommen, liegt in der Natur der Sache. Wohnungslose sind dagegen eine prekäre Gruppe, von denen viele verschuldet sind, deren soziale Bindungen meist gekappt sind – in einer Vorstufe zur Obdachlosigkeit.

Dass diese Gruppe in drei Jahren von 335_000 Menschen auf 422_000 angewachsen ist, ist dramatisch genug. Und dass aus der großen Zahl entwurzelter Flüchtlinge ein Teil in die Wohnungs- und Obdachlosigkeit abrutschen könnte, ist ebenfalls nicht von der Hand zu weisen. Die beiden Gruppen faktisch gleichzusetzen, ist allerdings fahrlässig.

Am Ende aber machen beide Entwicklungen deutlich, dass weder der Hebel noch die Geschwindigkeit ausreichen, mit denen der soziale Wohnungsbau wieder in Gang gesetzt wird. Hier muss die neue Bundesregierung abseits parteipolitischer Profilierungen nicht nur eine Schüppe drauflegen.

Sie muss im engen Dialog mit den Großstädten passgenaue Programme aufsetzen, die von teurem und zeitraubendem Ballast überbordender Baustandards befreit werden.

Original-Content von: Allgemeine Zeitung Mainz, übermittelt durch news aktuell

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