Extra-Stadtportal-Bonn -Bonn (NRW) – ib – Das Beethovenfest Bonn unter der künstlerischen Leitung von Nike Wagner steht 2016 unter dem Motto „Revolutionen“. Ausgehend von den folgenreichsten europäischen Revolutionen – der Französischen und der Russischen – gibt es zwei Programm-Schwerpunkte. Sie zeigen die künstlerischen Reflexe auf die epochalen Ereignisse. Unabhängig davon sind auch die Revolutionen in der Musik ein Thema.

Eröffnet wird das Festival heute, Freitag, 9. September, mit einem Konzert der Tschechischen Philharmonie und Violinistin Hilary Hahn unter der Leitung ihres gefeierten Chefdirigenten Jiří Bělohlávek. Werke von Mozart, Ligeti, Ullmann und Dvorák.Die Matinee am folgenden Tag wird von zwei Werken umrahmt, die dem „revolutionären“ Motto huldigen: Ludwig van Beethovens „Eroica-Variationen“ und die Klavier-Transkription der „Eroica“ von Franz Liszt. Es spielt der international renommierte Pianist Konstantin Scherbakov, in ihrem Festvortrag erläutert Intendantin Nike Wagner die Dramaturgie des Programms 2016.

Russischer Schwerpunkt

An zwei Abenden ist das Ural Philharmonic Orchestra unter der Leitung des Chefdirigenten Dmitri Liss zu erleben: Zunächst der „Prometheus“-Mythos in zwei Gestaltungen – von Ludwig van Beethoven und Alexander Skrijabin, dazudie selten zu hörende Kantate zum 20. Jahrestag der Oktoberrevolution von Sergei Prokofjef. Im zweiten Konzert präsentiert das Ural Philharmonic Orchestra die reiche russische Musiktradition des frühen 20. Jahrhunderts – neben Werken von Schostakovitsch und Mossolow auch das Klavierkonzert Nr. 3 von Rachmaninow. Als singulär kann der Klavierabend des Pianisten Boris Berezowsky bezeichnet werden: u.a. mit Chopins 12 Etüden, darunter die „Revolutions-Etüde“.

Aus Musikern des Ural Philharmonic Orchestra speist sich das Ensemble des Studios für Neue Musik Moskau, das die Musik der russischen Revolutions-Emigranten präsentiert. Mit einer Uraufführung von Valentin Barykin – Variationen über ein Thema von Wladimir Vogel – glänzt das Ensemble 2012 der Russisch-Deutschen MusikAkademie.

Französischer Schwerpunkt

Hector Berlioz mit der „Symphonie fantastique“ und Ludwig van Beethoven mit dem Klavierkonzert Nr. 5 stehen auf dem Programm des Orchestre National du Capitole de Toulouse unter der Leitung von Tugan Sokhiev. Ebenfalls Berlioz beim Beethoven-Orchester Bonn unter Christof Prick – die „Fantastique“, kombiniert mit dem Folgewerk, das zu dieser Symphonie gehört: dem lyrischen Monodram „Lélio“ von Hector Berlioz.

Das Orchester Les Siècles unter François-Xavier Roth macht die Querverbindungen zwischen dem Revolutionskomponisten Étienne-Nicolas Méhul und Ludwig van Beethoven hörbar. Hier Méhuls „Messe solennelle pour le sacre de Napoléon“,dort Beethovens „Schicksalssymphonie“. In einem zweiten Konzert die musikalischen Revolutionäre: Claude Debussy und Igor Strawinsky.

Napoleonisch-Politisches wirkt auch mit bei einem Konzert des Mahler Chamber Orchestra unter der Leitung des Szene-Stars Teodor Currentzis: Werke von Beethoven und die „Ode an Napoleon“ von Arnold Schönberg.

Rettungsopern

Zur neuen Dramaturgie des Beethovenfestes gehört die Idee, dem im Repertoire befindlichen „Fidelio“ der Bonner Oper alljährlich eine zweite „Rettungsoper“ beizugeben. Den Anfang macht Luigi Cherubini mit „Les deux journées“ („Der Wasserträger“). Eine Kooperation mit dem Theater Bonn und dem Beethoven-Orchester Bonn unter der Leitung von Christoph Spering.

Weitere große Orchester und große Dirigenten

Dirigent Kirill Petrenko kommt mit dem Bayerischen Staatsorchester, dem Violinisten Frank Peter Zimmermann und einem raffiniert komponierten Programm mit Werken von Tschaikowsky, Ligeti und Bartók. Unter der Leitung von John Eliot Gardiner schlägt das London Symphony Orchestra und der Monteverdi Choir die Brücke zwischen Ludwig van Beethoven und Felix Mendelssohn Bartholdy: von „Meeresstille und glückliche Fahrt“ und der dritten „Leonoren“-Ouvertüre zur Sinfoniekantate „Lobgesang“ – zutiefst verwandt mit Beethovens Neunter.

Das besondere Konzert: Uraufführung für Beethoven

Alljährlich vergibt das Beethovenfest einen Uraufführungs-Auftrag an einen namhaften europäischen Komponisten mit der Auflage, sich auf ein Werk von Beethoven zu beziehen. Für das Beethovenfest 2016 konnte der französische Komponist Hughes Dufourt gewonnen werden. „Ur-Geräusch“ ist der Titel seiner Komposition und die „Eroica“ das Referenz-Werk. Es spielt das WDR Sinfonieorchester unter der Leitung von Marek Janowski.

Klaviertrio-Wochenende

Das „Klaviertrio-Wochenende“ widmet sich einer Kammermusikgattung, die von Beethovens Kompositionen nachhaltig geprägt wurde. In sechs verschiedenen Veranstaltungen – u.a. mit dem Beethoven Trio Bonn – präsentieren, moderieren und interpretieren namhafte Künstler wegweisende Werke Beethovens und anderer Komponisten. Auch für die Nachwuchshörer ist gesorgt, wenn das Beethoven Trio Bonn in einem Erzähl- bzw. Familienkonzert die „Jahreszeiten“ zum Klingen bringt.

Interdisziplinäre Sparten

Bereits im vergangenen Jahr öffnete sich das Beethovenfest zeitgenössischen „jungen“ Kunst-Sparten. Bestätigt durch die große Akzeptanz dieser Öffnungen widmet sich auch das diesjährige Festival spartenübergreifenden Projekten.

Mit seinem neuen Stück „Au temps où les Arabes dansaient“ thematisiert der tunesische Choreograph Radhouane El Meddeb und seine Compagnie de SOI den Obskurantismus der heutigen arabischen Welt im Vergleich zu den sinnlichen Bewegungs-Traditionen der alten orientalischen Kultur. Mit „Songs of Spring“ gestaltet die türkische Pianistin Seda Röder einen multimedialen Beitrag zur „gescheiterten“ Revolution in den arabischen Ländern.

Das Künstlerkollektiv „Rimini Protokoll“ ist mit seinem Projekt „Hausbesuch Europa“ zu Gast. Die große abstrakte Idee „Europa“ wird mit der kleinen gelebten Realität zusammengebracht: In Bonner Wohnzimmern werden je 15 Menschen Teil einer Inszenierung.

„Kollaborationen“ -so heißt das gemeinsame Projekt des Beethovenfestes mit der Kölner Philharmonie. Der Blick richtet sich auf eine künstlerische Bewegung der 1960/70er Jahre in den USA, die in vieler Hinsicht als revolutionär gilt: der American Postmodern Dance. In der Bonner Oper ist eine Re-Kreation der wohl einflussreichsten Choreographie des 20. Jahrhunderts zu sehen: DANCE – 1979 entstanden in Zusammenarbeit der Choreographin Lucinda Childs mit dem Komponisten Philip Glass und dem Konzept-Künstler Sol LeWitt. Eine Ausstellung im Kunstmuseum mit dem Titel „sound move“ versammelt Werke von Simone Forti-einer der vielseitigsten Künstlerinnen des amerikanischen Postmodern Dance. Musik und Klang nehmen bei ihr eine zentrale Rolle ein. Flankiert werden die „Kollaborationen“ von dem Projekt einer fünfköpfigen Künstlergruppe: In „Rituals from the Fringe“ zeigen die Performer das Fortwirken der künstlerischen Prinzipien des Postmodern Dance in der Gegenwart.

Wort & Musik

Das im Vorjahr erfolgreich erprobte Format der Diskussionen wird mit besonderen musikalisch-sprachlichen Veranstaltungen fortgesetzt.

„Tag der Bagatellen“: Beethovens „Bagatellen“ stehen im Mittelpunkt einer „Diskussionsrunde mit Musik“ und eines Konzertes, das auch die „Kleinigkeiten“ anderer Komponisten bietet – u.a. von Franz Liszt, Arnold Schönberg, Wolfgang Rihm. Die Leitung hat Mozarteum-Rektor Siegfried Mauser, es spielen u.a. Preisträger der International Telekom Beethoven Competition 2015.

In „Eroica – oder was?“ – konzipiert und inszeniert von Martin Geck – begeben sich zwei Schauspieler auf die Spuren des symphonischen Mythos. Komplettiert wird die Reihe durch zwei Gesprächsrunden, in denen das Festivalmotto „Revolutionen“ den Ausgangspunkt bildet.

Kammermusik

Ein Liederabend der Mezzosopranistin Christina Daletska bringt „La fabrica illuminata“ des engagierten Luigi Nono und von „Revolutionen“ lässt sich auch Pianist Stefan Litwin für sein Konzert mit den Variationen auf ein chilenisches Kampflied von Frederic Rzweski inspirieren.

In der Redoute belebt das Bläser-Ensemble Zefiro die glanzvolle „Harmoniemusik“ der Klassik, während Mezzosopranistin Isabelle Druet, gemeinsam mit I Giardini, den Krieg zu Thema ihrer Lieder macht. Die vielfach ausgezeichnete Pianistin Anna Gourari taucht mit Sergei Prokofiews „Vision Fugitives“ in die Klangwelt der Moderne. Für ein ungewöhnliches Programm haben sich Musiker des Mahler Chamber Orchestra mit dem jungen finnischen Geiger Pekka Kuusisto zusammengetan: „klassische“ Werke und Jazz, finnischer Folk und Minimal Music. Ein besonderer Abend für Liebhaber der Kammermusik: András Schiff präsentiert seine Meisterschüler. Mit den Streichern der Kronberg Academy widmen sie sich vier Duo-Sonaten von Ludwig van Beethoven. Das vorzügliche Leipziger Streichquartett und Pianist Steffen Schleiermacher stellen sich den Zusammenhängen von Musik und Politik. Das Klaviertrio Hannover spielt mit Beethovens c-Moll-Trio ein wegweisendes Werk. Mit dem einzigen Streichquartett von Giuseppe Verdi und dem Quartett-Erstling von Gian Francesco Malipiero präsentiert das Quartetto di Venezia bedeutende Werke dieser „unitalienischen“ Gattung. Der renommierte Cellist Nicolas Altstaedt und Pianist Alexander Lonquich beenden ihren Zyklus mit Beethovens Cello-Sonaten, kombiniert mit den Werken von Camille Saint-SaënsundArthur Honegger.

Preisträger- und Jugendkonzerte

Eine Anzahl von Preisträgerkonzerten gibt hochbegabten jungen Gewinnern ein Forum, und das junge Beethovenfest sorgt für ein vielseitiges „Education“-Programm: Wiederum organisieren die Schülermanager ein prominentes Konzert für die Telekom und wiederumsteht ein großes Campus-Projekt mit dem Partner Deutsche Welle an: Diesmal findet der musikalische Nachwuchs aus Deutschland und Mexiko zusammen.

Jazz & Klassik, Crossover & Weltmusik

Unter dem Motto „Begegnungen“ steht eine von der Deutschen Post DHL Group getragene neue Konzertreihe, die Tradition und Gegenwart – alte Meister und junge Künstler – verbindet.

Während des gesamten Festivalzeitraums stehen unter der Rubrik Jazz, Crossover & Weltmusik Konzerte auf dem Programm, die sich in verschiedensten populären Stilen an die verschiedensten Publikumsschichten wenden.

Daten und Zahlen

Das Beethovenfest Bonn 2016 steht unter der Schirmherrschaft von Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und hat etwa 37.000 Eintrittskarten für ein Hauptprogramm mit 59 Veranstaltungen an 23 Spielstätten in Bonn und Umgebung aufgelegt. Ermöglicht wird das Fest durch die Zuwendungen der Bundesstadt Bonn und des Rhein-Sieg-Kreises sowie durch die projektbezogene Förderung des Landes Nordrhein-Westfalen. Die Hauptsponsoren Deutsche Post DHL Group, Deutsche Telekom, Sparkasse Köln-Bonn und Deutsche Welle sowie eine große Anzahl von Eventsponsoren und Stiftungen fördern das Beethovenfest Bonn. Darüber hinaus pflegt das Festival Medienpartnerschaften mit dem Bonner General-Anzeiger, dem Westdeutschen Rundfunk, mit Deutschlandfunk/Deutschlandradio Kultur und der Deutschen Welle. Das Beethovenfest Bonn ist Kulturpartner von WDR 3. Über die Deutsche Welle sind Konzerte weltweit in vielen Sprachen im Radio und als Podcast sowie im TV und im Internet zu erleben.

Das Beethovenfest Bonn ist im Web 2.0. auf Facebook, Google+, Twitter, Vimeo und YouTube präsent.

Eintrittskarten sind bei Bonnticket und allen bekannten Vorverkaufsstellen seit dem 14. Mai im Vorverkauf erhältlich. Telefonische Bestellungen unter +49 (0) 228-50 20 13 13. Onlinebestellungen auf www.beethovenfest.de sind bereits seit dem 23. April möglich.

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Herausgeber: Der Oberbürgermeister der Bundesstadt Bonn, Presseamt, Stadthaus, Berliner Platz 2, 53111 Bonn

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