Hamburg – Digitalisierung der Schulen mit deutlichen Fortschritten

IT-Ausstattung doppelt so gut wie im Bundesdurchschnitt – ab September Lernprogramme für den Mathematikunterricht.

Mittelrhein-Tageblatt - News aus Hamburg - Aktuell -Hamburg – Hamburgs Schülerinnen und Schülern stehen an den staatlichen Schulen rund doppelt so viele Computer wie im Bundesdurchschnitt zur Verfügung. Das hat eine interne Abfrage der Schulbehörde ergeben, an der sich 318 (rund 95 Prozent) der 338 Grund-, Sonder- und Stadtteilschulen sowie der Gymnasien beteiligt haben. Demnach gibt es an Hamburgs Schulen etwa 30.000 Computer für die Schülerinnen und Schüler.

Rechnerisch teilen sich 5,4 Schülerinnen und Schüler ein Gerät. Im Bundesdurchschnitt müssen sich dagegen 11,5 Schüler ein Gerät teilen. Seit 2014 hat die Schulbehörde zudem die Zahl der WLAN-Access-Points an Hamburger Schulen um knapp 70 Prozent von 1.062 (2014) auf 1.759 (2018) gesteigert. Ziel ist es, WLAN in jedem Unterrichtsraum zu ermöglichen. Auch im Unterricht wird die digitale Technik ausgebaut. Ab September können alle weiterführenden Schulen erstmals die webbasierten Lern-Programme „Bettermarks“ und „kapiert.de“ für den Mathematikunterricht in allen Klassen einsetzen.

Schulsenator Ties Rabe: „ Computer dominieren heute alle Lebensbereiche, insbesondere Beruf, Wirtschaft und Wissenschaft. Wir wollen Schülerinnen und Schüler auf die digitalisierte Wirklichkeit in Beruf, Studium und Freizeit besser vorbereiten. Besonders erfreulich ist, dass wir in Hamburg beim Ausbau der Infrastruktur schon vor dem Start des geplanten Digitalpaktes von Bund und Ländern deutlich vorangekommen sind. Unser Ziel ist es, dass in jedem Schulfach digitale Medien wie Tablets, Computer oder Smartphones genauso selbstverständlich genutzt werden wie Arbeitsheft und Schulbuch.“

Eine wichtige Voraussetzung für die Nutzung digitaler Medien im Unterricht ist eine verlässliche und schnelle Internetanbindung: Alle staatlichen Hamburger Schulen sind deshalb schon jetzt an das Glasfasernetz der Stadt angebunden. Jeder Kassenraum besitzt zudem einen Netzwerkanschluss. Das ist bundesweit einzigartig. Die meisten Bundesländer wollen diese Ausstattung erst im Rahmen der geplanten Initiative von Bund und Ländern zwischen 2019 und 2024 erreichen.

Aufgrund der guten Anbindung haben in Hamburg mittlerweile rund dreiviertel aller Klassenräume ergänzend zur Tafel ein interaktives Whiteboard, mit dem die Lehrkräfte den Unterricht gestalten können. Das Whiteboard ist eine digitale Tafel mit Beamer und angeschlossenem Computer. Darauf kann man wie auf jeder Tafel schreiben, aber auch Internetseiten aufrufen, Bilder oder Filme zeigen sowie interaktive Lernprogramme bedienen. Zurzeit gibt es an den Hamburger Schulen bereits 5.605 interaktive Whiteboards: ein Anstieg von über 30 Prozent seit 2014. Spitzenreiter sind die Stadtteilschulen mit durchschnittlich 32,5 Geräten pro Schule, gefolgt von den Gymnasien (24,7), den Sonderschulen (15,5) und den Grundschulen (11,4).

WLAN Ausbau hat begonnen

Die nächste Entwicklungsstufe ist die flächendeckende Ausstattung der Schulen mit WLAN in jedem Unterrichtsraum. Das soll den Schülerinnen und Schülern ermöglichen, auf dem eigenen Smartphone oder Tablet im Unterricht mit Lernprogrammen aus dem Internet zu arbeiten. Der Ausbau hat bereits begonnen. Jede allgemeinbildende Schule der Hansestadt verfügt heute über mindestens einen WLAN-Accesspoint. Insgesamt gibt es an den gut 300 befragten Schulen 1.759 WLAN-Accesspoints. Bei 35 Schulen (14 Gymnasien, 13 Stadtteilschulen, sieben Grundschulen und ein ReBBZ) ist der Ausbau des flächendeckenden und umfangreichen WLANs in jedem Unterrichtsraum bereits abgeschlossen oder in die Planung eines bereits laufende Um- oder Neubaus eingebunden. Der weitere Ausbau soll ab dem nächsten Jahr starten und mit den Mitteln aus dem Digitalpakt zwischen Bund und Ländern finanziert werden.

Lernsoftware für alle weiterführenden Schulen

Auch im Unterricht schreitet die Digitalisierung voran. Ab dem 9. September 2018 können alle Stadtteilschulen und Gymnasien in Hamburg erstmals den Mathematikunterricht digital gestalten. Dazu hat die Schulbehörde nach einer Ausschreibung erstmals mit zwei Anbietern Generallizenzverträge abgeschlossen, die es allen Lehrkräften ermöglichen, die web-basierten Lernprogramme „Bettermarks“ und „kapiert.de“ im Mathematikunterricht kostenlos einzusetzen. Auf beide Programme können Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte auch per Smartphone-App zugreifen. Die Mathematik-Lernangebote richten sich zunächst an die Klassen 5 bis 10.

Digitalpakt ab 2019

Der von Bund und Ländern vereinbarte „Digitalpakt Schule“ soll allen Bundesländern ab 2019 noch einmal deutlich Rückenwind für den Ausbau digitaler Technik an den Schulen geben. Fünf Jahre lang will der Bund pro Jahr eine Milliarde Euro den Ländern zur Verfügung stellen. Hamburg erwartet aus dem Programm jährlich rund 25 Millionen Euro, insgesamt nach fünf Jahren rund 125 Millionen Euro. Die Verhandlungen gestalten sich für Hamburg allerdings nicht einfach. Denn der Bund will in den Ländern vor allem den Anschluss der Schulen an das Glasfasernetz, schulische Server und den Ausbau von WLAN finanzieren. Da Hamburg bis auf das flächendeckende WLAN-Netz viele andere Projekte bereits aus eigener Kraft abgeschlossen hat, besteht die Gefahr, dass die zweckgebundenen Bundesmittel nur noch geringe Verbesserungen ermöglichen. Hamburgs Bildungsstaatsrat Rainer Schulz und Schulsenator Ties Rabe verhandeln derzeit mit dem Bundesbildungsministerium über die Eckpunkte und die Umsetzung des Digitalpaktes.

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Behörde für Schule und Berufsbildung – Stadt Hamburg
Peter Albrecht, Pressesprecher

 

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