Hamburg – Gesundheit: Verstärkte Aufklärung zum Europäischen Antibiotikatag

Gesundheitsbehörde macht mit Öffentlichkeitskampagne auf gezielten Einsatz von Antibiotika aufmerksam.

Mittelrhein-Tageblatt - News aus Hamburg - Aktuell -Hamburg – Um in Hamburg auf einen schonungsvollen Einsatz von Antibiotika hinzuweisen, haben sich die Akteure des Hamburger Gesundheitswesens im April zu einer gemeinsamen Strategie und Öffentlichkeitskampagne verpflichtet.

Anlässlich des 11. Europäischen Antibiotikatages am 18. November wird noch einmal verstärkt auf die wichtige Thematik durch öffentlich sichtbare Plakate, Stadtinformationsanlagen und Infoscreen-Spots aufmerksam gemacht. Werden Antibiotika zu häufig und unnötig eingesetzt, erhöht sich das Risiko von Resistenzen. Selbst harmlose Verletzungen, Standardoperationen und Infektionen können dann bereits zum Tode führen, wenn die lebensrettenden Medikamente nicht mehr wirken. Schätzungen zufolge sterben allein in Deutschland 10.000 bis 15.000 Menschen jährlich an den Folgen einer Infektion mit multire-sistenten Keimen.

„Antibiotika verlieren durch einen unsachgemäßen Gebrauch ihre Wirksamkeit. Wir alle können da-zu beitragen, dass Antibiotika nur dann eingesetzt werden, wenn sie auch wirklich helfen“, so Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks. „Auch mit Blick auf die kommende Grippesaison ist es nicht sinnvoll, wenn Patientinnen und Patienten ein Antibiotikum von ihrer Ärztin bzw. ihrem Arzt fordern. Die klassische Grippe wird durch Viren hervorgerufen, gegen die Antibiotika nicht helfen. Um auszuschließen, dass eine bakterielle Infektion vorliegt, kann zunächst ein Schnelltest gemacht werden, der seit dem 1. Juli 2018 von allen gesetzlichen Krankenkassen bezahlt wird.“

Die Aufklärungskampagne richtet sich mit speziellen Maßnahmen u. a. gezielt an die Gesundheits-berufe. Ziel ist es, das Fachpersonal dabei zu unterstützen, seine Fachkenntnisse auf einen aktuellen Stand zu bringen und es für den richtigen Einsatz von Antibiotika zu sensibilisieren. So sollen Ärztinnen und Ärzte dafür gewonnen werden, verstärkt auf labordiagnostische Schnelltests zur Unterscheidung von viralen und bakteriellen Infektionen zu setzen. Diese werden seit dem 1. Juli 2018 von allen gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Im Fall einer bakteriellen Infektion unterstützen die Schnelltests außerdem die gezielte Auswahl des richtigen Antibiotikums. Zu häufig werden gleich Breitbandantibiotika eingesetzt, die eine Resistenzentwicklung fördern. Sofern die klinischen Symptome ausreichend charakteristisch sind, kann die ärztliche Entscheidung für oder gegen eine Antibiotikatherapie auch ohne Schnelltest getroffen werden. Nicht in jedem Krankheitsfall ist ein Schnelltest erforderlich. Eine Laboruntersuchung sollte dann veranlasst werden, wenn aufgrund klinischer Kriterien die Indikation für oder gegen eine Antibiotikatherapie nicht eindeutig gestellt werden kann.

Die Kampagne klärt zudem die Bevölkerung darüber auf, dass Antibiotika nur gegen Bakterien wirken und der unsachgemäße und unbegründete Antibiotikagebrauch Risiken birgt. Patientinnen und Patienten sollten daher ihre Ärztin bzw. ihren Arzt nicht zu einer unwirksamen Verordnung drängen. Ist ein Antibiotikum aber notwendig, sollte es bis zum Schluss der Behandlung eingenommen und nicht beim ersten Anzeichen einer Besserung abgesetzt werden. Bleiben Antibiotika übrig, sollten sie nicht im häuslichen Medizinschrank verwahrt und nach eigener Verordnung eingenommen, sondern in den Restmüll gegeben werden.

Ziel der zweiten Plakatierung anlässlich des Europäischen Antibiotikatages an Litfaßsäulen sowie Stadtinformationsanlagen und des Einsatzes von Infoscreen-Spots am Hamburger Hauptbahnhof ist eine erhöhte Aufmerksamkeit für die seit April laufende Kampagne. Auch in Hamburger Arzt- und Zahnarztpraxen, in den Bezirksämtern sowie im Gesundheitskiosk Billstedt/Horn sind die Plakate zu sehen. An der Aufklärungskampagne sind u. a. die Gesundheitsbehörde, Krankenkassen, Ärzte-, Zahnärzte- und Psychotherapeutenkammer, die Krankenhausgesellschaft, Apotheker und Patientenvertreter beteiligt.

Diese und weitere Informationen stehen unter www.hamburg.de/antibiotika-gezielt zur Verfügung.

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Pressestelle der Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz – Stadt Hamburg

 

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