Hannover – Kultur: Der Hölty-Preis, Deutschlands höchstdotierter Lyrikpreis, geht in diesem Jahr an Norbert Hummelt

Nachrichten-aus-Hannover-Aktuell-Hannover (NI) – Kultur: Der zum sechsten Mal verliehene „Hölty-Preis für Lyrik der Landeshauptstadt und der Sparkasse Hannover“ geht in diesem Jahr an den 1962 in Neuss geborenen, heute in Berlin lebenden Dichter und Übersetzer Norbert Hummelt. Er wird ihm am 13. September um 20 Uhr im Calder-Saal, Sprengel Museum Hannover, überreicht. Mit 20.000 Euro, die von der Sparkasse Hannover gestiftet werden, ist der Hölty-Preis für Lyrik der höchstdotierte Lyrikpreis im deutschsprachigen Raum. Er wird seit 2008 im Zwei-Jahres-Rhythmus von der Stadt und der Sparkasse Hannover verliehen.

Die Jury würdigt damit einen Lyriker, dessen oeuvre sich in subtiler Konsequenz einer produktiven Neuaneignung der poetischen Tradition verpflichtet weiß. In der Begründung der Jury für den diesjährigen Preisträger heißt es:

„Im Versuch einer emphatischen Neuaneignung der poetischen Tradition ist kaum ein Dichter der Gegenwart einen so konsequenten Weg gegangen wie Norbert Hummelt. In seinem Gedichtband ‚singtrieb‘ (1997) hatte er sich den Sehnsuchtston von Eichendorffs Romantik anverwandelt; in späteren Bänden (z.B. ‚pans stunde‘ von 2011) öffnet er sich den poetischen Resonanzen Stefan Georges, indem er dessen poetischen Absolutismus der ‚reinen Sprache‘ in eine zeitgenössische Gedichtsprache übersetzt. Hummelts jüngster Band ‚Fegefeuer‘ (2016) enthält Referenzen an Dantes ‚Commedia‘ und ist als eine poetische Jenseitswanderung angelegt. Sie ist getragen von einem leichten, liedhaften Ton, mit dem ein lyrisches Ich die Räume der Erinnerung durchmisst. In subtil geflochtenen Terzinen, diskret gesetzten Binnenreimen und ruhig dahinfließenden Langzeilen durchquert dieser Dichter die Dämmerzonen zwischen Traum und Trance, Meditation und Vision, in denen die Stimmen der Toten hörbar werden.

Man darf es durchaus eine poetische Provokation nennen, wenn sich der neue Hölty-Preisträger vom wilden Fragmentarismus seiner Dichterkollegen abwendet und sich stattdessen auf das Glück der nahen Dinge konzentriert: Brombeerhecken und Schlehenblüten, Kohlweißlinge und Schwalben sind diesem empfindsamen poetischen Bewusstsein näher als die neuesten Wucherungen einer durch das Internet deformierten Wissenskultur. Norbert Hummelt verfügt über die seltene Fähigkeit, die Grenzen zwischen Diesseits- und Jenseitserfahrung in seiner Dichtung zu öffnen und die Orte einer versunkenen Kindheit aufzurufen, an denen die Welt noch offen und den Wünschen noch die Chance zur Erfüllung gegeben war.“

Zu Norbert Hummelt:

Norbert Hummelt wurde 1962 in Neuss geboren und lebt als freier Schriftsteller in Berlin. Für seine Gedichte wurde er vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Rolf-Dieter-Brinkmann-Preis, dem Mondseer Lyrikpreis und dem Niederrheinischen Literaturpreis. Er übertrug T.S. Eliots Gedichtzyklen „Das öde Land“ und „Vier Quartette“ neu in Deutsche und ist Herausgeber der Gedichte von W.B. Yeats. Bei Luchterhand erschienen seine Gedichtbände „Zeichen im Schnee“ (2001), „Stille Quellen“ (2004), „Totentanz“ (2007) und „Pans Stunde“ (2011) sowie der Essay „Wie Gedichte entstehen“ (mit Klaus Siblewski, 2009).

Die Hölty-PreisträgerInnen:

Thomas Rosenlöcher (2008)

Paulus Böhmer (2010)

Christian Lehnert (2012)

Silke Scheuermann (2014)

Christoph Meckel (2016)

Zum „Hölty-Preis für Lyrik der Landeshauptstadt und der Sparkasse Hannover“

Die literarische Bedeutung seines Namensgebers Hölty steht für die enge Verbindung des Preises mit Stadt und Region. Ludwig Christoph Heinrich Hölty (geboren am 21. Dezember 1748 im Kloster Mariensee bei Hannover, gestorben am 1. September 1776 in Hannover) ist von seinem künstlerischen Rang her einer der bedeutendsten deutschen Lyriker. Die Bedeutung beruht vor allem auf der Formenvielfalt, Eigenständigkeit und Stimmungs-Eindringlichkeit seiner etwa 140 Gedichte. Hölty ist neben den Brüdern Schlegel, Karl Philipp Moritz, Carl Sternheim und Kurt Schwitters der wichtigste mit der Stadt und der Region verbundene Dichter. Er verbrachte seine Kindheit und Schulzeit im Dorf Mariensee und die letzten Lebensjahre in Hannover, wo er, erst 28-jährig, 1776 starb.

Die bedeutende Auszeichnung wird an eine lebende deutschsprachige Lyrikerin beziehungsweise einen Lyriker für ein lyrisches Gesamtwerk oder eine einzelne Veröffentlichung vergeben.

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Die Pressemitteilung im Original finden Sie unter: www.presseservice-hannover.de

 

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