Koblenz – Gesellschaft: Gleichstellung von männlichen Opfern bei Partnerschaftsgewalt ernst nehmen

Nachrichten-aus-Koblenz-RLP-Koblenz – Gesellschaft: Zweimal im Jahr tagt auf Einladung der städtischen Gleichstellungsstelle der Arbeitskreis gegen Gewalt in engen sozialen Beziehungen im Koblenzer Rathaus. Hier kommen 32 AkteurInnen verschiedener Institutionen wie zum Beispiel Frauenhaus, Polizei, Justiz und soziale Einrichtungen zusammen, die das Thema Gewalt gegen Frauen und den Schutz weiblicher Opfer bei Partnerschaftsgewalt bearbeiten.

Eine Besonderheit war deshalb die Einladung von René Pickhardt, der als ehemaliges Opfer von Beziehungsgewalt in seinem Vortrag auf die speziellen Probleme männlicher Opfer in unserem Land hinwies und über die Absicht des Aufbaus einer Männerschutzwohnung berichtete.

Dazu Pickhardt: “Obwohl laut Kriminalstatistik der Koblenzer Polizei etwas mehr als 20 % der Opfer von Partnerschaftsgewalt männlich sind, gibt es weder in Koblenz, noch in Rheinland-Pfalz Hilfsangebote, die sich an männliche Opfer richten. Selbst auf der Website der Polizei wird das Thema häusliche Gewalt nur aus Sicht der weiblichen Opfer und männlichen Täter dargestellt.

Geht man als Mann zu einer Einrichtung für Opfer häuslicher Gewalt, wird man mit dem Hinweis abgewiesen, dass man entsprechend der Fördermittel und -bedingungen des Familienministeriums ausschließlich Hilfe für Frauen anbieten könne. Somit sind männliche Opfer in unserer Gesellschaft besonders hilflos. Das empfinde ich als einen Verstoß gegen Artikel 3 unseres Grundgesetzes, der die Chancengleichheit für alle Menschen unabhängig von ihrem Geschlecht, Rasse oder ihrer Religion garantieren soll.”

In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass den Teilnehmenden des Arbeitskreises gegen Gewalt in engen sozialen Beziehungen tatsächlich landesweit kein einziges Projekt bekannt ist, das sich auf die Opferarbeit mit männlichen Opfern von häuslicher Gewalt bezieht.

René Pickhardt verwies in diesem Zusammenhang auf das Projekt Gender Mainstreaming des rheinland-pfälzischen Ministeriums für Familie, Frauen, Jugend, Integration und Verbraucherschutz, wobei ein Schwerpunkt das sogenannte Gender Budgeting sei. Darunter versteht man die geschlechtssensible Budgetierung von Finanzmitteln in öffentlichen Einrichtungen. Er warb dafür, dass sich der Arbeitskreis dafür einsetzen möge, dass von der Landesregierung – unter Berücksichtigung der aktuellen Kriminalstatistiken- neben den bestehenden Zuschüssen für Frauenhäuser künftig auch zusätzliche finanzielle Mittel für die Förderung von Gewaltschutzwohnungen für Männer bereitgestellt werden.

Gabriele Mickasch, Gleichstellungsbeauftragte hierzu: „Wir sind froh, dass Herr Pickhardt offen über seine eigenen Erfahrungen spricht und versucht, auf friedliche Art und Weise den bestehenden Ungleichbehandlungen entgegen zu wirken. Im Arbeitskreis sind wir uns einig, dass die Gleichstellung von männlichen Opfern bei Partnerschaftsgewalt ernst genommen werden muss. Deshalb unterstützen wir das Anliegen, in Koblenz zügig die erste rheinland-pfälzische Gewaltschutzwohnung für Männer einrichten zu können.“

Über René Pickhardt:
René Pickhardt war Spitzenkandidat zur Bundestagswahl für die Piratenpartei. Neben seinem Augenmerk auf Themen im Bereich des freien Wissens und sozialen Wohnungsbaus setzt er sich seit rund 3 Jahren für eine Verbesserung der Situation männlicher Opfer von häuslicher Gewalt ein.

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Stadt Koblenz

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