Koblenz – Wissenslücke über die Neuendorfer Flößerei geschlossen – Neu im Blog des Stadtarchivs Koblenz

Nachrichten-aus-Koblenz-RLP-Koblenz – Nach einer Vorarbeit von zwei Jahren und einer intensiven Phase im letzten halben Jahr hat das Autorenteam Willi Gabrich und Anke Sürtenich die Neuendorfer Flößerei mit neuen Erkenntnissen erforscht.

In enger Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv Koblenz, dem Flößer- und Schiffermuseum Kamp-Bornhofen sowie Heimat- und Familienforschern entstand ein Werk von 76 Seiten. Dazu gehören komplette Listen der Neuendorfer Flößer von 1766, 1852 und 1892. Interessierte Bürger werden hier den ein oder anderen ihrer Vorfahren entdecken können. Zusätzlich verfügt die Arbeit über ein ausführliches Quellen- und Literaturverzeichnis.

Das Besondere ist der Doppelerwerb der Flößerfamilien in Neuendorf durch Floßfahrt der Männer und Gemüseanbau und Feldarbeit der Frauen. Für die seltenen und neuen Sämereien, die die Flößer von Holland mitbrachten, war Neuendorf im gesamten Rheinland auch als „Gemüsegarten von Koblenz“ bekannt. Neu ist auch die Erwähnung von Flößerkrankheiten wie Rheuma und Wechselfieber bei Männern und Krankheiten ihrer Frauen durch harte Arbeit, Kindererziehung und Mangelernährung.

Neu ist auch die Erkenntnis aufgrund einer Veröffentlichung des Stadtarchivs, die über Neuendorfer Flößer als Auswanderer Auskunft gibt. Eine besondere Würdigung erfährt der erste Neuendorfer Pfarrer J. G. Lang, der nicht nur Mitbegründer von Stadtbibliothek und Mittelrhein-Museum war, sondern auch einer der frühen Reiseschriftsteller. Als solcher hatte er die Möglichkeit, auf einem der Riesenflöße mitzufahren und sie genau zu beschreiben.

Er gilt bei der Beschreibung der Floßtechnik und des Lebens auf einem Floß als Pionier! Weiter benutzt die Arbeit ein bisher nicht bekanntes Neuendorfer Flößer-Wanderbuch, das in Kopie im Archiv Willi Gabrich vorliegt und so ausgewertet werden konnte.

Ferner wurde das Tagebuches des Neuendorfer Floßhändlers Peter Miltz aus dem Bestand des Landeshauptarchivs ausgewertet, das fein säuberlich Tag für Tag die geleisteten Tätigkeiten vom Aussuchen des Floßholzes über die Herstellung des Floßes bis zum Verkauf in Dordrecht Auskunft gibt. Eine besondere Würdigung erfährt auch die Neuendorfer Floßhändlerfamilie Nell, die eine Floßherrendynastie von Neuendorf aus aufbaute und diese später von Trier aus weiterführte.

Nicht vergessen werden darf der Lebensbericht des Flößers Johann Klemann aus dem ersten Drittel des 20. Jahrhunderts. Den Abschluss bilden Aussagen von Neuendorfern, die als Kinder und Jugendliche die Flöße vor Ort erlebten.

URL: https://stadtarchivkoblenz.wordpress.com/2018/10/19/die-floesserei-in-neuendorf/

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Stadt Koblenz

 

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