Köln – RTL/n-tv-Trendbarometer: AfD-Anhänger wollen eine andere Republik – Deutsche werden es noch bereuen, dass Merkel an die Macht kam

52% der AfD-Anhänger lehnen das politische System ab – 71% denken: „Deutsche werden es noch bereuen, dass Merkel an die Macht kam“ – Wahltrend: Linke +2%, AfD -2%, SPD 16%

DeutschlandTrend - Aktuell - Mittelrhein-Tageblatt -Köln (NRW) – Unter dem Eindruck der Ereignisse in Chemnitz halten mehr als die Hälfte aller Bundesbürger (52%) das Ausmaß des Rechtsextremismus‘ in Deutschland und die Gefahr rechtsextremer Gewalttaten für das wichtigste Thema – weitaus wichtiger als die Themen Zuwanderung, Rente und Donald Trump (jeweils 9%).

Wer sind die Anhänger der AfD, die diese rechte Protestwelle mitträgt, und wie denken diese „Wutbürger“? Die Auswertungen der im Rahmen des RTL/n-tv-Trendbaro-meters erhobenen Daten von AfD-Anhängern sowie Wahlberechtigten ohne AfD-Präferenz belegt, dass sich die AfD-Sympathisanten erheblich von der großen Mehrheit der Wahlberechtigten nicht nur in den alten, sondern auch den neuen Bundesländern und selbst von denen in der AfD-Hochburg Sachsen unterscheiden.

So ist die AfD wie alle bisherigen rechtsradikalen Bewegungen in Deutschland eine Männer-Partei: Nur 27 Prozent ihrer gegenwärtigen Anhänger sind Frauen, 73 Prozent Männer. Weit über die Hälfte (56%) hat keinerlei kirchliche Bindungen. Die Hälfte (49%) verortet sich selbst im rechten politischen Spektrum. Über die Hälfte (52%) ist zudem mit dem im Grundgesetz verankerten demokratischen System an sich nicht zufrieden (von den übrigen Wahlberechtigten nur 20%).

Nicht bestätigt wird durch die vorliegenden Daten die häufige Vermutung, bei AfD-Anhängern handele es sich um gesellschaftlich und ökonomisch „Abgehängte“. Das Haushaltsnettoeinkommen der AfD-Anhänger ist ebenso hoch wie das der übrigen Wahlberechtigten und liegt durch-schnittlich bei über EUR 3.000,–. Obwohl es den meisten AfD-Anhängern ökonomisch nicht schlechter geht als allen Wahlberechtigten, rechnen 71 Prozent von ihnen mit einer Verschlechterung der wirtschaftlichen Verhältnisse in Deutschland. Von den Wahlberechtigten ohne AfD-Präferenz haben deutlich weniger (37% in ganz Deutschland; 34% in Sachsen) pessimistische Wirtschaftserwartungen.

Starke fremdenfeindliche Elemente finden sich bei den Einstellungen der AfD-Anhänger gegenüber den Flüchtlingen. Während von den Wahlberechtigten ohne AfD-Präferenz nur 22 Prozent in ganz Deutschland und auch nur 23 Prozent in Sachsen angeben, die Zuwanderung verursache bei ihnen Angst, geben das 77 Prozent der AfD-Anhänger an. Und dass die Deutschen „um ihr Land kämpfen müssen“, weil „Flüchtlinge Unruhe und Gewalt in unser Land“ bringen, meinen 59 Prozent der AfD-Anhänger, aber nur 8 bzw. 10 Prozent der Wahlberechtigten ohne AfD-Präferenz in ganz Deutschland bzw. in Sachsen. Materielle Nachteile durch Flüchtlinge haben nach eigenen Angaben nur 7 Prozent aller und 8 Prozent der sächsischen Wahlberechtigten ohne AfD-Nähe gehabt, während das von AfD-Anhängern deutlich mehr (39%) angeben. Die Befürworter einer „Willkommens- bzw. Multi-Kulti-Kultur“ sind für die Mehrheit der AfD-Anhänger (51%) „Vaterlandsverräter“.

Knapp drei Viertel (71%) der AfD-Anhänger sind zudem davon überzeugt, dass die Deutschen „den Tag noch bereuen werden, an dem Merkel an die Macht kam“. Ein Drittel (33%) der AfD-Sympathisanten meint, Deutschland brauche wieder einen „starken Führer“ und ein Viertel (24%) sieht im Nationalsozialismus durchaus auch „gute Seiten“ (von allen übrigen Wahlberechtigten meinen das nur wenige – 4% in ganz Deutschland und 5% in Sachsen).

Drei Viertel der AfD-Anhänger (76%) sind auch davon überzeugt, dass die „deutschen Medien“ von „ganz oben gesteuert“ werden „und meist nur unzutreffende Meinungen“ verbreiten. Das glauben ansonsten nur 17 Prozent aller und 21 Prozent der sächsischen Wahlberechtigten. 76 Prozent der AfD-Anhänger glauben, dass die meisten Ostdeutschen die Ziele der AfD und von Pegida unterstützen – doch die vorliegenden Daten zeigen, dass dies überwiegend nicht der Fall ist.

forsa-Chef Prof. Manfred Güllner gegenüber der Mediengruppe RTL: „Es zeigt sich, dass die AfD keinesfalls, wie sie vorgibt, die Meinungen der Mehrheit des Volkes repräsentiert, sondern nur die einer Minderheit, die anfällig ist für fremdenfeindliches und völkisches Gedankengut. Selbst in ihren Hochburgen im Osten des Landes denkt die große Mehrheit nicht so wie die Minderheit der AfD-Anhänger.“

SPD auf neuem Tiefstand

Im aktuellen RTL/n-tv-Trendbarometer ändern sich die Werte aller Parteien gegenüber der Vorwoche (mit Ausnahme der kleinen Splitterparteien). Verlierer der Woche: AfD (-2%punkte). Gewinner der Woche: Die Linke (+2%punkte). Union und FDP gewinnen je einen Prozentpunkt, während SPD und Grüne je einen Prozentpunkt verlieren. Bei einer Bundestagswahl ergäbe sich derzeit folgende Stimmverteilung: CDU/CSU 31 Prozent (Bundestagswahl 32,9%), SPD 16 Prozent (20,5%), FDP 9 Prozent (10,7%), Grüne 15 Prozent (8,9%), Linke 10 Prozent (9,2%), AfD 14 Prozent (12,6%). 5 Prozent würden sich für eine der sonstigen Parteien entscheiden (5,2%). 27 Prozent aller Wahlberechtigten sind derzeit unentschlossen oder würden nicht wählen (Nichtwähler 2017: 23,8%).

forsa-Chef Prof. Manfred Güllner gegenüber der Mediengruppe RTL: „Die AfD verliert aufgrund des sich formierenden Widerstands gegen Gewalt von rechts, die Linke profitiert vom Medienecho über Sahra Wagenknechts neue Sammlungsbewegung ‚Aufstehen'“.

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Die Daten zur Struktur der AfD-Anhänger und ihren Einstellungen basieren auf einer Analyse von im Rahmen des RTL/n-tv-Trendbarometers im Juli und August 2018 befragten 3.820 AfD-An¬hän-gern und 11.100 Wahlberechtigten ohne AfD-Präferenz sowie einer aktuellen Befragung im Auftrag der Mediengruppe RTL vom 3. – 7. 9. 2018 (2.009 Befragte, davon 1.003 in den alten Bundesländern, 303 in Sachsen und 703 in den übrigen neuen Bundesländern).

Die Daten zur Parteienpräferenz wurden vom 3. – 7. 9. 2018 im Auftrag der Mediengruppe RTL erhoben. Datenbasis: 2.507 Befragte. Statistische Fehlertoleranz: +/- 2,5 Prozentpunkte.

OTS: RTL

 

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