Trier – Erste konkrete Schritte auf dem Weg zu einer inklusiven Stadt

Nachrichten-aus-der-Moselstadt-TrierTrier – (pe) Vor einem Jahr hat der Stadtrat den Handlungsempfehlungen zur Umsetzung des Aktionsplans Inklusion zugestimmt. Er soll die Teilhabe von Menschen mit Behinderung am städtischen Leben verbessern und den Zugang zu Dienstleistungen des Rathauses erleichtern. Nach der ersten Zwischenbilanz, die die Koordinatorin Uta Hemmerich-Bukowski im Steuerungsausschuss vorstellte, wurden acht der 59 ausgewählten Projekte realisiert, darunter die Barrierefreiheit aller Wahllokale bei der Bundestagswahl, eine Übersicht zu behindertengerechten öffentlichen Toiletten auf der TTM-Internetseite, die Übertragung von Stadtratssitzungen im Bürgerrundfunk OK 54 sowie eine Plattform mit Materialien für einen inklusiven Unterricht.

Die Schaffung „einer Stadt für alle“, so OB Wolfram Leibe im Steuerungsausschuss, „ist ein langandauernder Prozess, für den wir eine kritisch-konstruktive Begleitung brauchen“. Er würdigte die Arbeit des Behindertenbeirats, der die unverzichtbare Sicht von außen liefere. Die erste Zwischenbilanz zeige deutlich „dass die Verwaltung die an sie gestellte Aufgabe der Auseinandersetzung mit dem Thema Inklusion auch nach der Aufstellung des Aktionsplans ernsthaft weiter verfolgt. Die detaillierten Rückmeldungen in der Zwischenbilanz, „bringen Transparenz in das Handeln der Verwaltung“, betonte der OB.

Um die umfangreiche Zwischenbilanz übersichtlicher zu machen, wurden die realisierten oder im Verwaltungshandeln etablierten Projekte mit einem grünen Ampelsymbol versehen. Die größte Gruppe unter den 59 Vorhaben sind 47 Maßnahmen, die eine gelbe Ampel tragen, weil sie in der Umsetzungsphase sind. Oft ist das nur als langfristiger Prozess möglich. Das gilt etwa für den Abbau von Barrieren an Fußgängerüberwegen oder die verbesserte Zugänglichkeit von Kitas und Schulen. Dafür sind oft umfangreiche Bauarbeiten erforderlich, die Koordinatorin Hemmerich-Bukowski als „Mammutaufgabe“ beschrieb. Um eine größere Zahl von Menschen mit Behinderung im Rathaus beschäftigen zu können, müssen Kollegen, die mit ihnen zusammenarbeiten, erst einmal eine spezielle Schulung absolvieren. Im Grünflächenamt soll ein Angebot an vereinfachten Ausbildungsberufen entstehen. Erster Schritt ist die Ausbildung zum Gartenbauwerker, die frühestens 2019 angeboten werden kann.

Bei anderen Themen können erste Schritt mit einem geringeren Aufwand und daher oft schneller realisiert werden. Ein Beispiel sind Schulungen von Mitarbeitern in Ämtern mit viel Publikumsverkehr, um die Kommunikation stärker auf die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung auszurichten. Das ist außerdem erforderlich für städtische Bescheide und Info-Broschüren. Ein erster Schritt war hier die Veröffentlichung eines Flyers mit Infos zur Sozialhilfe in Einfacher Sprache sowie von Verwaltungsbescheiden in den Bereichen Grundsicherung sowie Bildung und Teilhabe in Leichter Sprache.

Mit einer roten Ampel gekennzeichnet sind vier der 59 Projekte auf der Liste für den Aktionsplan Inklusion. In einem Fall hängt die Verzögerung vor allem damit zusammen, dass erst einmal definiert werden muss, was alles unter dem Begriff Bildungsangebot zu verstehen ist. In anderen Fällen sind Abstimmungen mit der Landesregierung erforderlich, bevor die Umsetzung beginnen kann. Einen positiven Schub für den Aktionsplan brachten die Special Olympics-Landesspiele im Juni 2017. „Mit diesem sportlichen Großereignis gelang es, ein lebendiges Zeichen für ein selbstverständliches Miteinander in unserer Stadt zu setzen“, betonen die Autoren der Zwischenbilanz. Städtische Ämter aus allen Dezernaten hätten sich sehr engagiert beteiligt.

Der städtische Behindertenbeauftragte Gerd Dahm kritisierte in seiner Stellungnahme unter anderem die Verwendung der Ampel-Symbole. Die gelbe Kategorie sei viel zu weit gefasst und enthalte Vorhaben mit ganz unterschiedlichem Bearbeitungsstand. „Dort tauchen Projekte auf, an denen die Arbeit gerade erst begonnen hat, aber auch welche, die zwar als Einzelvorhaben abgeschlossen, aber Teil eines größeren, noch nicht abgeschlossenen Prozesses sind. Ein Beispiel ist der im Theater eingebaute Aufzug, mit dem aber eine umfassende Barrierefreiheit längst noch nicht erreicht ist“, so Dahm.

Der Behindertenbeauftragte fordert außerdem konkrete Nachbesserungen: Die Übersicht zu den behindertengerechten Toiletten auf der TTM-Homepage sei zu stark auf die Innenstadt konzentriert und die Übertragung der Stadtratssitzungen im OK 54 erst wirklich barrierefrei, wenn ein Gebärdendolmetscher eingesetzt werde. Erst dann könnten auch schwerhörige oder taube Menschen die Debatten verfolgen. Insgesamt lobte Dahm, dass das Thema Inklusion flächendeckend angegangen wird und forderte, die Umsetzungsvorschläge im städtischen Doppelhaushalt 2019/20 zu berücksichtigen: „Wir brauchen das Bekenntnis, dass es eine inklusive Stadt nicht umsonst gibt und wünschen uns mehr Mut zu einer kritischen Begleitung dieses Prozesses.“

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Presseamt Trier

 

 

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