Diabetes – Im Kampf gegen quälendes Kribbeln: Schmerzschrittmacher bei diabetischer Polyneuropathie

Gesundheitsratgeber-24-Diabetesratgeber-Aktuell-Diabetes – Wuppertal im April 2019. Polyneuropathie: Ein unangenehmes Kribbeln oder Brennen, Taubheitsgefühle sowie starke Schmerzen in den Füßen und manchmal auch in den Händen – viele Diabetespatienten kennen diese Beschwerden.

Die Ursache: Nervenschäden. Ist der Blutzuckerwert dauerhaft erhöht, können Zuckerabbauprodukte die Nerven zerstören. „Je öfter ein erhöhter Blutzuckerwert vorliegt, desto mehr steigt das Risiko einer Nervenschädigung. Mediziner sprechen in diesem Fall von peripherer Neuropathie, einer Erscheinungsform der diabetischen Polyneuropathie. Sie betrifft die Nerven außerhalb des Gehirns sowie des Rückenmarks.

Die diabetische Polyneuropathie zählt zu den häufigsten Folgeerkrankungen bei Diabetes und geht in vielen Fällen mit einer starken Einschränkung der Lebensqualität einher“, erklärt Dr. Thorsten Riethmann, Facharzt für Neurochirurgie und Leiter des Instituts für Neuromodulation am Petrus-Krankenhaus in Wuppertal. Dabei gibt es noch weitere Formen der Erkrankung, beispielsweise die autonome Neuropathie, die Organbeschwerden hervorruft.

Wenn selbst die Bettdecke stört

Bei der peripheren Polyneuropathie treten Symptome wie Kältegefühle oder Schmerzen zunächst in den Zehen auf, bevor sie weiter in Füße und Unterschenkel wandern. In manchen Fällen sind auch die Hände oder Arme betroffen. Meist leiden Patienten in Ruhe stärker unter den Symptomen als in Bewegung. Folglich nehmen die Beschwerden nachts zu, sodass manchmal selbst die Berührung der Bettdecke Schmerzen verursacht. Deshalb leiden viele auch unter Schlafstörungen. Bei Patienten mit verringerter Empfindlichkeit beziehungsweise Taubheit in den unteren Extremitäten verursacht eine nicht diagnostizierte Erkrankung auch oft das sogenannte diabetische Fußsyndrom.

Vorsorge wichtig

Sowohl Patienten, die unter der Typ-1-Erkrankung leiden, als auch Betroffene mit Diabetes Typ 2 können an Polyneuropathie leiden. Da die Krankheit zudem Patienten jeden Alters treffen kann, sollte einmal im Jahr eine Untersuchung der Nerven erfolgen, denn nicht immer äußern sich Nervenschäden unmittelbar mit Symptomen. „Bei der Anamnese untersuchen wir sowohl die Berührungsempfindlichkeit als auch das Temperatur- und Vibrationsempfinden“, so Dr. Riethmann.

Symptome lindern

Da sich einmal geschädigte Nerven nicht regenerieren, zielt die Behandlung sowohl darauf ab, das Voranschreiten der Krankheit zu verlangsamen, als auch, die Symptome zu lindern. Hierfür gilt es zunächst einmal den Blutzuckerwert regelmäßig zu überprüfen – nur so lässt sich eine wiederholte Überzuckerung vermeiden. Zur Schmerzlinderung können Medikamente zum Einsatz kommen. Hierbei greifen Mediziner oft auf Wirkstoffe zurück, die auch bei anderen Formen von Nervenerkrankungen zum Einsatz kommen: Dies können neben Medikamenten zur Behandlung von Epilepsie auch Antidepressiva sein. Ebenso können Opioide starke Schmerzen lindern. „Die Einnahme von entzündungshemmenden Medikamenten hat sich jedoch nicht bewährt. Oft geht der Einsatz von Medikamenten mit starken Nebenwirkungen einher, die zu einer weiteren Verschlechterung der Lebensqualität führen“, erklärt der Neurochirurg.

Alternative Neuromodulation

„Eine schonende Behandlungsalternative stellt die Neuromodulation dar. Hierbei erhalten Betroffene unter örtlicher Betäubung eine oder zwei feine Elektroden unmittelbar an die Wirbelsäule hinter das Rückenmark implantiert. Diese sind mit einem Impulsgeber verbunden, der schwache elektrische Impulse an das Rückenmark abgibt und somit starke Schmerzen in ein leichtes Kribbeln umwandelt“, so Dr. Riethmann. In der Regel erfolgt zunächst eine Testphase, die etwa ein bis zwei Wochen andauert. Verläuft sie erfolgreich, bekommen Betroffene den Schrittmacher unter die Haut implantiert. Patienten können das Gerät per Hand steuern – so lässt es sich nicht nur aus- und einschalten, auch zwischen Modi mit unterschiedlichen Stärken kann so gewählt werden.

Was Betroffene selbst tun können

Neben der regelmäßigen Überprüfung des Blutzuckerwertes und den jährlichen Vorsorgeuntersuchungen können Diabetespatienten weitere Maßnahmen treffen, um der Entstehung beziehungsweise dem Voranschreiten der Polyneuropathie vorzubeugen. „So gilt es nicht zu rauchen und auf Alkohol zu verzichten. Zudem sollten Betroffene versuchen, ein Normalgewicht zu halten. Außerdem spielt die Fußpflege eine wichtige Rolle dabei, das Entstehen des diabetischen Fußsyndroms zu vermeiden“, erklärt Dr. Riethmann abschließend.

Weitere Informationen unter www.petrus-krankenhaus-wuppertal.de

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Borgmeier Public Relations

Autor: Redaktion Medizin und Ernährung