Forschung zu Cannabis – Schmerzen bei Trockenen Augen – Forscher setzen Hoffnungen in Cannabis-Augentropfen

September 2019 – Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG).

Gesundheitsratgeber-24-Forschung-und-Wissenschaft-Aktuell-Cannabis – Berlin – Fast jeder Zehnte leidet in Deutschland an Trockenen Augen und damit häufig an chronischen, starken Schmerzen. Auf der Suche nach einer wirksamen und nebenwirkungsarmen Schmerztherapie haben Forscher jetzt Augentropfen mit Cannabiswirkstoffen entwickelt. Die ersten Studienergebnisse sind vielversprechend, in Kürze soll die Wirkung an Patienten getestet werden. Über den Stand der Forschung berichteten Experten auf der Vorab-Pressekonferenz zur DOG2019.

Das Trockene Auge ist die häufigste chronische Augenerkrankung, bis zu zehn Prozent der Bevölkerung in Deutschland leiden daran. Außer Sehbeschwerden sind Augenschmerzen das Hauptsymptom dieser Störung der Tränenproduktion – teilweise sind die Schmerzen so stark, dass Betroffene Jobverlust oder Trennung erleiden und Suizidgedanken entwickeln. „Wir verfügen bisher über keine wirksame Therapie gegen die Augenschmerzen“, sagt Professor Dr. med. Claus Cursiefen, Präsident der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG). „Unsere Hoffnungen ruhen deshalb auf Augentropfen mit Cannabiswirkstoffen.“

Insbesondere der Wirkstoff Tetrahydrocannabinol, kurz THC, kommt in der Medizin schon bei verschiedenen Leiden wie chronischen Schmerzen, Epilepsie oder Tourette-Syndrom als Medikament zum Einsatz. Nun hat sich eine Forschungsgruppe der Universitäts-Augenklinik Köln das Ziel gesetzt, nebenwirkungsarme Cannabis-Augentropfen zu entwickeln. Das Projekt wird in Zusammenarbeit mit einer Pharmafirma durchgeführt und durch die Europäische Union gefördert.

„Wir haben Augentropfen mit THC auf Basis von Semifluorierten Alkanen, SFAs, hergestellt“, erläutert Projektleiter Professor Dr. med. Philipp Steven. „Cannabiswirkstoffe lassen sich nicht in Wasser lösen, daher nutzen wir die wasserfreie SFA-Technologie“, führt der Leiter des Schwerpunkts Trockenes Auge und okuläre Graft-versus-Host Erkrankung an der Universitäts-Augenklinik Köln aus. So können hohe Wirkstoffmengen an den Ort der Erkrankung, die Augenoberfläche, transportiert werden. „Das Auge, vorallem die Hornhaut, besitzt mehr Nervenenden als jedes andere Gewebe des menschlichen Körpers und ist deshalbauch so schmerzempfindlich“, erläutert Steven.

Die THC-Augentropfen sind bereits in einer experimentellen Studie getestet worden. Die Ergebnisse zeigen: Bei Mäusen mit Trockenen Augen führten die Cannabis-Augentropfen zu einer starken Besserung der Erkrankung und der Funktion der Nervenenden. „Wir gehen davon aus, dass die Cannabis-Augentropfen an die Nervenenden binden und so ihre Wirkung vermitteln“, berichtet Steven. Aufgrund der verwendeten niedrigen Dosis erwarten die Wissenschaftler keine unerwünschten Effekte im zentralen Nervensystem, etwa in Form von psychischen Veränderungen.

„Wir haben jetzt eine plausible wissenschaftliche Grundlage, das ist ein großer Schritt nach vorn“, fasst der Kölner Augenarzt zusammen. „Die Vorzeichen für eine erfolgreiche Anwendung bei Patienten stehen sehr gut.“ Die erste klinische Studie ist bereitsin Planung.

Symposium: „Highlights in Translational Science: Ocular Surface Disease”
Termin:Sonntag, 29. September 2019, 10.30 bis 11.45 Uhr
Ort: Estrel Congress & Messe Center Berlin, Saal 3
Anschrift: Sonnenallee 225, 12057 Berlin

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DGP

Autor: Redaktion Medizin und Ernährung