Herz / Kreislauf – Wenn das Herz plötzlich still steht – Der plötzliche Herztod im Sport – ist er verhinderbar?

Gesundheitsratgeber-24-Herz und Kreislauf-Aktuell-Herz / Kreislauf – Wien, Krems, Lienz (OTS) – Jung, leistungsfähig, begeisternd und plötzlich bewusstlos zusammenbrechend – ein Herzstillstand vor Millionenpublikum. Kann das jeden treffen? Warum passiert sowas? Kann man es verhindern? Das sind wohl Fragen, die sich viele Zuschauer nach dem Zusammenbruch des dänischen Nationalteamspielers Christian Eriksen, beim Fußball-EM2020-Spiel Dänemark gegen Finnland, vor knapp zwei Wochen, am 12.Juni, stellen.

Kann das jeden treffen?
„Plötzlicher Herzstillstand ist letztendlich die Ursache für die Hälfte aller Herztodesfälle und 20% aller Todesfälle in der westlichen Welt. Jeder Mensch kann also grundsätzlich jederzeit betroffen sein. Ob der Herzstillstand zum Tod führt oder nicht hängt nicht unwesentlich von rascher Hilfeleistung ab“, so Prim. Assoc. Prof. Dr. Andrea Podolsky.

Christian Eriksen hatte Glück, er wurde rasch wiederbelebt, sodass, laut Medienberichten, schwere Folgeschäden, die vor allem das Gehirn betreffen könnten, ausgeblieben sind.

Warum passiert sowas?
Ursachen für einen Herzstillstand sind plötzlich auftretende Herzrhythmusstörungen auf Basis von Herzerkrankungen, die zum Teil bis dahin unbekannt waren. Zum größten Teil sind ältere Menschen betroffen. Körperlich wenig aktive Menschen sind häufiger betroffen als solche, die regelmäßig Sport treiben.

Bei jungen Menschen (bis 35 Jahre) sind meist angeborene und bis dahin unerkannte Veränderungen des Herzmuskels, der Herzkranzgefäße, der Herzklappen oder des Reizleitungssystems, also der elektrischen Leitungsbahnen im Herzen, verantwortlich. Störungen können aber auch erworben sein, wie zum Beispiel eine Herzmuskelentzündung im Rahmen eines Infektes. Bei zirka ein Drittel aller plötzlichen Herztodesfälle bleibt die Ursache jedoch unbekannt.

Der plötzliche Herzstillstand bei jungen Menschen ist ein seltenes Ereignis; er betrifft ungefähr 1 bis 2 von 100.000 Athleten zwischen 12 und 35 Jahren pro Jahr. Männer sind 2 bis 25 Mal häufiger betroffen als Frauen, Schwarze Athleten etwa doppelt so häufig wie Weiße.

Kann man einen Herzstillstand verhindern?
Durch sportmedizinische Untersuchungen versucht man die Personen zu identifizieren, die gefährdet sind, einen plötzlichen Herzstillstand zu erleiden. Das kann man relativ einfach durch gezielte ärztliche Befragung, klinische Untersuchung mit Abhören von Herz und Lunge, Blutdruckmessung und dem Anfertigen eines EKGs im Liegen.

Dies stellt die Basisvariante der sportärztlichen Untersuchung dar. Eine zusätzliche Belastungsuntersuchung mit EKG kann, wenn richtig durchgeführt, Aufschlüsse über Fitness und Herzfrequenz-Blutdruckregulation bei Belastung geben. Ergänzend ist manchmal eine Herz-Ultraschalluntersuchung angebracht.

Bei Auffälligkeiten im Rahmen der Grunduntersuchung können weitere Untersuchungen notwendig werden.

Studien aus der Region Veneto in Italien, wo die sportmedizinische Untersuchung für alle Wettkampfsportler*Innen gesetzlich vorgeschrieben ist, haben gezeigt, dass damit das Auftreten von Herztodesfällen pro Jahr bei jungen Sportler*Innen im Laufe der Zeit um 90% gesenkt werden konnte.

Europaweit gibt es kein einheitliches Vorgehen bezüglich Sporttauglichkeitsuntersuchung. Jedoch haben sich viele große Sportverbände und 90% der europäischen Staaten auf eine sportmedizinische Untersuchung geeinigt.

In Österreich gibt es keine Verpflichtung dazu. Ob sportmedizinische Untersuchungen durchgeführt werden oder nicht hängt von den einzelnen Sportverbänden ab. Die Finanzierung ist ebenfalls nicht einheitlich: sie wird teilweise von den Ländern unterstützt oder übernommen, manchmal von Sportverbänden und oder den Sporttreibenden selbst.

Die ÖGSMP setzt sich seit Jahren für eine bundesweit einheitliche Lösung ein, sowohl was die Verpflichtung zur Untersuchung als auch die Finanzierung betrifft.

Schlussfolgerung
„Durch systematisch durchgeführte sportmedizinische Screening-Untersuchungen kann die Anzahl der Herzstillstände im Sport um 90% reduziert werden“ betont Dr. Podolsky. Die ÖGSMP unter Präsident Günther Neumayr setzt sich für eine bundesweit einheitliche Lösung zur verpflichtenden sportärztlichen Untersuchung und deren Finanzierung ein.

Um Katastrophen zu vermeiden, nämlich den plötzlichen Herztod, muss die Bevölkerung zum Thema Laienreanimation systematisch geschult werden, damit im Notfall rechtzeitig fachgerecht geholfen wird. Das hat Christian Eriksen letztendlich das Leben gerettet.

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Prim. Assoz.-Prof. Dr. Andrea PODOLSKY
E-mail: andrea.podolsky@kl.ac.at
Tel. +43 699/1319 6116

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Autor: Redaktion Medizin und Ernährung