Frankfurt am Main – Becker empfängt ehemalige KZ-Häftlinge aus Polen auf Einladung des Vereins ‚Zeichen der Hoffnung – Znaki Nadziei‘

Mittelrhein-Tageblatt - Deutsches Tageblatt - News - Frankfurt am MainFrankfurt am Main – Gesellschaft: (ffm) Am Montag, 16. September, hat Bürgermeister und Kirchendezernent Uwe Becker im Namen des Magistrats eine polnische Gruppe ehemaliger KZ-Häftlinge im Kaisersaal des Römers begrüßt.

„Wir alle, die wir nie in einer derart schrecklichen Situation waren, können nur vage erahnen, wie unmenschlich die Gefangenschaft in einem Konzentrationslager gewesen sein muss. Gerade, weil es heute zu viele Menschen und politische Gruppierungen gibt, die die grausamen und schlimmen Verbrechen des Zweiten Weltkrieges, die in deutschem Namen verübt worden sind, verdrängen oder vergessen wollen, halte ich es für umso wichtiger, dass die Erinnerung an das Geschehene wachgehalten wird und uns allen als Mahnung für die Zukunft dient“, sagte Becker zu den Gästen.

Die polnischen Zeitzeugen der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft besuchen auf Initiative der Vereins „Zeichen der Hoffnung – Znaki Nadziei“ Deutschland. Der gemeinnützige Verein hat seinen Sitz in Frankfurt und unterstützt seit der Gründung im Jahr 1977 ehemalige KZ-Opfer in Polen. Besonders in einer Zeit, als es noch keine offizielle Entschädigung von deutscher Seite für polnische und andere osteuropäische Opfer des Nationalsozialismus gab, wollten die Initiatoren und Mitglieder des Vereins damit gegenüber den NS-Überlebenden ein Zeichen der Versöhnung und Verständigung setzen. Im Vordergrund des Besuchs stehen Begegnungen zwischen ihnen und jungen Menschen, beispielsweise im Rahmen von Zeitzeugengesprächen in Schulen sowie mit Vertretern der Politik und der deutschen Zivilgesellschaft.

„Ich möchte mich bei unseren polnischen Gästen bedanken, die sich während ihres Aufenthalts auch zu Zeitzeugengesprächen in Schulen bereit erklärt haben. Denn es ist mit Sicherheit nicht leicht, über die Erlebnisse während des Krieges und der Gefangenschaft zu sprechen“, sagte Becker. „Mein großer Dank gilt auch dem Verein ‚Zeichen der Hoffnung – Znaki Nadziei‘, der sich für Versöhnung und den Frieden zwischen den Völkern Deutschlands und Polens einsetzt und die Begegnungen ermöglicht. Der ständige Dialog zwischen Deutschland und Polen ist nicht nur notwendig für die Annäherung und Versöhnung mit der Vergangenheit, sondern auch Voraussetzung für eine gemeinsame Zukunft und eine gute Nachbarschaft.“

Viele Teilnehmer kommen aus der polnischen Hauptstadt und wurden aufgrund der Warschauer Aufstände gemeinsam mit ihren Eltern deportiert. Vom 1. August bis zum 1. Oktober 1944 hat sich die Polnischen Heimatarmee (Armia Krajowa) gegen die deutsche Besatzungsmacht erhoben. Die Widerständler kämpften 63 Tage gegen die Besatzungstruppen, bevor sie angesichts der aussichtslosen Situation kapitulieren mussten. Es war während des Zweiten Weltkrieges die größte einzelne bewaffnete Erhebung gegen die deutschen Besatzer in Europa. Bei den Kämpfen starben 18.000 Untergrundkämpfer und 180.000 polnische Zivilisten. Nach dem Aufstand begingen die deutschen Truppen Massenmorde unter der Zivilbevölkerung und die Stadt wurde fast vollständig zerstört. 50.000 Zivilisten wurden als Zwangsarbeiter nach Deutschland und 60.000 in Konzentrationslager deportiert. Einige Warschauer kamen als Zwangsarbeiter auch nach Frankfurt. In Frankfurt befand sich das KZ Frankfurt mit dem Decknamen Katzbach. Es war ein KZ-Außenlager in den Adlerwerken in der Weilburger Straße und gehörte zum Stammlager KZ Natzweiler-Struthof im Elsass. Von August 1944 bis März 1945 wurden hier Gefangene gezwungen, für die deutsche Rüstungsindustrie zu arbeiten.

„Das Gedenken an die Kinder, Frauen und Männern, die ihr Leben während des Zweiten Weltkriegs verloren haben oder schwer verletzt worden sind, die Angehörige verloren haben und Waisen geworden sind, bleibt unsere Verpflichtung“, sagte Bürgermeister Becker. „Es ist vor allem wichtig, die jungen Generationen mit dem Thema in Berührung zu bringen. Wir müssen sie zur Wachsamkeit mahnen und ihnen bewusst machen, woran Totalitarismus in seinen frühen Formen zu erkennen ist.“