Frankfurt am Main – Ein Denkmal für das ehemalige jüdische Kinderheim der Flersheim-Sichel-Stiftung

Mittelrhein-Tageblatt - Deutsches Tageblatt - News - Frankfurt am MainFrankfurt am Main – (ffm) Kulturdezernentin Ina Hartwig und der Vorsteher des Ortsbeirats 9, Friedrich Hesse, haben am Mittwoch, 25. September, in Anwesenheit von Vertretern der Jüdischen Gemeinde und geladenen Gästen ein neu geschaffenes Denkmal der Öffentlichkeit im Stadtteil Dornbusch übergeben. Es erinnert an das jüdische Kinderheim der Flersheim-Sichel-Stiftung, das sich von 1930 bis 1941 in der Ebersheimstraße befand.

„Das Heim bot jüdischen Kindern zeitweise ein Stück Sicherheit vor der nationalsozialistischen Verfolgung. Viele von ihnen konnten von hier mit den rettenden Kindertransporten nach Großbritannien fliehen. Etwa 80 Menschen – Kinder und Heimpersonal – wurden in Konzentrationslager deportiert und ermordet. Mit dem Denkmal enthüllen wir heute ein sichtbares und bleibendes Zeichen der Erinnerung an sie alle“, sagte Kulturdezernentin Hartwig.

Das Denkmal, ein Serpentinstein mit bronzener Platte, steht auf einer Grünfläche nahe des historischen Bauwerks, das bis heute existiert. Die Inschrift der Platte erläutert seine Geschichte und soll das mahnende Gedenken an das Kinderheim und die mit ihm verknüpften Opfer der Shoah im Dornbusch verankern. Das Denkmal geht zurück auf eine Initiative von Uri Sella, eines der geretteten Kinder, des Ortsbeirates 9 sowie die tatkräftige Unterstützung der engagierten Frankfurter Bürgerin Till Lieberz-Groß. Anlässlich der Enthüllung sprachen neben Kulturdezernentin Ortsvorsteher Friedrich Hesse und die Gemeinderatsvorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Cornelia Maimon-Levi sowie Rabbiner Avichai Apel. Stellvertretend für den inzwischen verstorbenen Uri Sella reiste seine Witwe Chava Sella aus Israel an und eröffnete die Veranstaltung als Ehrengast.

Ortsvorsteher Hesse sagte anlässlich der Enthüllung des Denkmals: „Der Ortsbeirat 9 forderte den Magistrat in einem Antrag vom Februar 2018 auf, in unmittelbarer Nähe zu dem Haus in der Ebersheimstraße einen Gedenkort zu schaffen, ganz wie es der Wunsch des verstorbenen Uri Sella war. Dieser Gedenkstein ist ein Denkmal, ein Mahnmal für die ermordeten Kinder der Flersheim-Sichel-Stiftung, aber auch eine weitere Erinnerung an das rege jüdische Leben in unserem Stadtteil.“

Cornelia Maimon-Levi, Gemeinderatsvorsitzende der Jüdischen Gemeinde sagte: „Erinnerung hat im Judentum einen hohen Stellenwert, sie ist eine Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft. Deswegen ist der Gedenkstein für die jüdischen Kinder der Flersheim-Sichel-Stiftung, hier an diesem authentischen Ort, wo sie für kurze Zeit Zuflucht vor der Verfolgung gefunden hatten, bevor sie deportiert und ermordet wurden, eine anerkennenswerte Initiative.“
Text der Gedenktafel

Der Text der Gedenktafel lautet:

Jüdisches Kinderheim, Ebersheimstraße

In der Ebersheimstraße Nr. 5 befand sich von 1930 bis 1941 das jüdische Kinderheim der Flersheim-Sichel-Stiftung, in dem Jungen aus Frankfurt lebten. Nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten wohnten dort auch Kinder aus dem Umland, deren Eltern sie vor der wachsenden antisemitischen Verfolgung zu schützen versuchten. 1939 gelang mit Hilfe der Rothschild-Familie die Rettung der meisten Bewohner durch einen Kindertransport nach England. Das Heim wurde neu belegt. Ein Rettungsversuch nach Ecuador misslang. Etwa 80 Bewohnerinnen und Bewohner, Kinder und Heimpersonal, wurden ab 1941 in Konzentrations- und Vernichtungslager deportiert und ermordet. Nur wenige überlebten.