Hessische-Nachrichten - Stadt Frankfurt am Main - Aktuell -Frankfurt am Main – (ffm) Am Mittwoch, 10. April, findet erstmals der Tag der Provenienzforschung statt. Mehr als 70 Kulturinstitutionen in Deutschland, Großbritannien, Österreich, den Niederlanden und der Schweiz nehmen daran teil und geben unter anderem mit Führungen, Präsentationen, Ausstellungen oder anderweitigen Aktionen einen aktuellen Einblick in wesentliche Fragen und Ergebnisse der Erforschung der Herkunft ihrer Sammlungen und Objekte.

Das Museum Angewandte Kunst in Frankfurt am Main beteiligt sich mit dem Expertengespräch „Der ‚Sitten-Fuchsʻ und sein Drache“ an diesem internationalen Aktionstag von 17.30 bis 18.30 Uhr in der Ausstellung Elementarteile.

Ein imposanter Drache auf Wolken und ein Pferd in ungewöhnlicher Sitzhaltung. Sie zählen zu einer umfangreichen Gruppe chinesischer Bauplastik im Museumsbestand. Ursprünglich zierten sie die Dächer repräsentativer Gebäude mit bisher unbekanntem Standort. Doch weshalb befinden sie sich heute im Museum Angewandte Kunst?

Wann und unter welchen Umständen die Objekte in China von Ort und Stelle entfernt wurden und ob sie Rückschlüsse auf eine Erwerbung zu Zeiten ungleicher politischer Machtverhältnisse während des Kolonialismus im 19. Jahrhundert zulassen, ist unklar. Im Jahre 1943 erwarb das Museum die Firstziegel als Teile der einstmals etwa 1200 Objekte umfassenden Ostasiatika Sammlung von Carl Cords (1879-1945) als Schenkung des Sammlers selbst.

Dank der wissenschaftlichen Kooperation zweier vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste geförderter Provenienzforschungsprojekte (Sammlung Eduard und Margarete Fuchs: Rekonstruktion der geraubten Kunstwerke der Sammlung und Systematische Erforschung der kunsthandwerklichen Sammlungsbestände des Museum Angewandte Kunst, Frankfurt am Main, auf unrechtmäßig angeeignete Kunstobjekte aus jüdischem Besitz (…) ) konnten die beiden Stücke jüngst der ehemaligen Sammlung des Sozialisten und Erfolgsautors Eduard Fuchs (1870-1940) zugeschrieben werden. Der Raub dieser Sammlung war vermutlich einer der quantitativ größten Kunstraubzüge gegen eine Privatperson in der Zeit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.

Ulrich Weitz, der sich intensiv mit Fuchs und seiner Kunstsammlung beschäftigt hat, rekonstruiert im Gespräch mit Stephan von der Schulenburg, Kurator der Asiatischen Sammlung, und Katharina Weiler, Provenienzforscherin am Museum Angewandte Kunst, die Herkunftsgeschichte der beiden Objekte. Erzählt wird gleichzeitig die Geschichte der beiden Kunstsammler, Eduard Fuchs und Carl Cords. Bernhard Kosel, Nachfahre von Eduard Fuchs, berichtet eingangs von seiner Motivation, den auch testamentarisch festgelegten Wunsch von Fuchs und seiner Frau Margarete umzusetzen, die ehemalige Sammlung der Öffentlichkeit zu erhalten.

Koordiniert wird der Aktionstag durch den Verein Arbeitskreis Provenienzforschung, ein seit 2000 bestehender Zusammenschluss von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, der seit 2014 als eingetragener Verein organisiert ist. Zu den zentralen Aufgaben des Arbeitskreises gehören die Vernetzung und fachliche Unterstützung der Provenienzforscher in ihren unterschiedlichen Tätigkeitsfeldern und die Förderung des interdisziplinären Austauschs.