Mittelrhein-Tageblatt - Deutsches Tageblatt - News - Frankfurt am MainFrankfurt am Main – (ffm) Die Konkurrenz und das Buhlen um die Flächen im Stadtgebiet gehört seit Jahren zu den großen Herausforderungen in Frankfurt. Die Nachfrage nach Wohnraum und Flächen für die Daseinsvorsorge ist weiterhin ungebrochen. Gewerbe und Industrie sind der große Verlierer dieser Entwicklung, da in Frankfurt immer wieder ehemals gewerbliche genutzte Areale zugunsten von urbanen Quartieren mit hohen Wohnanteilen aufgegeben werden müssen.

„Frankfurt am Main hat in den letzten fünf Jahren circa 60 Hektar an ehemals gewerblich genutzten Flächen verloren, die heute nicht mehr den betroffenen Unternehmen zur Verfügung stehen. Diese Entwicklung steht in einem krassen Widerspruch zu dem im Jahr 2015 vorgelegten räumlich-funktionalen Entwicklungskonzept, welches die Notwendigkeit zur Schaffung von zusätzlichen Gewerbeflächen in einer Größenordnung von 90 bis 140 Hektar für Frankfurt am Main prognostizierte“, warnte Wirtschaftsdezernent Markus Frank in seinen Ausführungen vor dem Industrieausschuss der IHK Frankfurt. Um die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Stadt und damit verbunden die dauerhafte Sicherung von Arbeitsplätzen und Gewerbesteuereinnahmen gewährleisten zu können, bedarf es nach Ausführungen von Frank zukünftig einer gleichberechtigten Priorisierung bei der Flächenverteilung. „Es ist falsch, bei der Zuteilung von Flächen nur auf die zu erwartenden Quadratmeterrenditen zu schauen. Vielmehr muss man hierbei auch ein Augenmerk auf die Sekundäreffekte legen. Schließlich zieht die überwiegende Zahl von Menschen nach Frankfurt am Main, weil sie hier gute Arbeit finden“, mahnte der Wirtschaftsdezernent. Die Ankündigung des Frankfurter Traditionsunternehmens Samson, sein neues Werk in Offenbach zu errichten, bewertet Frank als eine sehr gefährliche Entwicklung, die umgehend gestoppt werden muss.

In der Sitzung des Industrieausschusses wurde den Ausschussmitgliedern unter anderem die Bedarfsanalyse zur Errichtung von Handwerker- und Gewerbehöfen in Frankfurt vorgestellt. Der Präsident der IHK Frankfurt, Ulrich Caspar, begrüßt die Schaffung von Handwerkerhöfen im Stadtgebiet, sagt aber auch, dass eine solche Lösung nur für sehr wenige Betriebe in Frage kommt und insbesondere für die Industriebetriebe keine Alternative darstellt. „Ohne die Ausweisung neuer Gewerbeflächen wird es nicht funktionieren. Die Wirtschaft in Frankfurt am Main braucht neue Flächen.“ Das Wachstum der Stadt dürfe sich nicht nur auf den Wohnungsmarkt beschränken. „Schließlich ist es die leistungsstarke Wirtschaft und daran geknüpft der Arbeitsmarkt, die das Wachstum generieren. Wenn Menschen in die Mainmetropole ziehen, ist immer der Arbeits- und nicht der Wohnungsmarkt der Anlass“, gab der IHK-Präsident zu bedenken.

Der Vorsitzende des Industrieausschusses, Jürgen Vormann, sieht die Stadt in der Pflicht, auch in Zukunft Flächen für Gewerbe- und Industriebetriebe in ausreichendem Maße bereitzustellen und zu bevorraten. „Der im Jahr 2015 durch die Frankfurter Stadtverordneten beschlossene Masterplan Industrie bildet eine wichtige Grundlage für die wirtschaftliche Entwicklung von Frankfurt am Main. Daher gilt es nicht nur, den Wegfall von Flächen für Gewerbe und Industrie zu stoppen, sondern durch die Bereitstellung von neuen Flächen Ansiedlungs- und Entwicklungsmöglichkeiten für Gewerbe- und Industriebetriebe in Frankfurt zu schaffen“, formulierte Vormann in seiner Forderung.