Frankfurt am Main – Stadt will Ressourcen­schonung ernst nehmen

Klima- und Umweltdezernentin Heilig unterzeichnet „Circular Cities Declaration“

Mittelrhein-Tageblatt - Deutsches Tageblatt - News - Frankfurt am MainFrankfurt am Main – Seit dem 5. Mai lebt Deutschland auf Kosten anderer Länder oder künftiger Generationen. Würden die Ressourcen der Erde zu gleichen Anteilen auf alle Länder gemäß der Anzahl ihrer Einwohnerinnen und Einwohner verteilt, hätte Deutschland seinen Anteil im Jahr 2022 bereits an diesem Tag verbraucht. Hier wird die Natur also dreimal so schnell genutzt, wie sich die Ökosysteme regenerieren können. Der einzige Weg um dies zu ändern ist eine deutliche Reduzierung des Ressourcen­verbrauchs durch eine echte Kreislaufwirtschaft.

„Wir gehen nach wie vor zu verschwenderisch mit unseren Ressourcen um. Wenn Produkte, Werkstoffe, Energien, aber auch Abfälle und Reststoffe so lange wie möglich genutzt oder recycelt werden, kann nachhaltiges und klimaneutrales Wirtschaften gelingen. Dieses Ziel verfolgt die Kreislaufwirtschaft“, erläutert Klima- und Umweltdezernentin Rosemarie Heilig bei Unterzeichnung der „Circular Cities Declaration“, durch die Frankfurt Teil einer europaweiten Initiative von Städten ist, die sich intensiv für eine lokale Kreislaufwirtschaft einsetzen.

Der für die Abfallwirtschaft zuständige Abteilungsleiter im Umweltamt, Michael Eickenboom, verdeutlicht das Problem mit einigen konkreten Zahlen: „In Frankfurt landen jährlich alleine aus privaten Haushalten etwa 155.000 Tonnen Müll in den Restmülltonnen. Rund 70 Prozent davon sind jedoch Wertstoffe, die wieder recycelt und damit im Wertschöpfungskreislauf gehalten werden könnten. Bioabfall, Papier, Kunststoffe, Metall, Textilien. Wir verbrennen damit eine Menge von Wertstoffen, die dem Gewicht von zehn Eiffeltürmen entspricht – jedes Jahr, alleine in Frankfurt.“

Das Umweltamt hat daher bereits im März einen Maßnahmenplan vorgelegt, wie Abfälle künftig besser getrennt oder am besten ganz vermieden werden können. Dieser Plan trägt den Titel „Auf dem Weg zur Zero Waste City“, wobei „Waste“ nicht als „Müll“, sondern als „Verschwendung“ übersetzt werden sollte. In einem weiteren Schritt ist die Stadt dem Netzwerk „Städte gegen Food Waste“ beigetreten.

Die jetzt unterzeichnete Absichtserklärung geht noch einen Schritt weiter und ver­pflichtet die Stadt, Kreislauforientierung zur Grundlage ihres Denkens und Handelns auf allen Ebenen zu machen – zum Beispiel in den Bereichen Beschaffung, Bau oder Verkehr. In der Erklärung heißt es: „Ein Wechsel zu einem regenerativen Wirtschafts­modell ist von grundlegender Bedeutung, um Klimaneutralität zu erreichen, eine offene und inklusive Gesellschaft zu fördern und den Ressourcenverbrauch innerhalb planetarischer Grenzen zu halten. Eine zirkuläre Stadt ist eine, die den Übergang von einer linearen zu einer zirkulär ausgerichteten Wirtschaftsweise gemeinsam mit Bürger:innen, Unternehmen und Wissenschaft über alle ihre Funktionen hinweg vorantreibt.“

„Ebenso wie mit den im März verabschiedeten Grundsatzbeschlüssen zur Klimaneutralität Frankfurts bis 2035 machen wir mit der ‚Circular Cities Declaration‘ deutlich, dass wir unsere Verantwortung für kommende Generationen ernst nehmen“, ergänzt die Klima- und Umweltdezernentin. „Erste Priorität muss immer die Abfallvermeidung sein. Wo dies nicht möglich ist, ist auch die Industrie gefordert, zum Beispiel durch die Nutzung von wirklich recycelbarem Plastik.“

Kreislaufwirtschaft trage nicht nur zum Klimaschutz bei, sondern leiste auch einen Beitrag zu einer krisenfesten, robusten Wirtschaft. Zuletzt hätten auch die Lieferkettenprobleme in Folge der Corona-Pandemie und der Krieg in der Ukraine deutlich gemacht, wie wichtig ein achtsamer Umgang mit Ressourcen ist, sagt Heilig.

Die „Circular Cities Declaration“ ist eine europaweite Initiative von Städten und Regionen, die unter anderem durch den Europäischen Ausschuss der Regionen, den Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss sowie das Umweltprogramm der UN unterstützt wird.

Informationen zu den unterstützenden Organisationen gibt es unter:

Europäischer Ausschuss der Regionen: cor.europa.eu/de
Europäischer Wirtschafts- und Sozialausschuss: eesc.europa.eu/de
Umweltprogramm der UN: unep.org/circularity

Nähere Informationen sind unter circularcitiesdeclaration.eu zu finden – die Frankfurter Seite unter circularcitiesdeclaration.eu/cities/frankfurt-am-main.