Frankfurt am Main – Umwelt: Letzte Rettung für bedrohte Arten: Pflänzchen aus dem Botanischen Garten Frankfurt werden wieder in der Natur ausgewildert

Mittelrhein-Tageblatt - Deutsches Tageblatt - News - Frankfurt am MainFrankfurt am Main – Umwelt: (ffm) Südöstlich von Gießen fand ein Botaniker im Frühling 2015 noch ein einziges Exemplar des Drüsigen Ehrenpreis und konnte noch zehn Samen sammeln. Diese Samen wurden im Botanischen Garten Frankfurt am Main vermehrt, bis zwei Dutzend Pflanzen für eine erste Auspflanzung nicht weit vom Ursprungsort bereit waren. Einige Ehrenpreisgenerationen später stehen nun etwa 20.000 Samen für Artenschutzprojekte zur Verfügung. Zuvor war bereits das Sand-Zwerggras, das man fast mit der Lupe suchen muss, erfolgreich bei Mörfelden-Walldorf wieder angesiedelt worden.

Mit Förderung der KfW-Stiftung hat der Botanische Garten für insgesamt 15 bedrohte Pflanzen die Obhut übernommen, die in Hessen auf der Roten Liste stehen. Mit beachtlichem Aufwand stemmt sich Frankfurt so gegen das weltweite Artensterben. Die so genannten Erhaltungskulturen sind das letzte Mittel im Naturschutz. „Wenn es uns gelingt, auch nur ein Dutzend heimischer Arten für die Nachwelt zu erhalten, ist es aller Mühen wert“, sagt Umweltdezernentin Rosemarie Heilig, von Hause aus selbst Biologin.

Der am Montag, 6. Mai, veröffentlichte Bericht des zwischenstaatlichen Weltbiodiversitätsrats (IPBES), wonach weltweit eine Million Tier- und Pflanzenarten gefährdet sind, kommt für Heilig nicht überraschend. „Wir wissen seit 25 oder 30 Jahren, dass unsere Lebensweise nicht nur das Klima bedroht, sondern auch die weltweite Biodiversität. Eigentlich sollte der Artenschwund bis 2020 gestoppt sein, doch selbst in Deutschland sterben durch Klimawandel, Flächenversiegelung, industrielle Landwirtschaft und Schadstoffe in Luft, Boden und Wasser immer noch weitere Tier- und Pflanzenarten aus. Die Bürgerinnen und Bürger haben längst den Ernst der Lage begriffen, wie das bayerische Volksbegehren zeigt. Doch die Bundesregierung vertrödelt weiter wertvolle Zeit.“

Für die Stadträtin ist Artenschutz nicht nur ein Thema für ländliche Regionen, es ist auch ein Großstadtthema. „Zum Glück sind wir in Frankfurt am Main nicht nur auf die Erhaltungskulturen angewiesen, sondern schützen seit mehr als 30 Jahren systematisch unsere Biotope und schaffen neue Refugien für die Natur.“ Als herausragende Beispiele für solchen vorsorgenden Artenschutz nennt Heilig den Alten Flugplatz und die neue Auenlandschaft im Fechenheimer Mainbogen. Am Alten Flugplatz sind zum Beispiel schon 119 Vogelarten eingeflogen, darunter seltene Arten wie der Schlagschwirl, der Teichrohrsänger oder die Rohrammer. Das Projekt in Fechenheim soll Mainfischen, Amphibien, Libellen und Wasservögeln zugutekommen. Der Biber ist schon wieder da.

Diese 15 Arten werden im Botanischen Garten für eine spätere Auswilderung kultiviert:

– Allium strictum – Steifer Lauch
– Festuca albensis (= F. tomanii) – Tomans Schwingel
– Fumana procumbens – Gewöhnliches Nadelröschen
– Iris spuria – Wiesen-Schwertlilie
– Jurinea cyanoides – Sand-Silberscharte
– Mibora minima – Sand-Zwerggras
– Moenchia erecta – Aufrechte Weißmiere
– Nigella arvensis – Acker-Schwarzkümmel
– Poa badensis – Badener Rispengras
– Scleranthus verticillatus – Hügel-Knäuelkraut
– Sedum villosum – Sumpf-Fetthenne
– Spergula pentandra – Fünfmänniger Spergel
– Ventenata dubia – Zweifelhafter Grannenhafer
– Veronica acinifolia – Drüsiger Ehrenpreis
– Vicia orobus – Heide-Wicke