Stadt Hanau – „Alt und Jung Chancenpatenschaften“ auch in Zeiten von Corona

Digitale Medien ermöglichen Austausch, Wissensvermittlung und Online-Hausaufgabenhilfe.

Mittelrhein-Tageblatt - Deutsches Tageblatt - News - Hanau -Hanau – Seniorinnen und Senioren verfügen über reichlich Lebenserfahrung, sowie wertvolles Wissen und besondere Fähigkeiten, welche sie an jüngere Menschen weiterreichen können und wollen.

Auf diesen Tatsachen basiert das Projekt „Alt und Jung-Patenschaften“ des Seniorenbüros, das in der Praxis von der Bundesarbeitsgemeinschaft Seniorenbüros e.V. (BaS) begleitet und gefördert und in Hanau seit 2016 umgesetzt wird. Ehrenamtlich engagierte Seniorinnen und Senioren unterstützen junge Menschen, die durch ihre Lebenslage, familiäre Situation, Migrationshintergrund und Bildungsferne oftmals von sozialer Benachteiligung betroffen sind, zum Beispiel bei der Leseförderung, beim Schulübergang, bei der Ausbildungssuche, bei der Kommunikation mit Behörden und bei der Freizeitgestaltung. Im Vordergrund des Engagements steht eine positive Haltung und der Wille, Menschen in Not zu unterstützen und ihre Chancen zu verbessern, die Herausforderungen des Lebens erfolgreich zu bewältigen.

„In Zeiten von Corona ist es für die engagierten Patinnen und Paten, die Patenkinder und das Hanauer Seniorenbüro sowie die Freiwilligenagentur im Amt für Senioren, Ehrenamt und Vielfaltfalt eine große Herausforderung, den Kontakt untereinander zu halten und Angebote weiterhin umzusetzen“, berichtet Koordinatorin Barbara Heddendorp vom Seniorenbüro. „Wir arbeiten beispielsweise mit Messengerdiensten, E-Mail und Telefon aber auch Videokonferenzen.“ Sowohl die Hauptamtlichen als auch die vielen freiwillig Engagierten stellten sich gemeinsam dieser neuen Situation und die Freude und Motivation sei groß, wenn beispielsweise die Videokonferenz erstmals funktioniere, so Heddendorp.

So war es für die Seniorin Gerda Methfessel, die im Rahmen des Projekts Alt &Jung-Chancenpatenschaften Hausaufgabenhilfe im Weststadtbüro anbietet, eine echte Herausforderung diese nun plötzlich online zu organisieren: „Bis vor kurzem wusste ich nicht, wie ich eine Zoom-Videokonferenz abhalten kann, doch inzwischen klappt es ganz gut“, berichtet sie nicht ohne Stolz. „Meine Devise ist: Learning by doing. Zweimal in der Woche treffe ich mich jetzt online mit zwei Jungen im Alter von jeweils acht Jahren aus der Heinrich-Heine-Schule in Kesselstadt“, so Methfessel. Auch zwei syrischen Mädchen hilft Methfessel bei den Schularbeiten. Doch da der direkte Kontakt nicht mehr möglich ist, sei es schwierig, die Kinder weiterhin zu unterstützen, da die Familie nicht über den erforderlichen Internetanschluss oder die nötigen Geräte verfüge. Derzeit hält die Seniorin daher den Kontakt telefonisch und ist dabei Lösungen zu finden.

Auch Calle Leister und Renate Schwalenberg-Leister halten den Kontakt zu ihren „Patenkindern“ – vom Erstklässler bis zum Erwachsenen – online weiter. So werden beispielsweise Texte und Dokumente für Referate per E-Mail hin und her versendet, korrigiert und Vorschläge erarbeitet, berichteten die beiden Senioren. „Da einige der von uns betreuten Familien nicht über die notwendige Infrastruktur wie Laptop, PC, Drucker oder Scanner verfügen, werden manchmal Dokumente ausgedruckt und in den Briefkasten der Patenkinder geworfen oder mit dem nötigen Abstand übergeben“, berichtet Leister. „Die Grundkommunikation geschieht weiterhin über Mobiltelefon und Whatsapp, nur ist diese jetzt viel häufiger und intensiver“. Schwierig sei es über die Distanz die jungen Leute zu motivieren ihre Hausaufgaben oder vielleicht noch etwas mehr zu erledigen und zu lernen. „Uns ist daran gelegen, die unterschiedliche Qualität der Betreuung durch die jeweiligen Schulen etwas auszugleichen. Manche Schüler haben fast keine Vorgaben durch die Schulen“, berichtet Schwalenberg-Leister.

Ein ehemaliges Patenkind aus Afghanistan organisiere jetzt für Frankfurt einen Online-Deutsch-Sprachkurs über ZOOM, berichtet das Paar. „Wir haben ihn unterstützt und gefördert, dass er über Alt &Jung-Chancenpatenschaften an einem Weiterbildungsprogramm der Stiftung Bürgermut in Bremen teilnehmen konnte. Er konnte sich Fähigkeiten aneignen und gibt jetzt sein Wissen an andere geflüchtete Menschen weiter“, berichten sie. Die Nutzung von digitalen Tools zur Wissensvermittlung habe in der Arbeit mit Geflüchteten einen hohen Stellenwert, bestätigt das Ehepaar, das seit Jahren ehrenamtlich Geflüchtete unterstützt.

Schwierig sei es auch die „Patenkinder“ bei Vorbereitungen auf Abschlussprüfungen und Bewerbungen bei weiterführenden Schulen zu unterstützen, berichten die beiden Ehrenamtlichen. „Oft sind abgebende und aufnehmende Schulen schlecht zu erreichen und es wird schwierig, die notwendigen Dokumente zu erhalten und rechtzeitig abzugeben. Telefonische Rücksprachen mit diesen Institutionen stellen in Zeiten der Corona-Krise hohe Anforderungen an Geduld, Verständnis und Organisationstalent“, so Renate Schwalenberg-Leister und Calle Leister.
Auch Gerhard und Gudrun Löffler begleiten ihre Patenkinder im Alter von 6 Jahren, 26 Jahren und 29 Jahren per Telefon und Whatsapp. Ausnahmen sind die Begleitung bei einer anstehenden Wohnungsbesichtigung, bei der sie auch mal mit einer Fpp3 Maske persönlich erscheinen. Auch für einen kurzen persönlichen Austausch – bei dem natürlich der Sicherheitsabstand eingehalten wird – verabreden sie sich mit den Patenkindern beispielsweise mit dem Fahrrad am Main. „Gerade für den kleinen Abdi ist der Kontakt mit uns sehr wichtig, da wir ihn seit dem Tod seiner Mutter vor fünf Jahren in allen Lebenssituationen begleiten“, berichtet das Paar.

„Ich finde es großartig, dass die Seniorinnen und Senioren so flexibel reagieren, sich mit neuen Technologien vertraut machen und kreative Lösungen finden, um ihre Patenkinder weiter zu unterstützen“, freut sich Bürgermeister Axel Weiss-Thiel. Ehrenamtliches Engagement sei eben auf vielfältige Art und Weise möglich und besonders in Zeiten der Krise unverzichtbar!
Im Seniorenbüro der Stadt Hanau arrangiert man sich ebenfalls mit den neuen technischen Möglichkeiten. So fand eins erstes Meeting der „Alt & Jung-Paten“ bereits per Videokonferenz statt und auch das Standorttreffen der hessischen Projektteilnehmer des bundesweiten Projektes „Alt & Jung-Chancenpatenschaften“ wird in diesem Jahr erstmals per Videokonferenz am 6. Mai 2020 stattfinden, berichtet Heddendorp. Die Stiftung Bürgermut biete im Rahmen des Bundesprojektes „Menschen stärken Menschen“ zahlreiche Webinare an um Patenschaftsprojekte und Mentoringprojekte online zu unterstützen. Das Hanauer Seniorenbüro profitiere außerordentlich von diesen Angeboten, und wo immer es möglich sei, würden die Informationen an Interessierte und Freiwillige in der Zivilgesellschaft weitergeleitet, so Heddendorp.

https://opentransfer.de/msm-digital/ (Weiterbildung – Webinare – Videokonferenzen – Barcamps Austausch – für Patenschaftsprojekte und Akteure der Zivilgesellschaft und Kommunen der Stiftung Bürgermut. Im nächsten Magazin „Opentransfer Patenschaften“ erscheinen Infos über das Projekt in Hanau.
Das Tätigkeitsfeld im Projekt „Alt und Jung-Chancenpatenschaften“ ist vielfältig, und eigenen Ideen und Impulsen steht das Seniorenbüro offen gegenüber. Interessenten, die sich vorstellen können sich im Projekt „Alt und Jung- Chancenpatenschaften“ zu engagieren, können sich informieren bei Barbara Heddendorp vom Seniorenbüro, E-Mail Barbara.Heddendorp@hanau.de, Telefon 0157-75444497.

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