Stadt Hanau – „Die Freude am geschriebenen und gesprochenen Wort“: Ehrenamtliche Vorleserinnen und Vorleser sorgen für „Samstagsgeschichten“

Mittelrhein-Tageblatt - Deutsches Tageblatt - News - Hanau -Stadt Hanau – „Ich möchte die unmittelbare Kommunikation von Auge zu Auge, Ohr zu Ohr, von Mund zu Mund für mich selbst und für möglichst viele Kinder lebendig erhalten.“ Mit diesem einen Satz bringt Franz Josef Gründges auf den Punkt, für was die Samstagsgeschichten im Kulturforum stehen. Als einer von derzeit sieben ehrenamtlichen Vorleserinnen und Vorlesern eröffnet er regelmäßig am Samstagvormittag Kindern ab vier Jahren die Welt der Bücher. Ziel ist es, wie die Leiterin des Kulturforums Beate Schwartz-Simon erläutert, durch die frühe Begegnung mit dem gedruckten Wort den Grundstein für eine lebenslange Freundschaft zu legen. „Mit unseren regelmäßigen Vorleseangeboten wollen wir darüber hinaus einen spielerischen Beitrag zur Förderung der Sprach- und Lesekompetenz leisten.“

Dass das Konzept aufgeht, lässt sich am Samstagmorgen regelmäßig beobachten. Kurz nachdem die Stadtbibliothek ihre Türen geöffnet hat, füllt sich die Kinderbibliothek mit jungen Leseratten in spe, begleitet von ihren Eltern, Verwandten oder Freunden. Die Samstagsgeschichten beginnen im Kinderatelier pünktlich um 11:15 Uhr. Ein solches Angebot ist nur mithilfe ehrenamtlichen Engagements möglich. Insgesamt sieben Vorleserinnen und Vorleser sind momentan dabei, darunter ein inaktiver. Unter den insgesamt 25 ehrenamtlich Aktiven des Kulturforums bilden sie ein eigenes kleines „Team“, das sich um die Organisation der Samstagsgeschichten kümmert.

Unterstützt werden sie dabei von Birgit Bergmann, Mitarbeiterin der Stadtbibliothek. Hauptamtliche Koordinatorin der Samstagsgeschichten ist Susanne Buschbeck, die Leiterin der Kinderbibliothek. Sie hat 2011 die Reihe ins Leben gerufen. Damals befand sich die Stadtbibliothek noch im alten Gebäude im Schlossplatz. Mit einem Aufruf an die Freiwilligenagentur wurden seinerzeit erste ehrenamtlich Interessierte gesucht. Inzwischen ist sind die Samstagsgeschichten ein fester Bestandteil des Programms. Zu der Organisation der Samstagsgeschichten sagt Buschbeck: „Zwei Mal im Jahr gibt es ein Treffen, um die neuen Termine zu vereinbaren und die Vorlesetexte auszuwählen. Ich schlage die Geschichten vor. Dabei berücksichtige ich Klassiker ebenso wie neue Bilderbücher.“

„Dauerbrenner“ sind nach ihren Worten die „Zilly“-Geschichten mit der chaotischen Hexe und ihrem Kater Zingaro, oder die Bücher von der außergewöhnlichen Kuh Lieselotte, die lustige Abenteuer auf ihrem Bauernhof erlebt. Gern sucht sie Geschichten aus, in denen es ums Lesen, Bücher oder Bibliotheken geht, z.B. „Der Lesewolf“ von Benedicte Carboneill oder „Gesucht! Henri, der Bücherdieb“ von Emily MacKenzie. Für das Vorlesen zuhause hat sie den Tipp, dass sich gereimte Geschichten wie „Für Hund und Katz ist auch noch Platz“ von Julia Donaldson und Axel Scheffler hervorragend eignen.

Hinter den Samstagsgeschichten in der Stadtbibliothek verbergen sich vier unterschiedliche Formate. In einem bestimmten Rhythmus wechseln sich das echte Vorlesen, das Bilderbuchkino, lebendiges Märchenerzählen und das Kamishibai ab. Letzteres ist ein japanisches Papiertheater, mithilfe von Bildkarten wird eine Bilderbuchgeschichte erzählt.

Wie Buschbeck erläutert, haben ehrenamtlichen die Vorleserinnen und Vorleser verschiedene Vorlieben und dürfen selbst wählen, welches Vorleseformat sie übernehmen. Ein Termin ist dabei fest in den Händen der Märchenerzählerinnen und –erzählern des Hanauer Märchenerzählkreises. Gleich bleibt bei den Samstagsgeschichten immer die Rahmung durch Zeit und Ort. Dazu betont Susanne Buschbeck: „Es ist ein Angebot für Kinder ab 4 Jahren. Daran orientiert sich auch die Auswahl der Bilderbücher.“ Nach dem Vorlesen wird mit den Kindern passend zur Geschichte oder zur Saison gemalt oder gebastelt.

Doch welche Geschichten stecken hinter Menschen wie Eva Maria Thimm und Ursula Appelbaum, die schon seit vielen Jahren in der Stadtbibliothek vorlesen? Aber was ist ihre Motivation? Auf welchen Wegen sind sie zur Stadtbibliothek gekommen?

Manchmal liegt die Antwort auf diese Frage in der Familie: Wenn die inzwischen erwachsene Tochter in der Stadtbibliothek und hier in der Kinder- und Jugendbibliothek arbeitet, ist es leicht nachzuvollziehen, dass Hilde Kleinert begeisterte Vorleserin geworden ist. Sie hat bereits in frühen Jahren ihrer kleinen Schwester vorgelesen, später dann ihren Kindern und Enkelkindern. Die Liebe zu Büchern hat also Familientradition. Sie erinnert sich noch sehr genau an erstes Lieblingsbuch „Das Dschungelbuch“. Diese Begeisterung weiterzugeben und Kinder an Bücher heranzuführen, das findet sie immer wieder bereichernd.

Gerda Gärtner hat schon in der alten Stadtbibliothek vorgelesen. „Mein seit der Schulzeit ungebrochenes Interesse an Büchern“ hat sie zu dem Ehrenamt gebracht. Dabei genießt sie es, zusammen mit dem wissbegierigen Kinderpublikum die wunderbaren neuen und alten Kinderbücher zu entdecken. Sie war es auch, die Renate Schlemminger überzeugen konnte, sich neben deren ehrenamtlichen Einsatz in der evangelischen Johanniskirchengemeinde auch in der Stadtbibliothek zu engagieren. Als ehemalige Grundschullehrerin hat Renate Schlemminger schon immer viel vorgelesen, in der Schule und ihren Kindern zuhause vor dem Einschlafen. „Heute sorgt das Vorlesen für einen regelmäßigen Kontakt zu den Kindern, woran ich sehr viel Freude habe“, sagt sie.

Franz Josef Gründges kam ebenfalls durch seine Tätigkeit als Lehrer zum ehrenamtlichen Vorlesen. Gründges ist seit 1978 in verschiedenen Funktionen und Ämtern ehrenamtlich unterwegs, vor allem in seiner Heimat Borbeck, wo er unter anderem als Vorsitzender im Förderverein Schloss Borbeck tätig ist. Dort startete er auch in den Achtzigern seine Laufbahn als Vorleser, denn im Märchenzimmer von Schloss Borbeck ließ er regelmäßig vor ungefähr 15 Kindern im Alter von 3 bis 7 Jahren die Geschichten lebendig werden. Er erinnert sich gut an die Details und kommt fast ins Schwärmen, wenn er sich an sein junges Publikum „im Halbrund sitzend auf Schaumstoffmatratzen“ erinnert. Seit Anfang des Jahres engagiert er sich in Hanau, doch im Moment pausiert er. Vom kommenden Jahr an will er wieder dabei sein.

Susanne Buschbeck als Initiatorin des Projekts erinnert sich auch gerne an die Ehemaligen: „Jürgen Berten ist von Anfang an dabei gewesen. Er war sehr beliebt bei den großen und kleinen Zuhörern. Leider musste er aus gesundheitlichen Gründen Ende 2018 aufhören. Elma Brakmic war bis 2013 sehr engagiert, ist dann aber leider weggezogen. Ingrid Spahn und Thi Mai Anh Dang haben leider 2018 aufgehört vorzulesen.“

Interessierte Vorleserinnen und Vorleser sind übrigens immer willkommen. Susanne Buschbeck ist unter der Telefonnummer 06181 / 98 252 20 oder per Mail unter Susanne.Buschbeck@hanau.de als Ansprechpartnerin erreichbar, um alle Fragen rund um das Vorlesen bei den Samstagsgeschichten zu beantworten.

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