Schulen können sich zur Teilnahme am Bildungs-Pilotprojekt „Nachhaltigkeit im Einzelhandel“ anmelden.

Mittelrhein-Tageblatt - Deutsches Tageblatt - News - Hanau -Hanau – Ob fruchtig-süß wie eine fair gehandelte Banana-Split-Schokolade in Bioqualität oder herzhaft-würzig wie ein Kartoffelsalat aus frisch in der Region geernteten Erdäpfeln: Bei der Auftaktveranstaltung zum Pilotprojekt „Nachhaltigkeit im Einzelhandel“ in der Industrie- und Handelskammer (IHK) Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern konnten sich die Gäste die kulinarische Seite der Nachhaltigkeit in ihrer ganzen Geschmacksfülle auf der Zunge zergehen lassen.

Zum Start des von IHK, dem Netzwerk „Nachhaltig vernetzt Hanau und Region“ sowie fünf engagierten Lebensmittel-Einzelhändlern aus Hanau und dem Main-Kinzig-Kreis initiierten Projekts waren rund 50 Vertreter von Unternehmen, Schulen und des Netzwerks gekommen. An üppig mit nachhaltigen Waren gedeckten Ständen luden die Händler zum Kosten ein.

„Was kann ich wirklich tun?“, diese Fragestellung habe für die Initiatoren des Projekts im Vordergrund gestanden, erklärte Gabriele Schaar-von Römer, Leiterin des Hanauer Umweltzentrums, das für die Koordination des Nachhaltigen Netzwerks Hanau und Region verantwortlich zeichnet. In dem Netzwerk engagieren sich Akteure aus Vereinen, Organisationen, Schulen und Unternehmen für die Gestaltung einer nachhaltigen Zukunft in Hanau und der Region.

Anstoß für das Bildungs-Pilotprojekt, das Teil eines breit angelegten Besuchsprogramms mit dem Titel „Nachhaltigkeit öffnet Türen“ des Netzwerks ist, sei für sie die beim Bürgerwochenende der Stadt Hanau immer wiederkehrende Frage von Besuchern gewesen „Wo kann ich denn nachhaltig einkaufen?“, erläuterte Schaar-von Römer. Ziel ist es, Bildung zur nachhaltigen Entwicklung für Kinder, Jugendliche aber auch für Erwachsene in der Praxis erfahrbar zu machen. Zugleich soll das Projekt die öffentliche Aufmerksamkeit verstärkt auf das nachhaltige Engagement der Lebensmittel-Einzelhändler lenken.

Der Einzelhandel habe mit zahlreichen Problemen wie etwa Digitalisierung und Fachkräftemangel zu kämpfen, machte IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Gunther Quidde in seiner Begrüßung deutlich. Dennoch sei es aus Sicht der IHK für den Einzelhandel ein lohnendes Unterfangen, sich auch im Bereich der Nachhaltigkeit, die zum Element der Profilschärfung werden könne, zu engagieren, so Quidde.

Als eine Initiative, die ganz am Puls der Zeit liege, bezeichnete Stadtverordnetenvorsteherin Beate Funck das Projekt. 2015 hatten die Vereinten Nationen die Agenda 2030 mit ihren 17 nachhaltigen Entwicklungszielen verabschiedet. Deren Umsetzung könne allerdings nur gelingen, wenn sich Akteure aus allen gesellschaftlichen Bereichen dafür engagierten, zur Gestaltung einer nachhaltigen Zukunft beizutragen, so Funck. Eben dazu leiste das Pilotprojekt einen wesentlichen Beitrag und trage damit auch zur öffentlichen Wahrnehmung Hanaus als eine in Fragen der Nachhaltigkeit bestens aufgestellten Stadt bei, begrüßte Funck im Namen der Stadt die Initiative.

Ein guter Ruf, der auch in Wiesbaden deutlich vernommen wird: „Ich weiß, dass Hanau ein ganz großartiges und innovatives nachhaltiges Netzwerk hat“, gab es aus dem Mund von Silke Bell, Landeskoordinatorin der hessischen Umweltschulen, Lob vom hessischen Kultusministerium. Bell bezeichnete die Bildung zur nachhaltigen Entwicklung als einen hochoffiziellen Auftrag, den die Länder in Folge der Verabschiedung der Agenda 2030 erhalten hätten. Dabei diene Bildung als flankierende Maßnahme, die zur Triebkraft für eine gesamtgesellschaftliche Transformation werde.

Dass es bei dem Besuchsprogramm, das nach den Herbstferien beginnen soll, an Themen und Fragestellungen nicht mangeln dürfte, wurde in der anschließenden Podiumsdiskussion mit Elke Habig (Edeka Habig, Bad Soden-Salmünster), Dorothea Trautner (Tegut Hanau), Steffen Stoldt (Globus Maintal) und Mario Blandamura (Paradieschen, Linsengericht) deutlich. Thema waren dabei nicht nur das bereits beachtliche Engagement der Einzelhändler in Sachen Nachhaltigkeit sowie die gerade im Bereich von Obst, Gemüse, Molkereiprodukten und Eiern schon heute vorhandene Bereitschaft der Kunden zum etwas teureren nachhaltigen Produkt zu greifen.

Auch die Problematiken wie Grenzen und Hindernisse bei der Müllvermeidung, die teilweise erheblichen Preisunterschiede bei konventionellen und nachhaltigen Waren und die damit verbundene Frage, inwieweit sich auch sozial schwächer gestellte Kunden Nachhaltigkeit leisten können, kamen zur Sprache. Zahlreiche Rückfragen und Meinungsbeiträge aus dem Publikum machten deutlich, dass das Thema „Nachhaltigkeit im Einzelhandel“ damit gerade einmal angeschnitten war, weshalb Schaar-von Römer zum Abschluss der Podiumsdebatte versicherte, dass die Diskussion im Rahmen des Besuchsprogramms fortgesetzt werde.

Im nächsten Schritt laden die beteiligten Märkte nach den Herbstferien Schulklassen zu Besuchen ein. Mit einer Checkliste in der Hand können sich die Kinder und Jugendlichen dort bei einer Nachhaltigkeits-Rallye auf die Suche nach regionalen, saisonalen, Bio- und fair gehandelten Waren machen und Fragen wie Müllvermeidung und Energiesparen nachgehen. So sollen sich bei dem Bildungsprojekt die Schüler die Antworten auf die Frage „Wie kaufe ich nachhaltig ein?“ ganz praxisnah und mit Spaß selbst erarbeiten können.

Schulen, die sich für eine Teilnahme an dem Pilotprojekt interessieren und mit Klassen oder Gruppen einen Markt besuchen wollen, können sich per E-Mail an umweltzentrum@hanau.de wenden oder das Umweltzentrum Hanau telefonisch (06181 / 3049148) kontaktieren.

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