Stadt Hanau – „Ein kleines Stück Alltag herstellen“ – Eigenbetrieb Kindertagesstätten startet die „Online-Kita“ für Bildung und Beschäftigung daheim

Mittelrhein-Tageblatt - Deutsches Tageblatt - News - Hanau -Stadt Hanau – „Mir ist langweilig!“ Diesen Ausruf ihrer Kinder dürften Eltern zur Genüge kennen. Gerade in Zeiten der Corona-Pandemie, in der Schulen und Kindertagesstätten geschlossen, die Möglichkeiten, Freunde zu treffen, durch die Kontaktsperre arg beschränkt, und Spielplätze gesperrt sind. Kinder müssen daheim beschäftigt werden – und dafür hat sich der städtische Eigenbetrieb Kindertagesbetreuung eine ganze Menge einfallen lassen. Seit gut einer Woche gibt es über das neue städtische Portal www.hanaudaheim.de die sogenannte „Online-Kita“.

„Wir bieten dort jeden Tag mehrere Beiträge zum Spielen, Ausprobieren und Bewegen an“, berichtet Astrid Weiermann, Leiterin des Eigenbetriebs. Drei bis vier Videos werden täglich von Montag bis Freitag veröffentlicht, dazu Bastel- oder Experimentieranleitungen, Spieletipps und hilfreiche Links mit weiteren Beschäftigungsideen. „Ein großartiges Angebot, das unsere Kolleginnen und Kollegen aus den Kindertageseinrichtungen selber entwickelt haben und eigenständig umsetzen“, freut sich auch Sozialdezernent und Bürgermeister Axel Weiss-Thiel über das Projekt: „Ein großes Dankeschön an alle, die daran mitarbeiten.“

Seit nunmehr fast vier Wochen sind auch in Hanau die Kindertagesstätten für den normalen Betrieb geschlossen. Seitdem müssen die Kleinen auf ihre Freunde, ihre Betreuungskräfte und die entsprechenden Bildungsangebote verzichten. „Dem wollen wir mit der ‚Online-Kita‘ entgegenwirken. Wir wollen ein kleines Stück Alltag herstellen“, erklärt Astrid Weiermann. Insbesondere die nun fehlende sprachliche Bildung habe ihre Kolleginnen und Kollegen besorgt. Innerhalb der Sprachfachkräfte wurde deshalb die Idee geboren, die Kindertagesstätten-Angebote via Internet nach Hause zu bringen. In Eigenregie kümmern sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seitdem darum, Videoclips zu produzieren. Sie filmen, schneiden, vertonen. Sie sortieren und bewerten zudem die Vielzahl an anderen Angeboten, die es im Internet zur Kinder-Unterhaltung gibt und kuratieren diese für die städtische Website. „Wir wollen eine Plattform von und für Hanau schaffen. Eine Plattform, die in diesen schweren Zeiten Orientierung und Beschäftigung bietet“, erläutert Weiermann.

Drei Schwerpunkte hat sich das „Online-Kita“-Team gesetzt: Bewegung und Entspannung, Kreatives und Experimentieren sowie Geschichten, Fingerspiele und Lieder zur Stärkung der Sprache. Die Kinder werden dabei direkt angesprochen und können auf unterschiedliche Weise mitwirken. Sie können Grüße an ihre Kita-Gruppen senden, Bilder malen, Wünsche äußern. Derzeit läuft zudem die Suche nach einem kindgerechten Namen für die „Online-Kita“. Vorschläge und Ideen können per E-Mail an online-kita@hanau.de oder per Post an die Kita Françoisgärten, Ulanenplatz 9, 63450 Hanau, geschickt werden.

Bei der Umsetzung des Projekts profitiert der Eigenbetrieb Kindertagesbetreuung von der derzeitigen Schließung der Einrichtungen – der Fluch wird quasi zum Segen. „Die Kolleginnen und Kollegen, die derzeit im ‚Home office‘ sind, haben jetzt die notwendige Zeit, dieses Projekt, mit dem wir Neuland betreten, umzusetzen“, berichtet Weiermann.

Nicht alle der 600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Eigenbetrieb sind derzeit aber auf diesem Neuland unterwegs, denn seit vier Wochen wird zudem eine Notbetreuung angeboten. Kinder, deren Eltern in den sogenannten „systemrelevanten“ Berufen tätig sind – zum Beispiel medizinisches Personal oder Rettungskräfte, aber auch die Beschäftigten der noch geöffneten Supermärkte –, haben Anspruch auf einen Notbetreuungsplatz. Rund 150 Kinder werden derzeit in Hanau auf diesem Weg betreut. An rund 15 Standorten und in Kleingruppen von drei bis vier Kindern. Die Zusammenarbeit mit den freien Trägern, die ebenfalls Plätze anbieten, und den Tagesbetreuungspersonen, die Kinder daheim aufnehmen, funktioniere hervorragend, so Weiermann.

„Und die Rückmeldungen der Eltern sind sehr positiv.“ Man spüre dabei auch die große Solidarität innerhalb der Bevölkerung: „Wir haben schon mehrfach gehört, dass Eltern, die eigentlich einen Anspruch auf die Notbetreuung hätten, zurücktreten, damit die Plätze zum Beispiel für Alleinerziehende zur Verfügung stehen.“

Hanau hat auch frühzeitig entschieden, dass die Betreuungsgebühren und die Verpflegungspauschalen für die Zeit der Schließung der Kindertagesstätten und der Familientagesbetreuung erlassen werden. Abbuchungsaufträge, die dem Eigenbetrieb Hanau Kindertagesbetreuung erteilt wurden, sind ausgesetzt. Daueraufträge sollten durch die Eltern eingestellt werden. „Wir haben zudem bereits entschieden, dass wir in diesem Jahr auf die Sommerschließung der Kitas verzichten, damit Eltern, die jetzt Urlaub nehmen mussten, in den Sommerferien nicht vor dem nächsten Problem stehen“, unterstreicht Bürgermeister Weiss-Thiel.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Eigenbetrieb kümmern sich derzeit aber nicht nur um die „Online-Kita“ und die Notbetreuung, sondern auch um die Produktion von Stoffmasken. 25 Tagesbetreuungskräfte nähen derzeit, mit großzügiger Unterstützung des Nähzentrums Bergmann, Masken für die Kolleginnen und Kollegen und die Kinder aus der Notbetreuung. „Auch hier zeigt sich, dass Hanau in der Krise zusammensteht“, erklärt Weiermann, die darauf hofft, dass die Kindertagesstätten bald wieder regulär öffnen dürfen. Die Entscheidung in dieser Frage obliegt jedoch dem Land Hessen.

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