Hessische-Nachrichten -Stadt-Hanau-Stadt Hanau – Eine Benachteiligung, gegen die Frauen schon lange kämpfen, ist die Lohndiskrepanz zwischen Männern und Frauen.

In kaum einem europäischen Land werden Frauen so viel schlechter bezahlt als Männer, als in Deutschland. Rund 70 Tage müssen Frauen zusätzlich und „umsonst“ arbeiten, um das gleiche durchschnittliche Jahreseinkommen zu haben, wie es Männer bereits am 1. Januar haben.

Diese Fakten sollen am „Equal Pay Day“ (EPD) wieder ins Bewusstsein der Unternehmen und der Öffentlichkeit gebracht werden. Denn die schlechtere Bezahlung in der Zeit der Berufstätigkeit führe zwangsläufig auch zu niedrigeren Renten und damit einhergehend zu drohender Altersarmut. Darauf weisen die kommunale Frauenbeauftragte Monika Kühn-Bousonville und Oberbürgermeister Claus Kaminsky hin.

Der Equal Pay Day, in diesem Jahr ist es der 10. März, markiert symbolisch den geschlechtsspezifischen Entgeltunterschied, der laut Statistischem Bundesamt in Deutschland aktuell 19 Prozent beträgt. In Bezug auf die ungleiche Bezahlung hat sich in den letzten Jahren wenig bewegt. Auch das Entgelt-Transparenz-Gesetz, von 2017, bei dem die Mitarbeiterinnen in Unternehmen mit mehr als 200 Beschäftigten Auskunft darüber verlangen können, was ihre Arbeitskollegen verdienen, hat das Thema Lohngerechtigkeit nicht wirklich vorangebracht. Frauen müssten eine Gleichbezahlung einfordern und den Klageweg beschreiten. Die Diskriminierung setzt sich fort, und die Lohnlücke bleibt bestehen.

Etwa zwei Drittel des „Gender Pay Gap“, also der Entgeltlücke zwischen Mann und Frau, lassen sich laut Veröffentlichungen des Statistischen Bundesamtes durch verschiedene Arbeitsstrukturen begründen. So verdienen Frauen einerseits weniger Geld, weil sie oftmals niedrigere Positionen oder geringer bezahlte Teilzeitjobs ausüben oder schlecht bezahlte Berufe erlernen. Frauen unterbrechen oder reduzieren ihre Erwerbstätigkeit familienbedingt durch z.B. Elternzeit oder Pflege von Angehörigen häufiger und länger als Männer. Diese „Fehlzeiten“ und darauffolgende Einstiegshemmnisse haben lang nachwirkende Einbußen bei Lohn- und Einkommensentwicklung zur Folge.

Nach wie vor spielen auch althergebrachte Aufgabenteilungen in Familien eine Rolle, bei der die Frau als Hauptverantwortliche für Haushalt, Kindererziehung und Pflege von Familienangehörigen nur in Teilzeitjobs tätig sind, während der Mann – meist in einer besser bezahlten Vollzeitstelle- die klassische Rolle des Hauptverdieners und Ernährers einnimmt.

„Doch selbst wenn man diese Faktoren herausrechnet und sich Frauen und Männer anschaut, die in der gleichen Branche und gleichen Position gleich viel arbeiten, dann ergibt sich in Deutschland immer noch eine nicht zu erklärende Lohnlücke von sechs Prozent“, betont OB Kaminsky. Durch fehlende Gehaltstransparenz sei eine Ungleichbehandlung der Bezahlung aufgrund des Geschlechts nicht sichtbar.

Ein Entwurf auf EU-Ebene könnte zu mehr Transparenz führen. Der Entwurf sieht vor, dass Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeiter*innen künftig einmal im Jahr im Internet veröffentlichen, ob die Bezahlung von Männer und Frauen gerecht ist. Bei einer Lohn-Lücke von mehr als fünf Prozent müssten die Unternehmen die Gründe dafür analysieren und konkrete Schritte vorschlagen, um das zu ändern. Zudem sieht der Entwurf vor, dass Arbeitnehmerinnen einen unbegrenzten Anspruch auf Schadensersatz bekommen, wenn sie benachteiligt wurden.

„Das ist lediglich ein Entwurf. Unser Ziel ist es nach wir vor, mit dem Equal Pay Day die Debatte über die Gründe der Lohnunterschiede in die Öffentlichkeit zu tragen, ein Bewusstsein für die Problematik zu schaffen, zu sensibilisieren und den Druck auf den Gesetzgeber zu erhöhen, damit sich die Lohnlücke schließt“, so die Kommunale Frauenbeauftragte.

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