Stadt Hanau – „Ganz ‚normaler‘ Unterricht – nur anders“ – VHS Hanau und Brüder Grimm Berufsakademie setzen auf Online-Angebote

Mittelrhein-Tageblatt - Deutsches Tageblatt - News - Hanau -Stadt Hanau – Coronavirus-Aktuell: In Zeiten von „sozialer Distanz“ auf Grund der Corona-Pandemie ist sogenannter „Präsenzunterricht“ in den Klassenzimmern derzeit nicht möglich. Digitale Lernformate gewinnen daher rapide an Bedeutung. Sowohl die Brüder Grimm Berufsakademie, als auch die Volkshochschule Hanau bieten die Möglichkeit über digitale Medien und das Internet weiter zu lernen, zu studieren und sich sogar auf Prüfungen vorzubereiten. Viele digitale Lernangebote finden sich im Internet auf www.vhs-hanau.de und auf der neuen städtischen Homepage www.hanaudaheim.de.

Die Digitalisierung des Lebens und des Lernens waren an der Volkshochschule Hanau (VHS) und in der gesamten Volkshochschulwelt bereits vor der Corona-Krise ein großes Thema. Das aktuelle Programmheft der VHS Hanau widmet sich dem Semesterthema „Digitalisierung – Teilhabe – Verantwortung“ der Digitalisierung und ihren Auswirkungen auf unser gesellschaftliches Leben. Infolge des Verbots für die Durchführung von Präsenzkursen bekommt digitales Lernen nun jedoch auch an der VHS eine ungeahnte Dynamik.

„Im Wesentlichen ist das Kursangebot der VHS Hanau auf Präsenzlernen ausgelegt. Erst wenige Kursformate nutzten bisher die digitalen Möglichkeiten, wie beispielsweise das Streaming von Vorträgen oder die vhs.cloud“, erläutert VHS-Schulleiterin Elke Hohmann. Die Volkshochschule Hanau habe sich jedoch in den letzten Wochen intensiv mit den Möglichkeiten des digitalen Lernens beschäftigt, bestehende Angebote zusammengetragen und eigene Online-Angebote entwickelt.

So musste die VHS mit Schließung der Schulen schnell eine Lösung für die Teilnehmenden der Vorbereitungslehrgänge auf die Schulabschlussprüfung finden. „In vier Lehrgängen bereiten sich aktuell 72 Teilnehmende an der VHS auf ihre Prüfung zum Hauptschulabschluss, Realschulabschluss und Fachoberschulabschluss vor. Die Prüfung wird im Mai beziehungsweise Juni sein, und bis dahin gilt es, noch einiges an Lerninhalten zu vermitteln“, berichtet Hohmann. „Ziel ist es, dass alle Teilnehmenden, die bereits zur Prüfung durch das Staatliche Schulamt zugelassen sind, ihre Prüfung auch ablegen können und in den nächsten Wochen die Zeit nutzen, sich auf die Prüfung vorzubereiten. Den Unterricht nun komplett auszusetzen, wäre keine Alternative, da bis zur Prüfung zu viel Wissen verloren gehen würde“, erläutert die VHS-Leiterin.

Aus diesem Grund entschloss sich die VHS Hanau dazu, in Windeseile die beiden als Präsenzunterricht organisierten Vorbereitungslehrgänge zur Hauptschulabschlussprüfung auf die vhs.cloud „umzuziehen“. In der vhs.cloud wurden virtuelle Klassenräume für die Teilnehmenden und Lehrkräfte eingerichtet. Die Teilnehmenden arbeiten mit eigenen Computern, Laptops und Smartphones von zu Hause. Der Unterricht findet weiterhin zu fest vereinbarten Uhrzeiten statt, zu denen sich die Teilnehmenden mit ihren Kursleiterinnen und Kursleitern in dem virtuellen Klassenraum der vhs.cloud treffen. Die Kursleiterinnen und Kursleiter stellen Materialien und Aufgaben digital zur Verfügung und zeigen online, wie die Materialien zu bearbeiten sind, beantworten per Videokonferenz Fragen oder chatten mit ihren Teilnehmenden. Die bearbeiteten Aufgaben werden von den Teilnehmenden in die vhs.cloud hochgeladen werden, werden von den Kursleiterinnen und Kursleitern korrigiert und erhalten Feedback. Parallel können sich die Teilnehmenden auch außerhalb der Unterrichtszeiten austauschen und sich gegenseitig helfen. Da nicht alle Teilnehmenden der Schulabschlusskurse zu Hause über die technischen Möglichkeiten verfügten, werde parallel Arbeits- und Lernmaterial per Mail zugeschickt, so Hohmann.

Von der vorübergehenden Schließung der Volkshochschule Hanau sind insgesamt rund 450 Kurs-, Beratungs- und Prüfungsangebote betroffen. „Kurse mussten entweder abgebrochen, unterbrochen oder abgesagt werden, Prüfungen und Beratungsleistungen finden nicht oder nur per Telefon oder E-Mail statt“, berichtet Hohmann. Der organisatorische Aufwand in den ersten beiden Wochen der Schließung sei für die Verwaltungsmitarbeiterinnen und -mitarbeiter an der VHS Hanau immens gewesen: Hunderte Menschen mussten umgehend über das Aussetzen oder die Absage ihres Kurses informiert werden, nun müssen Teilnahmegebühren anteilig zurückerstattet und Gebührenabrechnungen korrigiert werden.

„Die derzeitigen Beschränkungen des Lehrbetriebs sind sinnvoll und notwendig. Doch Bürgerinnen und Bürgern fehlen zuhauf Weiterbildungsangebote, die sie für ihr persönliches und berufliches Fortkommen und für ihre gesellschaftliche Teilhabe brauchen“, weiß Hohmann. Als kommunale Weiterbildungseinrichtungen in öffentlicher Trägerschaft träfen die Folgen der Corona-Krise auch die Volkshochschulen schwer, denn die unzweifelhaft notwendige Schließung führe zu erheblichen Einnahmeausfällen. „An der VHS Hanau gehen die finanziellen Verluste in den sechsstelligen Bereich“, teilt die Leiterin mit.

Infolge des Unterrichtsausfalls sind in Hessen zudem bis zu 12.000 freiberufliche Kursleiterinnen und Kursleiter in ihrer Existenz bedroht. Für die Betroffenen der Volkshochschule Hanau wurde umgehend nach der behördlichen Anordnung auf Schließung eine Kulanzregelung im Hinblick auf die entstandenen Honorarausfälle geschaffen. Der zuständige Dezernent und Bürgermeister der Stadt Hanau, Axel Weiss-Thiel, hat ein „Notbudget“ freigegeben und der Zahlung eines anteiligen Honorarausfalls zugestimmt. Diese Kulanzregelung soll helfen, die Einkommensverluste infolge der vorübergehenden Schließung der VHS Hanau zu mildern. „Diese unbürokratische Hilfe wurde intensiv in Anspruch genommen, was deutlich macht, wie brisant die private wirtschaftliche Lage der meist freiberuflich Lehrenden ist“, berichtet VHS-Leiterin Hohmann.

Aktuell erfordere die Umstellung der Lerninhalte auf das digitale Format sehr viel Zeit. Die Kursleiterinnen und Kursleiter müssten sich mit Unterstützung der VHS-Pädagogen mit der vhs.cloud vertraut machen und digitale Lernkonzepte erstellen, berichtet Hohmann. Doch das sei auch „eine Investition in die Zukunft“, denn auch „nach Corona“ werde der Einsatz der vhs.cloud Standard in den Kursen an der VHS Hanau sein.

Die vhs.cloud wurde vom Deutschen Volkshochschulverband entwickelt und steht den Kursleiterinnen und Kursleitern kostenfrei zur Verfügung. Aktuell gilt es, alle mit den Funktionalitäten der Cloud vertraut zu machen. Hierzu bietet der Hessische Volkshochschulverband kostenfreie Webinare an. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der VHS Hanau unterstützen mit Informationen und Rat rund um technische und didaktische Fragen. „Ganz ‚normaler‘ Unterricht – nur anders“, sagt Hohmann „Unser Ziel ist es, das digitale Lernangebot an der VHS Hanau kurzfristig immer besser auszubauen und so den Bürgerinnen und Bürger in der Phase der Corona-Krise ein professionelles Lernangebot zu ermöglichen. Wir sind auf einem guten Weg“, so Hohmann.

Die Kurse der VHS Hanau zur berufsbezogenen Deutschförderung werden nach Ostern in Form von Online-Tutorials in Verbindung mit dem vhs.lernportal.de durchgeführt oder als virtuelle Deutschkurse auf der vhs.cloud. Voraussetzung dabei ist immer, dass die Teilnehmenden über die technischen Möglichkeiten verfügen, um an den digitalen Lernformaten zu partizipieren.
An der Brüder Grimm Berufsakademie sind aktuell 40 Studierende im akademischen Block der Studiengänge Innovationsmanagement, Designmanagement und Produktgestaltung von der Schließung der Akademie betroffen. Im betrieblichen Block befinden sich derzeit 26 Studierende, die ihre Ausbildung an der Staatlichen Zeichenakademie und dem Berufliches Schulzentrum Odenwaldkreis und in verschiedenen Unternehmen absolvieren.

Um das ausbildungsintegrierte Duale Studium an der BGBA fortführen zu können, haben die Lehrenden ihre Vorlesungen, Seminare und Übungen im Online-Modus eingerichtet. Nach den ersten Wochen des Studienbetriebs online, fasst die Geschäftsführerin Elke Hohmann die Situation zusammen: „Sowohl bei den Studierenden im akademischen Block sowie von den Lehrenden wurden keine Probleme festgestellt, die den Lehrbetrieb als solches in Frage stellen. Dies liegt zum einen an den kleinen Lerngruppen mit einer sehr intensiven, individuellen und engagierten Betreuung, zum anderen aber auch daran, dass die Hälfte der Blockphase und damit die Hälfte des Wissens-Inputs in den meisten Fällen bereits vor der Schließung vermittelt wurden.“

Positiv bewertet auch die Akademieleitern Prof. Nicole Simon die ersten Erfahrungen: „Unsere Dozentinnen und Dozenten arbeiten alle in Branchen, in denen die Online-Kommunikation selbstverständlich ist. Für die Studierenden ist es nun eine gute Übung, im Ernstfall den Wert aber auch die Herausforderungen dieser Kommunikationswege zu erleben. Andererseits sind wir ja nicht nur Wissensvermittler. Bildung ist für uns immer auch Persönlichkeitsentwicklung, und das kommt im Moment durch den fehlenden persönlichen Austausch zu kurz.“

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