Stadt Hanau – „Sprache als Brücke zur Integration“: 20 Jahre „Mama lernt Deutsch!“ in der Weststadt

Mittelrhein-Tageblatt - Deutsches Tageblatt - News - Hanau -Stadt Hanau – Vor rund 20 Jahren – am 21. Oktober 1999 – startete der erste Kurs „Mama lernt Deutsch“ in der Weststadt in Hanau. 24 Frauen waren damals zu diesem neuen Kursangebot erschienen. Seither finden – in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Hanau und dem Weststadtbüro – regelmäßig „Mama-lernt-Deutsch-Kurse“ statt. Das Besondere: Während die Frauen im lockeren Rahmen ihre Deutschkenntnisse verbessern, werden ihre Kinder – von Baby bis zum Schulkind – betreut, so dass sie sich auf den Kurs konzentrieren können. Ein Angebot, dass so einmalig im Main-Kinzig-Kreis ist, dass sogar Mütter aus anderen Kommunen nach Hanau kommen, um es zu nutzen.

Über die Anfänge von „Mama lernt Deutsch“, das Besondere an diesem Kursangebot und warum „Mama lernt Deutsch“ auch in Zukunft gebraucht wird, darüber berichteten jetzt in einem Pressegespräch Bürgermeister Axel Weiss-Thiel, Eftelya Erbasli, Quartiersmanagement Weststadtbüro, Elke Hohmann, VHS Hanau, Eva Hintner, Programmbereichsleiterin für Deutsch an der VHS, Astrid Wild, Kursleiterin für „Mama lernt Deutsch“ sowie weitere Beteiligte und Teilnehmerinnen.

„Wir stellen immer wieder fest, dass es in Hanau zugewanderte Frauen oder Frauen mit Migrationshintergrund gibt, die aufgrund ihrer persönlichen Biographie oder auch ihrer aktuellen persönlichen familiären Situation, keinen formalen Deutschkurs besuchen“, erläutert Bürgermeister Weiss-Thiel. Bei manchen sei – auch nach vielen Jahren des hier Lebens in Hanau – die Fähigkeit Deutsch zu sprechen, sehr gering. Das führe dazu, dass diese Frauen von vielen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens ausgeschlossen seien.

„Die Kenntnis der deutschen Sprache ist für Migrantinnen nicht einfach nur eine Kompetenz. Die deutsche Sprache ist für sie eine Brücke, um sich im Alltagsleben und im öffentlichen Raum besser zurechtzufinden. Insbesondere für Frauen mit Kindern ist die deutsche Sprache ein wichtiges Instrument, um nicht nur die eigenen Belange sondern auch die Belange der Kinder in der Schule, bei Ärzten und Behörden zu begleiten und die Sachverhalte zu verstehen oder um Kontakte zu anderen Familien aufzubauen“, fuhr Weiss-Thiel fort.

„Die Kursthemen haben sich über die Jahre nicht groß verändert“, berichtet Kursleiterin Astrid Wild, „und wir passen sie flexibel auf die Bedürfnisse der Frauen an. Nach wie vor stünden Alltagssituationen wie Schule, Arztbesuche oder Formulare und Behördengänge ganz oben auf der Liste. „Doch die Frauen sind besser informiert und sehen den Kurs als Sprungbrett“, sagt Wild. Auch von der Zusammensetzung her habe sich der Kurs verändert. „Während es früher doch zumeist türkische Frauen und ein paar andere Nationalitäten waren, haben wir im aktuellen Kurs beispielsweise Frauen aus Afghanistan, Syrien, Libanon, Tunesien, Marokko, Russland und Polen.

Ein wichtiger Baustein des Kursangebots ist die Kinderbetreuung. „Wir spielen mit den Kindern, während die Mamas Deutsch lernen und da manche Kinder kein Deutsch sprechen, üben wir auch schon ein paar deutsche Worte mit ihnen“, berichtet Nevin Uyar, die seit 20 Jahren die Kinderbetreuung für die „Mama lernt Deutsch“-Kurse durchführt. Ehrenamtliche Hilfe erhält sie von Ursula Michel, die auch in den Kursen den Deutschunterricht unterstützt.

Zwar seien die Voraussetzungen und Vorkenntnisse der Migrantinnen auf Grund ihrer heterogenen Herkunft oft sehr unterschiedlich, „doch allen ist gemein, dass sie aufgrund geringer Sprachkenntnisse nicht oder nur schwer am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können“, erläutert Elke Hohmann, Leiterin der VHS Hanau. Nicht selten sei der „Mama lernt Deutsch“-Kurs eine Brücke für den Einstieg in einen Integrationskurs oder ein anderes weiterführendes Deutschkursangebot, berichtet die VHS-Leiterin. „So haben wir es zum Teil mit Frauen zu tun, die nicht lesen und schreiben können. Im „Mama lernt Deutsch-Kurs erhalten sie eine Grundlage an Deutschkenntnissen sowie Beratung und Unterstützung, die es ihnen ermöglicht die nächsten Schritte zu gehen“, sagt Hohmann.

Im Verlauf der Jahre hätten so einige der Teilnehmerinnen anschließend bei der VHS weitere Deutschkurse belegt und dadurch Arbeit gefunden, ergänzt Eftely Erbasli, Quartiermanagerin des Weststadtbüros. Manche hätten sogar ihren Schulabschluss nachgeholt. „Wenn wir erfahren, dass wir Frauen dabei unterstützen konnten ihren Weg zu gehen und sich besser in unsere Gesellschaft einzuleben dann freut uns das natürlich besonders. Denn das ist seit 20 Jahren das Ziel dieses Kursangebots!“, so Hohmann abschließend.

Mama lernt Deutsch findet zweimal pro Woche im Evangelischen Gemeindezentrum der Weststadt statt. Für im Schnitt 20 Kurstermine zahlen die Teilnehmerinnen eine kleine Schutzgebühr von 20 Euro, Kinderbetreuung inklusive.

Information und Anmeldung bei Birgit Heinz
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