Hessische-Nachrichten -Kassel- Aktuell -Stadt Kassel – Vor zwei Jahren startete in Kassel ein Ausbildungsprogramm speziell für Migrantinnen, um ihnen die Chance zu geben, in der Sozialwirtschaft als Fachkraft tätig zu werden. Zur Halbzeit des vierjährigen Projektzeitraums liegen jetzt erste Zwischenergebnisse der wissenschaftlichen Evaluierung des Projektes vor. Fazit: Der Verlauf ist vielversprechend und die Zielvereinbarung mit dem Land Hessen, das das Kasseler Projekt „Sozialwirtschaft integriert“ fördert, ist schon jetzt erreicht.

Laut Zielvereinbarung sollten von August 2018 bis Dezember 2022 mindestens 120 Frauen in das Programm aufgenommen werden, aktuell sind es 179. Mehr als 50 Frauen sollten während des Projektzeitraums einen qualifizierten Berufsabschluss absolvieren; bereits jetzt hat es 51 Integrationen in Ausbildung und Qualifizierung gegeben. 15 Frauen haben bereits den Einstieg in die Erwerbstätigkeit geschafft.

Großer Wunsch nach beruflicher Qualifizierung
Der bisherige Verlauf des Projekts „Sozialwirtschaft integriert“ zeigt, dass der Wunsch nach selbstbestimmter beruflicher Qualifizierung und Erwerbsarbeit bei Migrantinnen sehr groß ist. Die besondere Herausforderung besteht darin, den unterschiedlichen Biographien, Vorbildungen, Qualifikationen, Sprachniveaus und behördlichen Anforderungen gerecht zu werden. Hier hat sich bewährt, dass jede Projektteilnehmerin durch eine Coachin unterstützt, beraten und betreut wird. Passgenau kann so im Zusammenwirken der engagierten Projektpartner ein individueller Ausbildungsplan erstellt, Schulabschlüsse nachgeholt und Sprachkurse belegt werden, um am Ende die geplante berufliche Perspektive zu verwirklichen.
Dieses Ziel haben die ersten sechs examinierten Altenpflegehelferinnen aus dem städtischen Projekt „Sozialwirtschaft integriert“ vor Augen. In der vergangenen Woche haben sie ihre Zeugnisse erhalten – fünfmal mit der Abschlussnote 1 und einmal mit der Note 2. Alle Frauen stehen nun dem Kasseler Arbeitsmarkt zur Verfügung. Bürgermeisterin Ilona Friedrich und Projektleiterin Terhas Andezion gratulierten den Frauen und dankten der AWO-Altenpflegeschule und den Coaching-Trägern für die gute und erfolgreiche Kooperation.

Wissenschaftliche Begleitung durch Uni Kassel
Wissenschaftlich begleitet wird „Sozialwirtschaft integriert“ von der Universität Kassel. Ein Team unter der Leitung von Prof. Dr. Sigrid James, Professorin für Theorien und Methoden der Sozialpädagogik, evaluiert den Verlauf des gesamten Projekts. Ihr Fazit zur Halbzeit: „Sozialwirtschaft integriert“ stellt ein wichtiges und wachsendes Projekt im Angebotsspektrum der Stadt Kassel dar, welches das Potenzial hat, als Modell für andere Angebote mit ähnlicher Zielgruppe zu dienen.“

Die Evaluationsergebnisse zeigen, dass eine Gruppe von Frauen gefördert wird, die in Bezug auf Alter, Sprache, Migrationserfahrung, Familienstand und Bildungshintergrund sehr heterogen ist. Dass das Projekt die unterschiedlichen Bedürfnisse und Hintergründe der Frauen berücksichtigt, sei sinnvoll, stelle aber auch eine Herausforderung insbesondere für die Coachinnen dar. Neben der Bereitschaft und dem Lernerfolg der teilnehmenden Frauen sind sie es, die eine zentrale Rolle in „Sozialwirtschaft integriert“ spielen.

Ihre Arbeit sei ressourcenintensiv, aber wichtig für die Wirksamkeit von Integrationsförderungsprojekten. Zu ihrer Unterstützung und weiteren Qualifizierung seien fachliche Weiterbildungsangebote sinnvoll. Kritisch würde zudem von den Coachinnen ein hoher administrativer Aufwand im Vergleich zu beratend-unterstützenden Aufgaben angemerkt. Im weiteren Verlauf soll die Evaluation auch Erkenntnisse und ein vertieftes Verständnis darüber liefern, warum manche Teilnehmerinnen das Projekt abbrechen und für welche Gruppen „Sozialwirtschaft integriert“ ein vielsprechendes Projekt sein kann.

„Schon in diesem frühen Stadium liefert die begleitende Evaluation des ,Sozialwirtschaft-integriert‘-Projekts wertvolle Einsichten in Faktoren, die Projektentwicklungen prägen, und generiert Hypothesen, die in der zweiten Hälfte dieser Praxis-Forschungskooperation getestet werden sollen“, führt Prof. James aus.

Bürgermeisterin Ilona Friedrich ergänzt: „Ich habe großen Respekt vor der Leistung der Frauen und freue mich, dass ich damit den ersten Teilnehmerinnen zu ihrem Abschluss persönlich gratulieren konnte. Außergewöhnlich, aber auch erfolgversprechend sind der modulhafte Aufbau und die vielen Kooperationspartner im Projekt. Ich kann mich nur für die gute Arbeit aller, die daran mitwirken, Migrantinnen in Berufen der Sozialwirtschaft auszubilden, herzlich bedanken.“

Teilnahme weiterhin möglich
Nach wie vor können sich Frauen mit Migrationshintergrund für das Programm „Sozialwirtschaft integriert“ anmelden. Auch im nächsten Jahr ist ein Kurs zum Erwerb des Hauptschulabschlusses in Teilzeit geplant. Für diesen Kurs sind noch Plätze frei. Interessierte Frauen wenden sich an Terhas Andezion, Telefon: 0561/787 5818, Mail: terhas.andezion@kassel.de oder Fatima Mohssen, Telefon: 0561/787 5255, Mail: fatima.mohssen@kassel.de von der Kommunalen Arbeitsförderung.
Pressekontakt: Stephan Kaiser

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