Wiesbaden – Feuerwehr, Rettungsdienst und Katastrophenschutz in „Corona-Zeiten“

Mittelrhein-Tageblatt - Deutsches Tageblatt - News - Wiesbaden -Wiesbaden – Die aktuelle Pandemielage hat auch für die Feuerwehr Wiesbaden erhebliche Auswirkungen. Das Amt 37 der Stadtverwaltung, das neben dem Brandschutz und der Allgemeinen Hilfe, auch für den Rettungsdienst und den Katastrophenschutz in der Landeshauptstadt Wiesbaden verantwortlich ist, hat in den letzten Wochen den Betrieb ziemlich umgekrempelt.

Auch wenn es erst einmal absurd erscheint, sind aktuell auch Mitarbeitende der Feuerwehr im Home-Office tätig – allerdings nur jene, die mit Verwaltungstätigkeiten betraut sind. Der Einsatzdienst befindet sich natürlich weiterhin auf der Wache, um im Gefahrenfall umgehend Hilfe leisten zu können.

„Eine funktionierende Feuerwehr und ein funktionierender Rettungsdienst sind essentiell für die Sicherheit unserer Bürger“, sagt Johannes Mumbauer, kommissarischer Leiter der Wiesbadener Feuerwehr. Aus diesem Grund setzen die Verantwortlichen im Amt 37 alles daran, die permanente Einsatzbereitschaft sicherzustellen. „Unsere Mitarbeitenden arbeiten im Wachalltag Hand in Hand zusammen und ruhen in Mehrbettzimmern. Die Einhaltung der Abstandsregeln ist insbesondere im Einsatz nicht immer umsetzbar

. Die Gefahr, dass bei einer Covid-19-Erkrankung eines Einzelnen eine ganze Wachabteilung betroffen ist oder zumindest in Quarantäne geschickt werden muss, ist groß“, berichtet Mumbauer. Bereits seit Mitte März hat die Feuerwehr deshalb ihren Dienstplan umgestellt: Die einzelnen Feuerwachen mit ihren drei Wachabteilungen, sowie die Mitarbeitenden der Leitstelle sind deutlich stringenter voneinander getrennt, als normalerweise.

Bereits im Februar wurden zwei Arbeitsgruppen innerhalb der Feuerwehr gebildet: Die Arbeitsgruppe „Pandemie“ beschäftigte sich mit den möglichen, zukünftigen Auswirkung der Pandemie auf den Feuerwehrbetrieb, die Arbeitsgruppe „Katastrophenschutz“ inventarisierte die Lagerbestände von Schutzausrüstung. Mitte März wurden die Arbeitsgruppen in einen Führungsstab überführt. Dieser stellt die operativ-taktische Komponente zum Verwaltungsstab der Landeshauptstadt Wiesbaden dar. Der Führungsstab ist dauerhaft personell besetzt und wird durch Verbindungspersonen und Fachberater unterstützt. Als Besonderheit wurde der Führungsstab gesplittet: Ein Teil des Stabes arbeitet auf der Feuerwache 1, der andere Teil auf der Feuerwache 2. Zweimal pro Woche werden beide Teilstäbe per Videokonferenz zusammengeschaltet.

Alle Maßnahmen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie werden vom diesem Führungsstab geplant. Dabei sind in den letzten Wochen neben der Umstellung des Dienstbetriebes und der Vorbereitung auf eine Verschärfung der Pandemielage auch zusätzliche Aufgaben hinzugekommen: Aktuell arbeitet die Feuerwehr zum Beispiel auch daran, städtische Ämter, Einrichtungen der Alten- und Jungendpflege, Pflegedienste und andere Bedarfsträger mit notwendiger Schutzausrüstung, Desinfektionsmitteln und weiteren benötigten Materialien zu versorgen.

Für die Zentrale Leitstelle hat die Corona-Pandemie besondere Auswirkungen. Zu Beginn der Krise war das Notrufaufkommen über den Notruf 112 in der Leitstelle erheblich angestiegen, weil die Informationswege für die Bürger noch nicht klar waren. Diese Situation hat sich mit der Installation des Bürgertelefons und einem besseren Informationsfluss seitens der Politik zunehmend entspannt. Trotzdem hat sich auch der Dienst in der Leitstelle verändert: Das Leitstellenpersonal, welches normalerweise im 24-Stunden Dienst aus der Wachabteilung rekrutiert wird, arbeitet jetzt in vier eigenständigen Dienstgruppen in acht Stunden-Schichten.

Die Disponenten dürfen die Feuerwache nur noch über einen separaten Zugang betreten, haben eigene Aufenthaltsräume und müssen die Feuerwache nach Dienstende umgehend wieder verlassen. Die Versorgung mit Getränken oder anderen benötigten Materialien findet ausschließlich über Schleusen statt. Der Kontakt zu den diensthabenden Kolleginnen und Kollegen des Einsatzdienstes wird somit ausgeschlossen. Dadurch kann für den Fall, dass die Wachabteilung vom Virus direkt betroffen ist, der Dienstbetrieb in der Leistelle ungehindert weitergehen. Der Leitstelle wurden feste Lagedienste (Einsatzleiter in der Leistelle) zugewiesen um den Personalaustausch so gering, wie möglich, zu halten. Um für den Fall eines Anstiegs der Corona-Fallzahlen gerüstet zu sein, wurden die Kapazitäten der Leitstelle erhöht: Innerhalb kürzester Zeit wurden erstmalig acht zusätzliche Disponentenplätze im Lehrsaal der Freiwilligen Feuerwehr Stadtmitte installiert.

Die Corona-Pandemie betrifft auch den Alltag der Wachabteilungen. Um den Kontakt zwischen den drei Wachabteilungen auf ein absolutes Minimum zu reduzieren, begegnen sie sich beim Wachwechsel nicht mehr. Nach der Schichtübernahme werden die Kontaktflächen in der Wache und auf den Fahrzeugen durch die Einsatzkräfte gereinigt. Die ohnehin hohen Hygienestandards bei der Feuerwehr wurden nochmals angezogen.

Es findet kein Gemeinschaftssport mehr in den Sporträumen und –anlagen der Feuerwachen statt. Wachübergreifende Ausbildungsdienste dürfen nicht mehr durchgeführt werden. Generell ist der Personalaustausch zwischen Feuerwache 1 und Feuerwache 2/3 ausgeschlossen. An das System anknüpfend, wurden jeder Wachabteilung feste Einsatzleitdienste zugewiesen, die sonst zwischen den Wachen und den Abteilungen wechseln.

Auch an Einsatzstellen können Einsatzkräfte immer mit Betroffenen in Berührung kommen. Aus diesem Grunde wurde ein Einsatzstandard „Corona-Pandemie“ ausgearbeitet und Einsatzfahrzeuge mit zusätzlicher Schutzausrüstung ausgestattet. Die Maßnahmen dienen dem Schutz der Feuerwehrkräfte im Einsatz. Die Corona-Pandemie machte außerdem eine temporäre Anpassung der Alarm- und Ausrückordnung (AAO) erforderlich. Der Grundausbildungslehrgang 2020 startete, wie geplant, am Mittwoch, 1. April.

Die neuen Auszubildenden für den mittleren feuerwehrtechnischen Dienst müssen die Unterrichtsinhalte vorerst eigenständig im Selbststudium (Home-Office) erarbeiten. In kürze beginnt die gemeinsame Ausbildung. Auch hier wird sehr genau auf die hygienischen Vorschriften geachtet. Die vorübergehende Änderung der AAO betrifft auch die Freiwilligen Feuerwehren unmittelbar. Diese sind ein wesentlicher Bestandteil der Feuerwehr Wiesbaden.

Um die Einsatzbereitschaft zu erhalten, wurden sämtliche Aus- und Fortbildungen sowie Übungsdienste an den Standorten ausgesetzt – ebenso wie Lehrgänge und Fortbildungsveranstaltungen auf Stadt- und Landesebene. „Zur Fortbildung haben einige Freiwillige Feuerwehren aber kreative Lösungen gefunden und Unterricht per Videokonferenz organisiert“ berichtet Andreas Kleber, dessen Abteilung für die Freiwilligen Feuerwehren und die Katastrophenschutzeinheiten verantwortlich zeichnet. Um die engen Kontakte innerhalb der Freiwilligen Feuerwehren zu minimieren, dürfen die Löschfahrzeuge der Freiwilligen Feuerwehr nur noch mit maximal sechs Einsatzkräften besetzt werden. Weitere Helfer kommen bei Bedarf in Mehrzweckfahrzeugen zur Einsatzstelle nach.

Um das Infektionsrisiko auf den Rettungswachen der Hilfsorganisationen zu minimieren, wurden durch den Träger des Rettungsdienstes -der seit 2016 bei der Feuerwehr angesiedelt ist- die Standorte der Rettungswachen dezentralisiert. So wurden Behelfs-Rettungswachen am Dresdner Ring in Bierstadt, in der Rennbahnstraße in Erbenheim, im „Naturfreundehaus Heidehäuschen“ in Freudenberg, beim THW am Siegfriedring, sowie im Kulturzentrum Schlachthof eingerichtet.

Für Krankentransporteinsätze im Zusammenhang mit Corona-Virus wurden auf der Rettungswache Süd (Wiesbadener Landstraße) zwei Infektions-Krankentransportwagen (I-KTW) stationiert. Diese können mittelfristig um weitere I-KTWs in Wiesbaden ergänzt werden. Durch diese Maßnahme sollen Covid-19-Patienten oder begründete Verdachtsfällen von anderen Patienten getrennt werden. Die Fahrzeuge werden nach jedem Einsatz desinfiziert.

Im Rettungsdienst ist die Gefahr eines Kontaktes mit Covid-19 Patienten natürlich viel höher als im Einsatzalltag der Feuerwehr. Aus diesem Grund gibt es hier auch einen hohen Bedarf an Schutzkleidung, um das Risiko einer Virusübertragung, insbesondere bei bis dato unbekannten Fällen, zu vermeiden. Dieses Material können wir glücklicher Weise zur Verfügung stellen.

Für den Fall, dass die Versorgungskapazitäten der Krankenhäuser und des Rettungsdienstes nicht ausreichen sollten, können die Katastrophenschutzeinheiten Wiesbadens zur Hilfeleistung herangezogen werden. Die Einheiten werden durch das Amt 37 der Landeshauptstadt Wiesbaden, als untere Katastrophenschutzbehörde, verwaltet.

Das Hessische Ministerium des Inneren und für Sport hat Anfang April in einem Erlass geregelt, inwiefern die Einheiten des Katastrophenschutzes auch unterhalb der Katastrophenschwelle bei einer Verschärfung der Pandemielage zur Unterstützung eingesetzt werden können.

„Glücklicherweise steigen die Fallzahlen in Wiesbaden zurzeit nicht so rasant an, als dass die Versorgungskapazitäten der Krankenhäuser und Rettungsdienste an ihre Grenzen stoßen würden“, erklärt Marc Dieroff, ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes in Wiesbaden. Um dennoch für den Ernstfall gut vorbereitet zu sein, wurde durch den Führungsstab eine wöchentliche Stärkeabfrage bei den Hilfsorganisationen in die Wege geleitet. Wichtig ist, die genaue Anzahl der zur Verfügung stehenden, ehrenamtlichen Helfer und deren Ausbildungsstand zu ermitteln, um bei steigenden Fallzahlen die Einheiten optimal einsetzen und sofort adäquate Hilfe leisten zu können.

Glücklicherweise sind die Einsatzzahlen in Zeiten der Kontaktsperre sowohl bei der Feuerwehr als auch beim Rettungsdienst zurückgegangen. Durch die Schließung der Geschäfte, der wenige Verkehr auf den Straßen und die reduzierten Möglichkeiten bei der Freizeitgestaltung bleiben viele „Alltags-Einsätze“ aus. „Wir gehen davon aus, dass die Einsatzzahlen wieder steigen werden, wenn die ersten Lockerungen greifen. Die Feuerwehr und der Rettungsdienst sind darauf aber, dank der Vorplanung, sehr gut vorbereitet. Unser Schutzniveau wird, bis die Auswirkungen beurteilt werden können, zunächst aufrecht erhalten“, sagt Mumbauer.

Für das bisher zusätzliche geleistete Engagement der Feuerwehr in der aktuellen Coronavirus-Situation bedankt sich Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende im Namen der Bürgerinnen und Bürger: „Wir danken allen Kräften sehr herzlich für ihre Zuverlässigkeit und Einsatzbereitschaft. Viele – auch in anderen Bereichen wie der Ordnungskräfte oder Kranken- und Altenpflege – bekommen zurzeit nicht die Anerkennung, die sie verdienen. Dabei leisten alle Unglaubliches“.

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