Wiesbaden – Stadtmuseum: „Industrie und Holocaust: Topf & Söhne – Die Ofenbauer von Auschwitz“

Hessische-Nachrichten - Wiesbaden - Aktuell -Wiesbaden – Stadtmuseum: Die internationale Wanderausstellung des „Erinnerungsortes Topf & Söhne – Die Ofenbauer von Auschwitz“ in Erfurt ist zu Gast im Wiesbadener Stadtmuseum. Am Dienstag, 7. August, wird die Sonderausstellung um 19 Uhr eröffnet. Sie ist dann bis zum 27. Januar 2019 zu sehen.

„Topf & Söhne“ war ein Erfurter Handwerksbetrieb, der zum Ende des 19. Jahrhunderts gegründet wurde. Schwerpunkt der Produktion waren Mälzereieinrichtungen und Heizungsanlagen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts kamen Be- und Entlüftungsanlagen sowie Einäscherungsöfen für Krematorien dazu. Ein ganz normales Unternehmen, das unter der Leitung der Brüder Ernst Wolfgang und Ludwig Topf ab 1939 mit der SS zusammenarbeitete. Mit Aussicht auf das Konzentrationslager Buchenwald vom Firmensitz in Erfurt wurden hier Aufträge entgegen genommen, bearbeitet, besprochen und um-gesetzt. Von der Sekretärin über den Ingenieur bis zur Firmenleitung – die Angestellten von Topf & Söhne wurden zu Mitwissern und Mittätern.

Anhand von Briefen, Firmendokumenten, technischen Zeichnungen, Foto- und Filmmaterial wird es dem Besucher möglich, die Geschichte des Unternehmens vor allem im Hinblick auf die Zusammenarbeit mit der SS nachzuvollziehen. Man erkennt ein ganz normales Unternehmen, das sich bemüht, seine Kunden zufrieden zu stellen. Ingenieure, die durch Eigenengagement an effizienteren Methoden zur Leichenbeseitigung feilen und neue Öfen entwickeln. Mitarbeiter, die vor Ort in Auschwitz mit Stoppuhren vor den Öfen die Zeit nehmen, Be- und Entlüftungsanlagen für die Gaskammern einbauen. Das Firmenmotto „Stets gern für Sie beschäftigt…“ galt auch für diese Geschäftsbeziehung.

Die Sonderausstellung zeigt die Rolle der Privatwirtschaft in der Tötungsmaschinerie Holocaust. Sie beleuchtet die Rolle der Zivilisten, die für den ganzen Prozess notwendig waren als Zulieferer, technische Fachleute und Monteure. Ganz ohne Zwang und Drangsalierung ging das „alltägliche“ Geschäft im dunkelsten Kapitel in Deutschland weiter. Auch wird die Zeit danach reflektiert; wie geschah Aufarbeitung, wer hat sich schuldig gemacht und aus welcher Motivation heraus? Welche Verantwortung trägt ein jeder einzelne in der Gesellschaft?

Das Stadtmuseum am Markt wird die Ausstellung für sechs Monate zeigen. Historischer Hintergrund ist die Tatsache, dass Ernst Wolfgang Topf in der Nachkriegszeit versuchte, das Unternehmen in Wiesbaden neu aufzubauen, was ihm nicht gelang. Über die Ausstellung hinaus hat das Museum zahlreiche Veranstaltungen geplant. Um die Arbeit mit Schulen fortzusetzen und zu intensivieren, wird am 7. August von 13 bis 17 Uhr eine Lehrerfortbildung angeboten. Darüber hinaus gibt es Führungen und Workshops speziell auf Schulklassen zugeschnitten mit diversen Arbeitsmaterialien, die die vertiefende Auseinandersetzung mit dem Thema ermöglichen.

Ein vielseitiges und reichhaltiges Begleitprogramm rundet die Ausstellung ab. Vom Gedenkstätten-Rundgang, über Vorträge und Lesungen bis zur Kooperation mit der Caligari Filmbühne – viele Informationen zur Ausstellung, aber auch zur Wiesbadener und regionalen Geschichte werden vertieft. Das Museum hat hierfür sehr viel Unterstützung von lokalen Akteuren erhalten und kooperiert mit verschiedenen Institutionen in der Stadt. Finanzielle Unterstützung erhielt das Stadtmuseum für die Realisierung des Rahmenprogramms von seinem Förderverein und von der Wiesbaden Stiftung. Auch die Zusammenarbeit mit dem Erinnerungsort „Topf & Söhne“ war für die Ausstellung in Wiesbaden sehr fruchtbar. Interessierte Besucher können einer gut aufbereiteten, informativen Sonderausstellung im Stadtmuseum entgegenblicken und an einem abwechslungsreichen und spannenden Begleitprogramm teilnehmen; auch der Begleitkatalog kann vor Ort erworben werden.

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