Wiesbaden – Wirtschaft und Corona: Austausch mit Verbänden, Kammern und Banken zur Stärkung des Wirtschaftsstandortes Wiesbaden im Rahmen der Corona-Krise

Mittelrhein-Tageblatt - Deutsches Tageblatt - News - Wiesbaden -Wiesbaden – Wirtschaft und Corona: Die Wirtschaftsförderung der Landeshauptstadt Wiesbaden hatte am Donnerstag, 9. April, kurzfristig einen Erfahrungsaustausch mit Verbänden, Kammern und Nassauischer Sparkasse organisiert. Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende und Bürgermeister Dr. Oliver Franz verließen diesen mit folgenden Empfehlungen: eine mögliche Ausweitung der Stundung kommunaler Abgaben, die Weiterführung kommunaler Bauaufträge in geplanter Höhe und Verstärkung städtischer Investitionen nach Corona, die Prüfung vereinfachter Vergabeverfahren für Aufträge bis 100.000 Euro im Rahmen gesetzlicher Möglichkeiten, Bürokratieabbau sowie die Errichtung einer städtischen Webseite mit strukturierten Informationen über Coronahilfen und -Verordnungen zur Schaffung von Transparenz.

Ziel des Treffens war es gewesen, Erfahrungen aus den vergangenen drei Wochen seit Beschränkung der sozialen Kontakte auszutauschen und daraus konkrete Maßnahmen zu entwickeln, die dem Wirtschaftsstandort Wiesbaden dabei helfen sollen, die Corona-Krise besser zu überstehen. Die Punkte werden nun auf ihre Realisierbarkeit hin geprüft. Die Seite zur Ergänzung des städtischen Webauftritts wird von der Wirtschaftsförderung in Kooperation mit der Wiesbaden Congress & Marketing GmbH kurzfristig umgesetzt.

„Die Landeshauptstadt Wiesbaden hat zur Bekämpfung der Corona-Pandemie zunächst mit eigenen Verfügungen reagiert, um die Verbreitung des Virus in Wiesbaden in Grenzen zu halten. Nachdem die Hessische Landesregierung ihre landesweiten Verfügungen veröffentlichte, haben wir uns im Verwaltungsstab Corona konsequent an deren Vorgaben orientiert“, machte Oberbürgermeister Mende eingangs deutlich. Wenngleich die Geschäfte und Restaurants geschlossen seien: die Versorgung mit Lebensmitteln sei weiterhin gewährleistet. Dieser Weg sei richtig gewesen, die Zahl der Infizierten in Wiesbaden sei daher relativ gering und vom Gesundheitswesen gut zu bewältigen.

„Wiesbaden ist im Gesundheitssektor gut aufgestellt und vorbereitet“, sagte Wirtschafts- und Gesundheitsdezernent Dr. Franz. 900 Betten seien frei, davon maximal 100 mit Beatmungsgeräten. Eine Hotline für Bürgerinnen und Bürger sei innerhalb von wenigen Tagen eingerichtet worden, der Verwaltungsstab Corona tage täglich und es wurde ein Quarantänemanagement aufgebaut. Die Wirtschaftsförderung berichtete, die Referatsleitung Birgit Knetsch, habe die Aktionen „buy local“ und „eat local“ ins Leben gerufen, die auf große Akzeptanz stoße. Ferner sei durch die Kooperation mit der Wiesbaden Congress & Marketing GmbH nun der Kauf von Gutscheinen für Gastrobetriebe und Einzelhandel über den städtischen Internetauftritt möglich. Weiterhin sei Barbara Hoffmann, Ansprechpartnerin für Industrieunternehmen, in direktem Kontakt mit dem Krisenstab des Landes und den Ministerien, um für Industrieunternehmen unter anderem Fragen nach systemkritischen beziehungsweise systemrelevanten Infrastrukturen zu klären.

Aus ihren Erfahrungen im Sinne Best-/Worst-Practice berichteten Bernhard Mundschenk, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer, Günter Högner, Vorsitzender des Vorstands der Nassauischen Sparkasse und Sabine Meder, Hauptgeschäftsführerin der Industrie- und Handelskammer sowie Pamela Schröder vom Fachverband Elektro- und Informationstechnik Hessen/Rheinland-Pfalz. Im Vorfeld hatten auch die Verbände HessenChemie und der Landesverband Hessen des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes ihre Erfahrungen aus den vergangenen Wochen geschildert. Insgesamt kristallisierten sich als Beratungsschwerpunkte in den Hotlines die Themen Liquiditätssicherung, Kurzarbeit sowie arbeitsrechtliche und organisatorische Aspekte bei den Unternehmen heraus. Als positive Erfahrung machten alle Teilnehmer einen enormen Digitalisierungsschub in ihren Organisationen aus. Videokonferenzen mit Kollegen, Geschäftspartnern und Verbandsmitgliedern, Webinare für Mitglieder, Social-Media-Kanäle zur Informationsverbreitung, Home-Office: Diese Instrumente werden auch nach Corona in der einen oder anderen Form erhalten bleiben. Auch die Veröffentlichung von Webinaren zu Kurzarbeit für Nicht-Mitglieder, die HessenChemie unter www.hessenchemie.de gemeinsam mit der Bundesagentur für Arbeit durchgeführt hatte, ist eine Erfolgsstory.

Als negative Erfahrung konstatierten die meisten eine große Verunsicherung bei ihrer Klientel aufgrund eines „informatorischen Overkills“, unsortierter und teils widersprüchlicher Informationen und nicht nachvollziehbarer Verordnungen des Landes. Aus dieser Einschätzung resultiert die Empfehlung einer eigenen Seite der Wirtschaftsförderung zu Corona, die alle Informationen bündelt und als Lotse durch die Themen Förderung, Kurzarbeit und Ansprechpartner fungieren soll. Einig waren sich alle Verbands- und Kammervertreter, dass die Politik bald signalisieren müsse, wann und wie Gesellschaft und Wirtschaft wieder zur Normalität zurückkehren könne. „Sobald von Seiten der Landes- und Bundesregierung Klarheit herrscht, wie es weitergehen soll, werden wir wieder zusammenkommen, um gemeinsam weitere, an die neue Situation angepasste Maßnahmen zu überlegen“, sagte Dr. Franz.

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