Aachen – Archäologie: Sensationsfund im Bereich Lothringer Straße aus der Römer-Zeit

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Teile des römischen Aquädukts in der Lothringer Straße entdeckt: Grabungsleiterin Sarah Janßen-Kempka (skArcheoConsult) und Stadtarchäologe Andreas Schaub. – Foto; Stadt Aachen

Aachen – Lothringer Straße: Archäologen entdecken Teile des lange gesuchten römischen Aquädukts.

· Im Rahmen der aktuell laufenden Kanalbauarbeiten in der Lothringer Straße machen Archäologen seltenen Fund.

· Die alte Leitung hat ab etwa 100 n.Chr. über eine Länge von knapp zwei Kilometenr Frischwasser von Burtscheid nach Aachen zu den großen römischen „Münsterthermen“ geführt.

· Die nun entdeckte Ausrichtung des Aquädukts liefert Experten neue Erkenntnisse über den genauen Verlauf der Leitung.

Die strahlenden Augen verraten die Freude von Sarah Janßen-Kempka direkt. „Als klar war: Wir haben hier überraschend etwas gefunden, was wirklich alt ist, was römisch ist, da gab’s bei uns schon einen kleinen Jubelschrei“, hat die archäologische Grabungsleiterin von skArcheoConcult nun bei einem Pressetermin am Donnerstag (5. Dezember) verraten. Denn im Rahmen der Kanalbauarbeiten der Regionetz in der Lothringer Straße sind Teile eines römischen Aquädukts freigelegt worden. „Es ist wirklich ein besonderer Befund. Es wurde immerhin die alte Wasserleitung entdeckt, die das römische Aachen mit Wasser versorgt hat“, ordnete Stadtarchäologe Andreas Schaub die Entdeckung ein.

Wasserversorgung für große Themen

Es ist das erste Mal seit vielen Jahrzehnten, dass die antike Leitung bei Grabungen wieder entdeckt worden ist. Das letzte Mal war dies in den 1980er Jahren bei Bauarbeiten in Burtscheid der Fall. Die Errichtung des Aquädukts wird von den Experten auf die Zeit um etwa 100 n.Chr. datiert. „Unter Kaiser Trajan (98 bis 117 n.Chr.) wurde Aachen großräumig neu errichtet“, erzählte Andreas Schaub. „Unter anderem entstanden dabei die Thermen unter dem Dom – die ‚Münsterthermen‘ -, die mit rund 6200 Quadratmetern Fläche zu den größten Heilbädern im Imperium Romanum zählten. Vor allem für deren Versorgung mit Frischwasser wurde der Aquädukt von Burtscheid nach Aachen errichtet.“

Verantwortlich für den Bau von Leitung und Thermen war der Staat in Form seiner Legionen, die in Xanten stationiert waren. „Vor allem das Militär verfügte in der damaligen Zeit über das technische Know-how. Es hatte die Ingenieure, die Vermessungsexperten und natürlich auch die ‚Manpower‘, um solch große Infrastrukturprojekte umzusetzen“, so Schaub weiter.

Startpunkt am „Kalten Bach“ i n

Der Startpunkt der römischen Frischwasserleitung lag beim heutigen Schwertbad in Burtscheid. Dort wurde vom „Kalten Bach“ – der Wurm – eine hölzerne Abzweigung errichtet, die in den Aquädukt geleitet wurde. Von dort verlief die rund 1770 Meter lange Leitung grob über die heutige Dammstraße, Bachstraße, Warmweiherstraße, Herzogstraße, Lothringer Straße, Wirichsbongardsstraße und Elisabethstraße bis zum Bereich, wo heute die Elisabethhalle und die Hauptgeschäftsstelle der Sparkasse Aachen am Münsterplatz liegen. Dort endete der Aquädukt in einem so genannten Wasserkastell.

Das Aquädukt Burtscheid – Aachen war eine so genannte Freispiegelleitung. Sie besaß ein Gefälle von 1,4 bis 2,5 Millimeter Gefälle pro Meter. Das Bauwerk selbst bestand aus gemörteltem circa 50 Zentimeter breiten und 65 Zentimeter hohen Bruchsteinwangen. Das Gerinne war durch U-förmige Ziegel gebildet. Der eingesetzte Mörtel war mit Ziegelstücken durchsetzt, was für die Wasserbeständigkeit sorgte. „Ein übliches Verfahren bei römischen Wasserbauten“, so Schaub. Die Abdeckung des Aquädukts bestand einmal aus Schiefer, ansonsten aus Ziegelplatten.

Massive Bauweise

„Die Leitung insgesamt ist in einer sehr massiven Art und Weise gebaut worden. Das Bauwerk war insgesamt etwa zwei Meter breit und ist – zumindest in großen Teilen – in die Erde eingegraben worden“, erklärte der Stadtarchäologe. Aufgrund der Aachener Topografie wurde im Bereich des heutigen Theaterplatzes durch eine Aquädukt-Brücke die dortige Senke überwunden, um dann zum Wasserspeicher im Bereich der Elisabethstraße zu kommen. „Ansonsten verlief die Leitung aber in der Tat unterirdisch“, so Schaub. Und genau dort, in einigen Metern Tiefe, ist nun ein Teil des Aquädukts gefunden worden.

Derzeit dokumentieren die Archäologen den Befund. „Vielleicht gelingt es uns noch, einen Teil des Rinnsteins herauszunehmen. Und wenn es optimal läuft, findet sich darauf sogar eine Inschrift, die uns erlaubt, die Datierung noch exakter angeben zu können“, hofft Grabungsleiterin Sarah Janßen-Kempka.

Keine Verzögerung für Kanalarbeiten

In wenigen Tagen schreitet dann aber auch in dem Bereich der Lothringer Straße der Kanalbau wie geplant voran und der römische Fund wird wieder zugeschüttet – und liegt gut geschützt unter einigen Metern Erde. Die Archäologen werden derweil die neuen Erkenntnisse weiter auswerten. „Wir wissen zumindest nun für dieses Teilstück die genaue Ausrichtung der Leitung. Daraus wiederum können wir neue Schlüsse ziehen, wo wir bei künftigen Tiefbauarbeiten womöglich erneut auf das römische Aquädukt in Aachen stoßen können“, hoffen Sarah Janßen-Kempka und Andreas Schaub, dass es nicht wieder 30 bis 40 Jahre dauert, bis es soweit ist.

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Stadt Aachen