Bonn – Clara Schumann war eine der berühmtesten Pianistinnen

Mittelrhein-Tageblatt - Deutsches Tageblatt - News - Bonn -Bonn – Neben Ludwig van Beethoven ist Robert Schumann der zweite weltberühmte Musiker und Komponist, der den Ruf der Musikstadt Bonn begründet hat. Seine Frau Clara, die mit ihm auf dem Alten Friedhof beigesetzt ist, wäre am 13. September 2019 200 Jahre alt geworden. An diesem Tag hat Oberbürgermeister Ashok Sridharan bei einer Gedenkfeier mit Kranzniederlegung auf dem Alten Friedhof die Musikerin, Komponistin und Klavierprofessorin gewürdigt.

„Clara Schumann war eine der berühmtesten Pianistinnen des 19. Jahrhunderts. Sechs Jahrzehnte hat sie auf Konzertpodien in ganz Europa gestanden. Bereits in jungen Jahren wurde sie als pianistisches Wunderkind bezeichnet“, sagte der Oberbürgermeister, der im Namen der Stadt einen Kranz an ihrem Grabdenkmal niederlegte. „Ich danke dem Verein Schumannhaus Bonn und der Gesellschaft der Freunde und Förderer des Alten Friedhofes in Bonn für die Ausrichtung der heutigen Gedenkveranstaltung sowie für ihr großartiges Engagement zum Erhalt des Andenkens an Clara und Robert Schumann in unserer Stadt.“

Das jährliche Gedenken an Clara und Robert Schumann soll in Zukunft auf Vorschlag des Oberbürgermeisters gemeinsam mit dem Verein Schumannhaus Bonn und der Gesellschaft der Freunde und Förderer des Alten Friedhofes in Bonn am 12. September auf dem Alten Friedhof fortgesetzt werden, dem Hochzeitstag der beiden Musiker.

Zehn Konzerte in Bonn gespielt

Der Bezug Clara Schumanns zu Bonn hängt natürlich eng mit dem tragischen Schicksal ihres Mannes und seinem Aufenthalt in der Endenicher Heilanstalt – dem heutigen Bonner Schumannhaus – zusammen, in der er am 29. Juli 1856 starb. Die Pianistin gab insgesamt zehn Konzerte in Bonn, unter anderem im Sternhotel und in der Beethovenhalle. Das heutige Bonner Schumannhaus war der Ort der letzten Begegnung des legendären Musikerehepaares Clara und Robert Schumann. Am 28. Juli 1856 durfte Clara Schumann mit Erlaubnis der Ärzte endlich ihren Mann besuchen. Trotz seines Verfalls und der Unfähigkeit zu sprechen, erkannte er sie und schlang seinen Arm um sie. An seinem Todestag, dem 29. Juli 1856, sah ihn Clara nicht mehr lebend.

Mit großer Dankbarkeit würdigte Clara Schumann die noble Geste des damaligen Bonner Bürgermeisters Leopold Kaufmann, für ihren Mann sofort ein städtisches Ehrengrab auf dem Alten Friedhof bereitzustellen. Dort erfolgte am 31. Juli 1856 unter großer Anteilnahme der Bevölkerung die Beisetzung.

Bei allen ihren Bonner Aufenthalten – neben den Konzerten führten sie seit 1858 auch immer private Besuche bei Freunden nach Bonn – führte Clara Schumann der Weg auch zu Robert Schumanns Grab auf dem Alten Friedhof. Im Frühjahr 1861 verband sie einen Bonn-Aufenthalt mit dem Besuch ihrer Söhne Ferdinand und Ludwig, die sie seit Herbst 1859 in einem privaten Internat untergebracht hatte.

Gedächtnisfeier im August 1873

Zu den Höhepunkten von Clara Schumanns Bonn-Aufenthalten gehörte die Gedächtnisfeier für Robert Schumann vom 17. bis 19. August 1873. Die Gedächtnisfeier war das erste Bonner Schumannfest, bei dem Clara Schumann, die mit den Kindern Marie, Eugenie, Elise, Ferdinand und Felix nach Bonn gekommen war, an allen Konzerten als der absolute „Stargast“ mitwirkte – einerseits als Frau von Robert Schumann, andererseits als die damals berühmteste Pianistin Europas!

Der Erlös sollte der Grundstock für das geplante neue Schumann-Grabdenkmal sein, an dessen Gestaltung Clara Schumann in Korrespondenz mit dem beauftragten Bildhauer rege Anteilnahme und Einfluss nahm. Die feierliche Enthüllung des Grabdenkmals erfolgte am 2. Mai 1880, wozu Clara Schumann sich vom 30. April bis zum 5. Mai in Bonn aufhielt, wiederum mit einigen ihrer Kinder.

Letzter Besuch in Bonn im September 1890

Zuletzt kam Clara Schumann im September 1890 nach Bonn, um Freunde in Bonn und Godesberg zu besuchen. Nach Ihrem Tod am 20. Mai 1896 in Frankfurt, wurde Clara Schumann, wie sie es sich immer gewünscht und festgelegt hatte, nach Bonn überführt und am 23. Mai 1896 an der Seite ihres Mannes unter dem vor 16 Jahren aufgestellten neuen Grabdenkmal auf dem Alten Friedhof begraben.

„Dauerhaft erinnern Exponate im Stadtmuseum Bonn, im Stadtarchiv Bonn sowie zwei kleine mit Stücken aus dem Stadtmuseum als Gedenkräume eingerichtete Patientenzimmer im Schumannhaus an das Musikerehepaar“, berichtete Ashok Sridharan weiter. „Seit 1998 würdigt jährlich das Schumannfest das künstlerische Schaffen von Robert und Clara Schumann. 2005 wurde das Stadtmuseum Bonn vom damaligen Staatsminister für Kultur und Medien mit der Projektleitung des alle nationalen und internationalen Einrichtungen und Veranstalter einschließenden Schumann-Netzwerks beauftragt.“

40 Jahre nach ihrem Mann verstorben

Mit der Grabstätte auf dem Alten Friedhof besitzt die Stadt Bonn sicher das weltweit einzige Grabmal, und dazu ein besonders schönes, von Clara Schumann inspiriertes, in dem ein weltweit berühmtes Künstlerehepaar seine letzte Ruhe gefunden hat. Als Clara Schumann fast 40 Jahre nach ihrem Mann starb, war sie die berühmteste Pianistin Europas, eine umjubelte Legende mit einer unglaublichen 60-jährigen Bühnenkarriere.

***
Stadt Bonn