Bonn – Pflege: Stadt Bonn setzt auf vernetzte Nachbarschaften

Mittelrhein-Tageblatt - Deutsches Tageblatt - News - Bonn -Bonn – Pflege: NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann und Oberbürgermeister Ashok Sridharan diskutieren auf Einladung des Bündnisses für Fachkräfte Bonn/Rhein-Sieg darüber, was die Stadt Bonn beim Thema Pflege aufgestellt ist und wie Zuwanderung von Fachkräften erleichtert werden kann.

Das Bündnis für Fachkräfte Bonn Rhein-Sieg als Veranstalterin der Aktionswoche „Perspektive langes Leben“ hatte gemeinsam mit der DRK Schwesternschaft Bonn zum Fachaustausch eingeladen. Oberbürgermeister Ashok Sridharan begrüßte die Gäste als erster Bürger der Stadt, aber auch als Verantwortlicher für die Daseinsvorsorge in der Stadt. In Bonn wird ein Zuwachs der Menschen, die 65 Jahre und älter sind, von derzeit rund 59.000 auf etwa 75.000 bis zum Jahr 2030 erwartet. Dies bringt auch für die Bundesstadt Herausforderungen im Bereich Pflege mit sich.

Sridharan wies darauf hin, dass es neben den sehr guten stationären Einrichtungen auch sehr auf die Angebote rund um den unmittelbaren Wohnort ankomme. „Sehr gute Erfahrungen machen wir mit dem Quartiersmanagement in mittlerweile fünf Stadteilen und bauen dieses Angebot der vernetzten Nachbarschaften auch weiter aus. Die Vielzahl weiterer Unterstützungsangebote im Bedarfsfall koordiniert die Bonner Altenhilfe mit hoher Professionalität“, beschreibt OB Sridharan beispielhafte Aktivitäten der Stadt Bonn.

Aber auch in den städtischen Einrichtungen sind Pflegefachkräfte immer wieder händeringend gesucht. „Eine Möglichkeit dem Fachkräftemangel zu begegnen ist die gezielte Anwerbung von ausländischen Fachkräften“, erläutert Martina Schönborn-Waldorf für das Bündnis für Fachkräfte die Motivation, dem Thema einen Fachdiskurs im Rahmen der Aktionswoche zu widmen. Dabei komme es sehr darauf an, dass die Anwerbeländer auch in der Lage sind, Fachkräfte „abzugeben“ genauso wie darauf, die ankommenden Menschen gut zu integrieren und nicht ausschließlich deren Arbeitskraft in den Mittelpunkt zu stellen.

Am Gelingen dieser Form der Fachkräftegewinnung für die Pflege hat in den vergangenen Monaten eine Arbeitsgruppe der „Konzertierten Aktion“ der Bundesregierung gearbeitet. Karl Josef Laumann war unmittelbar Beteiligter und hat nun als NRW-Arbeitsminister die Aufgabe, die erarbeiteten Vorschläge für Nordrhein-Westfalen umzusetzen. „Der Fachkräftemangel in den Pflegeberufen ist eine unserer größten politischen Herausforderungen. Schon heute fehlen allein in NRW etwa 10.000 Pflegekräfte – und ohne eine gewaltige Kraftanstrengung aller Beteiligten wird die Lücke noch größer werden. Deshalb müssen wir die Attraktivität des Pflegeberufs erhöhen: Durch stärkere Mitbestimmung, eine hochwertige Ausbildung und auch mit einer vereinfachten Anerkennung ausländischer Abschlüsse können wir den Mangel lindern. Ich setze mich mit aller Kraft für dieses Zukunftsthema ein“, so Laumann.

Sehr praktisch wurden die politischen Statements durch das Beispiel des Universitätsklinikums Bonn (UKB) untermauert. Mit dem Projekt „Triple-Win“, das gemeinsam mit der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und der zentralen Auslandsvermittlung der Bundesarbeitsagentur (ZAV) seit vier Jahren umgesetzt wird, werden bis Ende dieses Jahres 400 Pflegefachkräfte aus dem europäischen und nicht-europäischen Ausland ihre Berufsanerkennung am UKB erhalten haben. Das Besondere am Projekt: Es wird nur dort akquiriert, wo ein Überschuss an Fachkräften besteht und es wird ganz besonders auf die Integration der Fachkräfte in Bonn – in beruflicher wie privaten Hinsicht – geachtet und die Menschen dabei auch aktiv unterstützt. OB Sridharan betonte, dass Bonn eine offene und bunte Stadt sei: „Wenn es uns gelingt, international Pflegefachkräfte für unseren Arbeitsmarkt zu gewinnen, dann bin ich zuversichtlich, dass diese in unserer Stadt nicht nur eine berufliche Heimat finden werden, sondern in jeder Weise herzlich willkommen sind.“

Dass dies eine große Herausforderung für alle Beteiligten ist, wurde in der anschließenden Diskussion mit Dr. Frauke Hartung, Oberin der DRK Schwesternschaft Bonn e.V., und dem Pflegedirektor des UKB, Alexander Pröbstl, sehr deutlich. Perspektivisch soll das Projekt „Triple-Win“ für andere Einrichtungen der Kranken- und Altenpflege zugänglich werden. Die Erweiterung des Projektes setzt dabei auch auf die Unterstützung durch den Landesarbeitsminister. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sahen sich am Ende bestätigt, auch zukünftig eng zusammen zu arbeiten und im Bündnis für Fachkräfte gemäß dem Motto der Institution „gemeinsam für Lösungen“ zu sorgen.

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Stadt Bonn