Bonn – Sechs Szenarien für die künftige Struktur der Gebäude des Theaters Bonn

Stadt-News-Bonn-und-NRW-News-aus-Bonn-Aktuell-Bonn – Um die Frage, ob eine Instandsetzung des Theaters – Opernhaus und Schauspielhaus – oder ein Neubau wirtschaftlicher wäre, geht es ab 4. Oktober 2018 in den Ratsgremien der Stadt und in der Öffentlichkeit. Die Verwaltung präsentiert an diesem Tag dem Kulturausschuss ein Gutachten der actori GmbH, in dem diese Frage untersucht wurde – und stößt damit die Diskussion um die künftigen Strukturen der Gebäude des Theaters Bonn an.

Sechs Szenarien, davon vier Neubauszenarien, stehen dabei im Raum. Die angegebenen Kosten geben die prognostizierten Gesamtkosten des jeweiligen Szenarios wieder. Dazu gehören die investiven und konsumtiven Baukosten, die Kosten für die Interimsphase sowie Einsparungen im Betrieb infolge einer verbesserten baulichen Infrastruktur.

1. Instandsetzung und damit Erhalt der etablierten Gebäude des Theaters Bonn bei laufendem Spielbetrieb: 137 Millionen Euro

2. Instandsetzung mit einer Interimsspielstätte als Ersatzspielstätte: Instandsetzung und damit Erhalt der etablierten Gebäude des Theaters Bonn – Verlagerung des Spielbetriebs während der Baumaßnahmen in eine Interimsspielstätte: 130 Millionen Euro (einschl. Interimsspielstätte)

3. Neubau Mehrspartenhaus in Bonn-Bad Godesberg: Zusammenlegung von Oper und Schauspiel am Standort der Stadthalle Bad Godesberg. Neubau einer zeitgemäßen Theaterinfrastruktur inklusive räumlicher Möglichkeit der Tagesnutzung/-öffnung und großzügiger Educationbereich: 151 Millionen Euro

4. Neubau Opernhaus mit Interimsspielstätte: Neubau eines Einspartenhauses am Standort der jetzigen Oper. Möglichkeit der Tagesnutzung/-öffnung und großzügige Educationbereich durch zeitgemäße Theaterinfrastruktur. Instandsetzung des Schauspielhauses in Bad Godesberg: 161 Millionen Euro (einschl. Interimsspielstätte)

5. Neubau Mehrspartenhaus mit Interimsspielstätte: Zusammenlegung der Sparten Oper und Schauspiel am Standort der jetzigen Oper. Neubau einer zeitgemäßen Theaterinfrastruktur inklusive räumlicher Möglichkeit der Tagesnutzung/-öffnung und großzügiger Educationbereich: 169 Millionen Euro (einschl. Interimsspielstätte)

6. „Beethoven-Campus“: Neubau eines Mehrspartenhauses auf der Freifläche vor der Beethovenhalle. Der Neubau beherbergt nicht nur Oper und Schauspiel, sondern auch weitere Partner und Akteure aus Bonns Kulturszene. Zeitgemäße Theaterinfrastruktur mit Möglichkeit der Tagesnutzung/-öffnung sowie großzügiger Educationbereich: 149 Millionen Euro

Finanziell zeigt sich, dass die Instandsetzungsvarianten in der Gesamtbetrachtung kaum günstiger sind als die Neubauszenarien. In das Gutachten sind allerdings nicht nur finanzielle Aspekte eingeflossen, sondern auch nicht-monetäre Faktoren und Risiken, die eine Realisierung erschweren oder gar verhindern könnten; zum Beispiel die zeitliche Realisierbarkeit, Denkmalschutz (Stadthalle Bad Godesberg) oder Urheberrechte (Standort Beethovenhalle) und Standortattraktivität, aber auch schwer kalkulierbare Faktoren wie die Verfügbarkeit von Handwerkern.

Das vorläufige Fazit: Die Instandsetzungsszenarien 1 (ohne Interim) und 2 (mit Interim) der bestehen Gebäude sind kostengünstiger als die Neubauvarianten, schneiden aber bei den nicht-monetären Betrachtungen schlechter ab. Hält man an den bestehenden Bauten fest, ist der Instandsetzung bei geschlossenem Haus der Vorzug zu geben; der Spielbetrieb fände vorübergehend in einer Ersatzspielstätte statt. Die Arbeiten bei laufendem Betrieb, also nur in der Sommerpause, auszuführen, bergen zu viele zeitliche Risiken.

Das Szenario 6 („Beethoven-Campus“) ist die preisgünstigste Neubauvariante, allerdings gibt es mit Urheberrechts- und Denkmalschutzfragen hohe Risiken.

Das geringste Risiko stellt das Szenario 4 dar (Einspartenhaus am jetzigen Standort der Oper). Es ist aber teurer als die Neubauvarianten 3 (Mehrspartenhaus an Stelle Stadthalle Bad Godesberg) und 6 („Beethoven-Campus“)

OB Sridharan: „Das wird eine hoffentlich sachliche Diskussion“

„Das wird eine spannendende und hoffentlich sachliche Diskussion“, so Oberbürgermeister Ashok Sridharan. „Es gilt, sehr viele Aspekte zu berücksichtigen, die keineswegs nur auf die Finanzen beschränkt sind.“

Die Stadt schlägt für die anstehende Diskussion eine Bürgerbeteiligung vor, deren Einzelheiten noch festzulegen sind. OB Sridharan: „Ein solches Vorhaben braucht Akzeptanz, weil es eine weitere sehr große Investition bedeutet.“ Den Bürgerinnen und Bürgern sollen Eckpunkte zur Orientierung vorgegeben werden. In deren Rahmen können Entscheidungen vorbereitet werden, die sowohl kulturpolitische als auch haushaltsrechtliche Auswirkungen haben. Die Kosten belaufen sich nach Angaben der Stadtverwaltung – je nach Ausgestaltung der Bürgerbeteiligung – auf 80.000 bis 200.000 Euro.

Ein entsprechender Vorschlag für den Rat und seine Gremien soll vorbereitet werden.

Zum Hintergrund

Die Verwaltung hatte dem Rat zur dauerhaften Sicherung der Spielfähigkeit des Theaters die Instandsetzung der Spielstätten vorgeschlagen (DS-Nr.: 1712586NV2), worauf der Rat mit Beschluss vom 9. November 2017 (DS-Nr.: 1712586EB12) die Verwaltung beauftragt hatte, die Wirtschaftlichkeit einer Instandsetzung des Theaters Bonn sowie eines evtl. Neubaus zu überprüfen.

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Herausgeber: Der Oberbürgermeister der Bundesstadt Bonn, Presseamt, Stadthaus, Berliner Platz 2, 53111 Bonn