Dortmund – Schriftstellerin Kamila Shamsie erhält den Nelly-Sachs-Preis 2019 der Stadt Dortmund

Mittelrhein-Tageblatt - Deutsches Tageblatt - News - Dortmund -Dortmund – Die pakistanisch-britische Autorin Kamila Shamsie wird in diesem Jahr den Nelly-Sachs-Preis der Stadt Dortmund erhalten.

Die Entscheidung über die Vergabe des mit 15.000 Euro dotierten Preises fiel am vergangenen Freitag in der Jury-Sitzung. In Anlehnung an den Geburtstag von Nelly Sachs wird der Preis am 8. Dezember in einem Festakt im Dortmunder Rathaus verliehen. Kamila Shamsie hat die Nachricht erfreut entgegengenommen und beabsichtigt, zur Verleihung nach Dortmund zu kommen.

Mit dem nach Nelly Sachs benannten Literaturpreis ehrt und fördert die Stadt Dortmund alle zwei Jahre Persönlichkeiten, die herausragende schöpferische Leistungen auf dem Gebiet des literarischen und geistigen Lebens hervorbringen und zur Verbesserung der kulturellen Beziehungen zwischen den Völkern beitragen. Die Preisträgerinnen und Preisträger stehen für Toleranz, Respekt und Versöhnung und leben diese Werte in einer globalisierten Gesellschaft, in der sie sich für ein friedliches Zusammenleben einsetzen.

Erste Preisträgerin war 1961 die Namensgeberin Nelly Sachs. Später ging der Preis u.a. an Nadine Gordimer (1985), Milan Kundera (1987), Christa Wolf (1999), Per Olov Enquist (2003) und Rafik Schami (2007), Abbas Khider (2013) und Marie N’Diaye (2015). Der Preis wird seit 2015 alternierend an Männer und Frauen vergeben.

Kamila Shamsie wurde 1973 in Karatschi, Pakistan, geboren und lebt im Wechsel in London und Karatschi. Sie schreibt regelmäßig für den Guardian und erhielt für ihr literarisches Werk zahlreiche Preise, u.a. wurde sie 2013 als „Granta Best of Young British Novelists“ ausgezeichnet.

Die in Pakistan, Indien und Großbritannien bereits prominente Autorin wird auch dem deutschen Publikum immer bekannter. In deutscher Sprache erschienen von ihr bisher die Werke „Kartographie“ (2004), „Verbrannte Verse“ (2005), „Salz und Safran“ (2006), „Verglühte Schatten“ (2009) und „Die Straße der Geschichtenerzähler“ (2015).

Aus der Begründung der Jury:

„Mit Kamila Shamsie wird eine Schriftstellerin geehrt, deren Romane auf vielfache Weise Brücken schlagen: Stets sind ihre Figuren in einem geographischen und kulturellen Dazwischen angesiedelt. Stets auch geht Shamsie dem fragilen Charakter von Herkunft, Identität und Weltbildern nach. In ihren in Zeit und Raum oft episch ausgreifenden Romanen ist Identität niemals ein fixes Konstrukt. Im Gegenteil, immer sind die Biographien ihrer Protagonisten mit mehr als nur einem Land, einem Kontinent verknüpft. Zugleich lassen ihre Figuren uns hautnah begreifen, wie ein Leben zufällig, aber unausweichlich in den Sog der Geschichte geraten kann – und damit in den Sog von Kräften, die größer und weitreichender sind als das Individuum selbst.

Japan nach den Atombombenexplosionen von Hiroshima und Nagasaki; Indien und Pakistan im Moment ihrer Entstehung 1947; das von den Taliban heimgesuchte Afghanistan: Das sind beispielsweise die kunstvoll miteinander verknüpften Schauplätze in ihrem Werk „Verglühte Schatten“. In „Hausbrand“, Shamsies aktuellem Roman, wird wie in einer antiken Tragödie eine ganze Familie in Sippenhaft genommen für die ideologische Verfehlung eines jungen Briten pakistanischer Herkunft, der sich dem IS in Syrien angeschlossen hatte und dies alsbald bereut.

Eindrücklich schildert Kamila Shamsie die Suche ihrer Figuren nach einem Ort, an dem sie zuhause sein können. Und sie fragt, wie Loyalität und Zugehörigkeit möglich sind, wenn man von der Gesellschaft geächtet wird – einzig, weil man vielfältige Bindungen hat, die sich nicht immer leicht miteinander verknüpfen lassen. Ihre in so eingängiger wie anschaulicher Sprache verfassten Romane sind deshalb Lektüre von brennender Dringlichkeit.“

Zur Jury unter dem Vorsitz von Bürgermeisterin Birgit Jörder gehören folgende Fachpreisrichterinnen und -preisrichter:

Dr. Kersten Knipp (Kulturjournalist und Moderator),
Ursula März (Literaturkritikerin, Autorin und Kulturjournalistin),
Claudia Kramatschek (Literaturkritikerin, Autorin, Kulturjournalistin),
Jörg Stüdemann (Stadtdirektor, Kulturdezernent der Stadt Dortmund),
Dr. Johannes Borbach-Jaene (Leiter der Stadt- und Landesbibliothek Dortmund).

Sachpreisrichterinnen und -richter: Bürgermeisterin Birgit Jörder, Barbara Brunsig, Brigitte Thiel und Joachim Pohlmann (Ratsmitglieder).

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Pressestelle der Stadt Dortmund, Friedensplatz 1, 44122 Dortmund, Frank Bußmann (verantwortlich)