Düsseldorf – Brandübung der Feuerwehr im Autobahntunnel Wersten

38 Einsatzkräfte probten den Ernstfall und überprüften die bestehenden Konzepte zur Bekämpfung von Bränden in Straßentunneln.

Stadt-News-Bonn-und-NRW-News-aus-Düsseldorf-Aktuell-Düsseldorf – Wie komplex und herausfordernd die Bekämpfung von Bränden in Straßentunneln sein kann, ist spätestens seit dem verheerenden Feuer im Sankt Gotthard Tunnel im Oktober 2001 bekannt. In Düsseldorf gab es in den Folgejahren immer wieder vereinzelt Brände in Straßentunneln, bei denen bisher keine Verletzten zu beklagen waren. Daraus wurde 2014 der Einsatzplan zur Bekämpfung von Bränden in Straßentunneln etabliert. Um das bestehende Konzept realistisch zu überprüfen, konnten am Sonntag, 15. September, die Feuerwehr Düsseldorf zusammen mit Straßen NRW, eine Großübung in den beiden Röhren des Autobahntunnel Wersten der Bundesautobahn 46 absolvieren.

Das Szenario: Brand und dichter Rauch im Tunnel

„Es hat einen Verkehrsunfall mit Verletzten gegeben und der Unfallwagen brennt“ – so lautet die Meldung eines Anrufers zum Start der Übung bei der Leitstelle der Feuerwehr Düsseldorf. Sofort setzt der Disponent die Einsatzkräfte der Feuerwachen Werstener Feld, Hüttenstraße und Posener Straße in Bewegung. Bereits bei der Einfahrt in den Tunnel ist der dichte Rauch zu erkennen – weiter vorne sind Flammen zu sehen. Um möglichst schnell den Brand zu lokalisieren, fahren die Löschzüge direkt beide Tunnelröhren an. Die Einsatzkräfte haben die Atemschutzgeräte schon auf der Fahrt zum Schadensort im Löschfahrzeug angelegt, damit beim Erreichen des Unfalls sofort mit den Löschmaßnahmen begonnen werden kann. Anders als bei Bränden in Gebäuden – bei denen die Rettung von Menschen vor der Bekämpfung der Flammen im Vordergrund steht – müssen die Einsatzkräfte bei Feuer im Tunnel parallel zur Menschenrettung, sofort mit dem Löschen beginnen.

„Die Hitze und der Rauch sammeln sich oben im Tunnel und ziehen nicht wie bei einem Brand im Freien in den Himmel ab“, erklärt der Übungsleiter des Tages, Jörg Heuser, von der Feuerwehr Düsseldorf. Er ist bereits seit vielen Jahren zusammen mit seinem Team für die Erstellung der Einsatzpläne und Koordinierung der Großübungen bei der Düsseldorfer Wehr zuständig. „Es kommt schnell zu einem enormen Temperaturanstieg. In einigen Fällen kann es sogar zum Feuerübersprung auf benachbarte Fahrzeuge kommen und zu Beschädigungen der Grundstruktur des Bauwerks Tunnel führen“, erläutert der 47-jährige Brandrat. „Nur wenn der Brand schnell gelöscht wird, verhindern wir, dass weitere giftige Brandgase entstehen und Tunnelstrukturen herabstürzen, die Menschen sowie Einsatzkräfte verletzten können.“

Obwohl bei einem Brand die Fahrzeuginsassen den Tunnel über die Notausgänge sofort verlassen müssen, kontrolliert die Feuerwehr den Bereich zeitgleich mit den ersten Löschmaßnahmen an der Unfallstelle. Der Brandrauch breitet sich so schnell aus, dass ein in Sicherheit bringen oftmals nicht mehr möglich ist. Meist sind es nur wenige Meter bis zur rettenden Tür, doch immer wieder fühlen die Menschen sich in den Fahrzeugen zu sicher oder versuchen sogar mit dem Fahrzeug zu drehen und versperren damit die Wege für die anrückenden Rettungskräfte.

Diesmal treffen die ersten Einsatzkräfte bereits nach wenigen Minuten an der Unfallstelle ein. Während die Löschmaßnahmen begonnen werden, bringen die Einheiten aus der entgegengesetzten Tunnelröhre insgesamt drei Verletzte aus dem verrauchten Bereich in die sichere Nachbarröhre. Die Notfallsanitäter des Rettungswagens kümmern sich um die Verletzten – diesmal ist es nur eine Übung und nachher sind alle wieder wohl auf. Der Brand im Motorraum eines Pkw kann mit den Löschrohren der Feuerwehr schnell unter Kontrolle gebracht werden. Zeitgleich ziehen die Rauchschwaden aus dem Tunnel ab. Im Hintergrund laufen mit der Alarmierung der Feuerwehr auch die Lüftungssysteme der modernen Tunnelanlagen an, um für die Menschen sowie die Einsatzkräfte für eine freie Sicht zu sorgen.

„Auch wenn es sich hier nur um eine Übung handelte, haben alle Beteiligten ihre Aufgabe ernst genommen, sind konzentriert vorgegangen und vollokommen richtig gehandelt“, lobt Einsatzleiter Thomas Hußmann die 38 Einsatzkräfte von Feuerwehr und Rettungsdienst im Anschluss an die Großübung. „Dank des sehr realistischen Szenarios und der regelmäßigen Schulungen des Einsatzpersonals, konnten wir bereits nach wenigen Minuten die Verletzten im verrauchen Tunnel finden und gleichzeitig das Feuer unter Kontrolle bringen“, führt der 58-jährige Oberbrandrat aus.

Düsseldorfer Feuerwehr ist für neun Tunnel zuständig

Die Feuerwehr Düsseldorf ist im Stadtgebiet und auf den Autobahnen für neun Tunnelanlage mit insgesamt 18 Röhren zuständig oder arbeitet städteübergreifend mit den umliegenden Feuerwehren in einigen Fällen zusammen. Der Autobahntunnel Wersten ist insgesamt 800 Meter lang und verfügt über eine Brandmeldeanlage, die sofort bei der Feuerwehr Alarm schlägt. Daraufhin veranlassen die Mitarbeiter in der Tunnelleitzentrale von Straßen NRW die Sperrung beider Tunnelröhren über die Lichtzeichenanlagen sowie die Sperrschranken. Automatisch fährt die Lüftungsanlage die Leistung hoch, damit der giftige Qualm schneller aus dem Gebäude geführt wird. So haben nicht nur die anrückenden Feuerwehrleute eine verbesserte Sicht auf die Brandstelle und kommen schneller voran, sondern die Menschen im Tunnel haben mehr Zeit sich in Sicherheit bringen. Dank der über viele Jahre laufenden, guten Zusammenarbeit zwischen dem Tunnelbetreiber Straßen NRW und der Feuerwehr Düsseldorf, werden bereits auf der Anfahrt entscheidende Informationen für den Feuerwehreinsatz und vor allem für die Rettung der Menschen im Tunnel durch die Tunnelleitzentrale mitgeteilt und an die Einsatzkräfte weitergegeben.

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Text: Michael Buch