Düsseldorf – Filmmuseum: „Schatten der Vergangenheit“ – In der Filmreihe zeigt die BlackBox sieben aktuelle und preisgekrönte Spiel- und Dokumentarfilme, die sich mit den Jahren der Diaktatur in Chile und Argentinien beschäftigen

Stadt-News-Bonn-und-NRW-News-aus-Düsseldorf-Aktuell-Düsseldorf – Filmmuseum: Dem Pinochet-Regime in Chile (1973-1990) und der Militär-Diktatur in Argentinien (1976-1983) sind Tausende zum Opfer gefallen, darunter zahlreiche heimlich entführte und ermordete „desapericidos“, deren Schicksal bis heute ungeklärt ist. Die Aufarbeitung dieser dunklen Jahre ist ein schmerzhafter und schleppender Prozess, der längst noch nicht abgeschlossen ist. In der Filmreihe „Schatten der Vergangenheit“ von Mittwoch, 6. Juni, bis Sonntag, 24. Juni, zeigt die BlackBox des Filmmuseums Düsseldorf, Schulstraße 4, sieben aktuelle und preisgekrönte Spiel- und Dokumentarfilme aus Argentinien und Chile, die sich dem Vergessen entgegenstellen und jenseits der „gran historia“ oft persönliche Geschichten aus dem Alltag der Diktatur erzählen, manchmal auch die eigene Zerrissenheit im Umgang mit der traumatischen Vergangenheit dokumentieren und als kollektive Erinnerungsstücke so auch zur Identität der heutigen Demokratien beitragen.

„El Premio“ von Paula Markovitch erzählt aus kindlicher Perspektive vom Aufwachsen in Zeiten der Unterdrückung und Verfolgung, von zerbrechenden Freundschaften und dem Verlust der eigenen Unbeschwertheit. Noch persönlicher ist der Dokumentarfilm „El Pacto de Adriana“ – das Ergebnis einer jahrelangen Recherche der Regisseurin Lissette Orozco über die Arbeit ihrer mittlerweile nach Australien geflohenen Tante für die chilenische Geheimpolizei DINA und zugleich eine emotionale Reflektion zu Fragen des Selbstbetrugs und der moralischen Standhaftigkeit. „Nostalgia de la Luz“ ist ein dokumentarischer Essay mit philosophischer Tiefe, der mit fantastischen Bildern von der Atacama Wüste und des chilenischen Sternenhimmels die Erforschung des Ursprungs des Universums mit der Suche nach den „verschwundenen“ Opfern Pinochets verknüpft.

Dass ein brutales Regime letztlich von den moralischen Grauzonen im Großen wie auch im Kleinen lebt, zeigen anschaulich der packende Thriller „El Clan“ über eine auf Entführungen spezialisierte Familie und „La Mirada invisible“, der mit bestechender formaler Präzision das Phänomen vorauseilenden Gehorsams am Beispiel einer jungen Schulangestellten beschreibt. Der Oscarprämierte „El Secreto del sus Ojos“ – ein Mix aus Thriller und Liebesgeschichte – stellt vor allem elementare Fragen nach Schuld, Strafe und Gerechtigkeit. Pablo Larraíns Film „No!“ über die Werbekampagne, welche dem Pinochet-Regime ein unverhofftes demokratisches Ende bereitete, verwischt nicht nur geschickt die Grenzen zwischen Zeitdokument und Fiktion, sondern fängt in regenbogenbunten Bildern den Aufbruch in eine bessere Zukunft ein.

Filmprogramm im Überblick

Mittwoch, 6. Juni, 20 Uhr
„El Pacto de Adriana“
CHI 2017, 96 Min., OmU, digitalDCP, FSK 16. Regie und Kamera: Lissette Orozco; Darsteller: Adriana Rivas, Lissette Orozco
2007 wird die selbstbewusste Adriana, die mittlerweile in Australien lebt, bei einem Familienbesuch in Chile festgenommen. Der Vorwurf: Sie soll während der Militärdiktatur für Pinochets skrupellose Geheimpolizei DINA gearbeitet haben. Adriana, die alle Vorwürfe bestreitet, aber dennoch 2011 vor einem drohenden Prozess aus Chile flieht, bittet ihre Nichte, alte Kolleginnen zu befragen, um so ihre Unschuld zu beweisen.

Freitag, 8. Juni, 21 Uhr und Samstag, 16. Juni, 19 Uhr
„El Clan“
ARG/E 2015, 108 Min., OmU, digitalDCP, FSK 16. Regie und Drehbuch: Pablo Trapero; Kamera: Julián Apezteguia; Darsteller: Guillermo Francella, Peter Lanzani, Lili Popovich u.a.

Argentinien in den frühen 1980er-Jahren: Die Puccios leben in einem gutbürgerlichen Stadtteil von Buenos Aires, nach außen wirken sie wie eine ganz normale Großfamilie. Doch der Schein trügt. Im Verborgenen führt Patriarch Arquímedes Puccio mit harter Hand die Geschäfte der Familie, dunkle Machenschaften mit grausamen Methoden: Kidnapping, Lösegelderpressung, Mord. Hinter der Planung und der Umsetzung sämtlicher Operationen steckt Arquímedes. Dafür ist er vor allem auf die bedingungslose Unterstützung seines ältesten Sohnes Alejandro angewiesen, der für ihn geeignete Opfer ausfindig macht.

Samstag, 9. Juni, 19 Uhr und Mittwoch, 13. Juni, 20 Uhr
„El Premio“ – „The Prize“
MEX/FR/POL/GER 2011, 115 Min., OmU, digitalDCP, ab 18 Jahren. Regie und Drehbuch: Paula
Markovitch; Kamera: Wojciech Staron; Darsteller: Paula Galinelli Hertzog, Laura Agorreca, Viviana Suraniti
u.a.

Ceci ist ein siebenjähriges, argentinisches Mädchen, das ein großes Geheimnis mit sich trägt. Noch begreift das kleine Mädchen selbst nicht ganz, worum es sich bei dem Geheimnis handelt. Aber eines weiß sie: Das Leben ihrer Familie hängt von ihrem Stillschweigen ab. Doch worüber soll Ceci eigentlich schweigen? Ceci und ihre Familie leben in Argentinien versteckt vor dem faschistischen Regime und dem Militär.

Samstag, 9. Juni, 21.15 Uhr
„No!“
CHI 2012, 118 Min., OmU, digitalDCP, FSK 6. Regie: Pablo Larraín; Drehbuch: Pablo Larraín nach einer Vorlage von Antonio Skármeta; Kamera: Sergio Armstrong; Darsteller: Gael García Bernal, Alfredo Castro, Luis Gnecco u.a.

Chile, 1988. Diktator Pinochet lässt eine Volksabstimmung über die Fortführung seiner Präsidentschaft durchführen. Alle Prognosen sagen den Sieg Pinochets voraus, der Staat und Medien mit eiserner Hand kontrolliert. In dieser fast aussichtslosen Situation engagieren die Führer der Opposition den jungen Werbefachmann René Saavedra, obwohl der bisher mehr mit der Werbung von Erfrischungsgetränken als mit Öffentlichkeitsarbeit in der Politik zu tun hatte.

Sonntag 10. Juni 15 Uhr und Sonntag, 17. Juni, 15 Uhr
„Nostalgia de la Luz“ – „Heimweh nach den Sternen“
CHI 2010, 90 Min., OmU, 35mm, FSK 12. Regie und Drehbuch: Patricio Guzmán, Kamera: Katell Djian;
Darsteller: Gaspar Galaz, Luis Henríquez, Miguel Lawner u.a.

Mit phantastischen Bildern der Wüste und des Sternenhimmels in Chile schafft der Film einen Kontrast zwischen der Suche nach dem Ursprung des Universums mit gigantischen astronomischen Observatorien und den Familien der Opfer Pinochets, die nur einen Steinwurf entfernt mit bloßen Händen nach den Körpern ihrer „Verschwundenen“ graben. In Santiago, der Hauptstadt, strebt die Regierung derweil nach Reichtum und wirtschaftlichem Erfolg, vergisst dabei aber die Vergangenheit Chiles.

Freitag, 22. Juni, 21 Uhr und Sonntag, 24. Juni, 15 Uhr
„La Mirada invisible“ – „Der unsichtbare Blick“
ARG·FR·E 2010 · 97 min · OmU · digitalDCP · ab 18
R: Diego Lerman · B: Diego Lerman, María Meira nach einer Vorlage von Martín Kohan · K: Álvaro Gutiérrez · D: Julieta Zylberberg, Ailín Salas, Osmar Núñez u.a.

Diego Lerman erzählt – dem Roman Ciencias morales (Sittenlehre) von Martín Kohan folgend – von einer 23-jährigen Schulangestellten, die zur Zeit der Diktatur in Argentinien als Aufseherin für Ordnung sorgen muss und dabei zu einer Beobachtenden, Spähenden wird. Sie will alles richtig und korrekt machen, sollte neutral und streng sein, gleichzeitig lebt sie nicht ohne Empfindungen und Emotionen.

Sonntag, 24. Juni, 17.30 Uhr
„El Secreto del sus Ojos“ – „In Ihren Augen“
ARG 2009, 129 Min., OmU, digitalDCP, FSK 12. Regie: Juan José Campanella; Drehbuch: Juan José Campanella, Eduardo Sacheri nach einer Vorlage von Eduardo Sacheri; Kamera: Félix Monti; Darsteller: Ricardo Darín, Soledad Villamil, Guillermo Francella u.a.

Buenos Aires, 2000. Der pensionierte Justizbeamte Benjamín Esposito (Ricardo Darín) arbeitet an einem Roman, für den er einen unaufgeklärten Mordfall aus der Zeit kurz vor dem Militärputsch von 1974 wieder aufrollt. Damals wurde eine Frau brutal vergewaltigt und ermordet. Die gemeinsame Recherche mit der Richterin Irene (Soledad Villamil), mit der er bereits damals zusammen arbeitete, wird zur schmerzhaften Auseinandersetzung mit der Vergangenheit.

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Text: Valentina Meissner