Ratingen – Information der Türkisch-Islamischen DITIB-Gemeinde Ratingen

Mittelrhein-Tageblatt - Deutsches Tageblatt - News - Ratingen -Ratingen – Am Freitag, 24. April, fängt der Fastenmonat Ramadan an und es gehört sich, ihn in der Gemeinschaft zu erleben.

Aber Zusammenkünfte sind bis jetzt nicht erlaubt.

Was rät die Moschee ihren Gläubigen, wie sie dieses Jahr die heiligen Tage gestalten sollen?

Wie alle gottesdienstlichen Handlungen, besitzt auch der Fastenmonat Ramadan in der Gemeinschaft eine wesentlich höhere Wertigkeit. Deshalb ist es auch für uns umso schwerer, diesen segensreichen Fastenmonat nicht in der Gemeinschaft verbringen zu können. Da die Gesundheit auch im Islam immer im Vordergrund steht, noch vor den vorgeschriebenen Gottesdiensten, werden wir Muslime dieses Jahr den Fastenmonat Ramadan nur im engsten Familienkreis verbringen. Zumindest können wir den Pflichtteil –

wie das Fasten und die dazugehörigen Gebete – während der Fastenzeit auch zu Hause

mit der Familie zusammen verrichten. Die Gemeinschaftlichen Gottesdienste in den Moscheen während des Fastenmonats sind eine sehr nützliche soziale Komponente im Islam, auf die wir aber dieses Jahr zugunsten unserer Gesundheit leider verzichten müssen.

Alle gottesdienstlichen Handlungen, die wir sonst immer in der Gemeinschaft verrichtet haben (Fasten, Gebete verrichten, Qur´an rezitieren), sind unter diesen Umständen auch zu Hause möglich. Darüber hinaus empfehlen wir unserer Gemeinde, über die sozialen Medien Kontakte aufrecht zu halten, denn unsere gemeinsame Verantwortung füreinander wird durch die Corona-Krise nicht aufgehoben, sondern von Gott auf eine neue Probe gestellt.

Sollten Gottesdienste und andere religiöse Veranstaltungen wieder erlaubt sein,

wie wird das Zusammenkommen in der Moschee zu Corona-Zeiten organisiert?

Welche Schutzmaßnahmen wird es geben?

Darüber haben wir uns als Gemeindeführung auch schon Gedanken gemacht, wir stehen hinter den Maßnahmen der Regierung und unterstützen diese in vollem Umfang!

Wenn die Gesundheitsbehörde aber irgendwann eine Entwarnung und Lockerung der Maßnahmen anordnet und Kirchen und Moscheen wieder öffnen lässt, werden wir natürlich sehr dankbar dafür sein. Wir gehen aber davon aus, dass die Öffnung der Kirchen und Moscheen zunächst unter Auflagen passieren wird, was wir befürworten werden. Wir haben dafür Notfallpläne erstellt, die wir zusammen mit Gesundheitsamt und Ordnungsamt noch besprechen müssen. Dazu zählen folgende Maßnahmen unsererseits:

1. Anzahl der Moscheebesucher reduzieren und steuern.

2. Mindestabstand von 2 Metern einhalten.

3. Desinfektionsspender an den Eingängen aufstellen.

4. Eintritt nur mit Mund-Nase Schutzmaske.

Zum letzten Punkt ist zu sagen, dass Mitglieder der Moscheegemeinde in den vergangenen Wochen Alltagsmasken genäht haben. Wir haben uns überlegt, wie wir uns in diesen Zeiten engagieren können und wie wir beim Thema Gesundheitsschutz einen Beitrag leisten können. So haben wir beispielsweise mehrere hundert Masken der Stadtverwaltung Ratingen zur Verfügung gestellt.

Wie gestaltet sich Fastenbrechen im privaten Bereich?

Das Fastenbrechen im privaten Bereich ist für uns Muslime nichts Neues, denn nicht alle 30 Fastentage im Monat werden in der Gemeinschaft verbracht, sondern gerne auch zwischendurch im privaten Bereich innerhalb der Familie, weil wir auch die kleinste Gemeinschaft, nämlich die Familie, pflegen und wertschätzen müssen. Es gehört zur Tradition, dass man es sich zum Fastenbrechen gerne gemütlich macht, für jeden sein Lieblingsessen auftischt und die letzten Minuten (Sonnenuntergangszeit ) vor dem Fastenbrechen gemeinsam mit der Familie am Tisch verbringt – mit den Gedanken und Dankbarkeit an Gott für die schönen Gaben.

Gibt der Islam Auskunft, wie ein Muslim sich verhalten soll, wenn die Gesundheit gefährdet ist, auch zum Beispiel bei einer Pandemie?

Im Qur´an selbst und in den Überlieferungen von unserem Propheten Muhammed gibt es viele Beispiele, die die Gesundheit vor Gottesdiensten stellt und auch eine Richtlinie,

sich erst um die eigene Gesundheit zu kümmern und danach seinen Gottespflichten nachzukommen. Auch hat unser Prophet vor 1400 Jahren schon Verhaltensvorschriften ausgegeben, um Pandemie-Krankheiten vorzubeugen und einzugrenzen, indem er folgendes seiner Gemeinde empfahl: „Wenn Ihr von einem Ort oder Land hört, wo eine Epidemie ausgebrochen ist, so meidet dieses Gebiet, und wenn Ihr aber Euch schon in diesem Gebiet befindet, so verlasst dieses Gebiet nicht“. Sowie auch folgendes: „Menschen mit ansteckender Krankheit sollen die gesunden Menschen und die Öffentlichkeit meiden“.

Kranke Menschen oder Schwangere müssen nicht fasten. Ist der Personenkreis größer geworden, für die es jetzt Ausnahmeregelungen gibt?

Für Kranke, Schwangere oder Reisende gibt es seitens Gott Erleichterungen in Bezug auf gottesdienstliche Handlungen, das heißt, solange man sich in dieser Sonderrolle befindet, ist man in diesem Moment von allen gottesdienstlichen Pflichten befreit. Der Personenkreis ist aber durch die Corona-Pandemie nicht größer geworden. Diejenigen, die an Corona erkrankt sind, gehören sowieso zu dem betroffenen Personenkreis der Kranken. Aber die Personen, die wegen Verdachts in Quarantäne ohne Symptome verweilen, gelten als gesund und können fasten.

Um das Erleben eines Gottesdienstes zu haben, setzen manche muslimische Gemeinden auf Online-Übertragungen. Gibt es das für die Muslime in Ratingen auch?

Unsere gottesdienstlichen Pflichten wie das Gebet oder das Fasten können nicht online in Gemeinschaft vollzogen werden, dazu muss die Gemeinde zusammenkommen und live zusammen beten. Das, was die muslimischen Gemeinden und auch wir in diesen Zeiten versuchen, ist, die gemeinschaftlichen Werte der islamischen Gesellschaft aufrechtzuerhalten. Dies tun wir mit Onlineangeboten wie gemeinsame Konferenzen über Youtube oder Zoom. Das Angebot erstreckt sich über das gemeinsame Qur´an-Rezitieren bis hin zu unseren wöchentlichen Unterhaltungen. Unser wichtigstes Angebot gilt aber unseren Kindern, die nicht mehr zum Qur´an-Unterricht kommen können. Für sie haben wir ebenfalls Onlineangebote mit Aufgaben und Abfragen über die sozialen Medien zusammengestellt.

Wenn es bei den Kontaktbeschränkungen bleibt – wie gestalten die Moschee und die Gläubigen das Ramadan-Fest zum Ende des Fastenmonats?

Falls wir bis zum Ramadanfest in einem Monat immer noch die Kontaktsperre haben sollten, sind wir natürlich an die Vorgaben gebunden und müssen sowohl unser gemeinsames Ramadanfest-Gebet als auch die Feierlichkeiten dazu absagen. Uns bleibt dann nur noch die Möglichkeit, sich über die sozialen Medien auszutauschen.

Kontakt / Impressum

DITIB Türkisch-Islamische Gemeinde zu Ratingen e.V.
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