Wirtschaft – Brexit kommt Finanz- und Autobranche teuer zu stehen

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Brexit kostet Unternehmen in EU27 und UK jährlich 75 Milliarden CHF – Quellenangabe: „obs/Oliver Wyman“

Zürich (CH) – Neuer Oliver Wyman-Report beziffert direkte Kosten des Brexit auf 75 Milliarden Schweizer Franken pro Jahr für Unternehmen in der EU27 und UK. Am stärksten werden die Finanz- und die Autobranche betroffen sein.

Die direkten Kosten des Brexit werden sich für Unternehmen in der EU27 auf 40 Milliarden Schweizer Franken (CHF) und für Unternehmen im Vereinigten Königreich (UK) auf 35 Milliarden CHF belaufen – auch nachdem erste Schritte zur Kostensenkung unternommen wurden. In der EU27 wird die Automobil-branche mit zusätzlichen Kosten in Höhe von zwei Prozent der Bruttowertschöpfung am stärksten betroffen sein, in UK die Finanzdienstleistungsindustrie mit etwa einem Drittel der direkten dort anfallenden Kosten. Das zeigt eine gemeinsame Analyse der Strategieberatung Oliver Wyman und der Anwaltssozietät Clifford Chance. Auch Schweizer Unternehmen müssen sich auf unsichere Zeiten einstellen.

Für die Analyse wurden die Auswirkungen von Zöllen und regulatorischen Hürden berechnet, falls die EU27 und die UK zu einer Handelsbeziehung nach Regeln der Welthandelsorganisation (WTO) zurückkehren. Der Report beziffert die direkten Kosten für Unternehmen in der EU auf 40 Milliarden CHF und in der UK auf 35 Milliarden CHF pro Jahr – unter Berücksichtigung erster Schritte zur Kostensenkung. Der grösste Kostenanteil entsteht durch regulatorische Hürden; dazu zählen etwa Kosten für Zulassungen oder durch erhöhten Zeitaufwand an der Grenze.

In der EU27 wird die Automobilbranche mit zusätzlichen Kosten durch Handelsbarrieren in Höhe von zwei Prozent der Bruttowertschöpfung am stärksten betroffen sein. Auf Länderebene wird es grosse Unterschiede geben. So ist die irische Landwirtschaft in hohem Ausmass von UK-Konsumenten abhängig. In UK wird allein die Finanzdienstleistungsbranche ein Drittel der direkten Kosten tragen müssen. Doch auch andere Branchen mit starker Integration in europäische Supply Chains werden den Brexit zu spüren bekommen – vor allem in den Bereichen Automobil, Luft- und Raumfahrt, Chemie sowie Metall und Bergbau.

Unsichere Zeiten auch für Schweizer Unternehmen

Auch Schweizer Unternehmen müssen sich auf unsichere Zeiten einstellen, weiss Joris D’Incà, Schweizchef von Oliver Wyman: „UK ist ein wichtigster Handelspartner für die Schweiz. Heute basieren die Handelsbeziehungen zwischen den beiden Ländern weitestgehend auf bilateralen EU-Abkommen. Diese sind nach dem Brexit hinfällig.“

Warenexporte aus der Schweiz nach UK beliefen sich 2017 auf 11,3 Milliarden CHF, die Importe aus UK auf 6,1 Milliarden CHF. Damit ist UK der sechstwichtigste Absatzmarkt und der achtgrösste Herkunftsmarkt für die Schweiz. Mit einem Exportvolumen von 4,6 Milliarden CHF gehören Pharmaprodukte zu den meistexportierten Waren nach UK, gefolgt von Schmuck (1,4 Milliarden CHF) und Uhren (1,3 Milliarden CHF).

„Besonders Unternehmen in der Pharma- sowie der Uhren- und Bijouteriebranche müssen sich auf den Brexit vorbereiten“, sagt D’Incà. „Unabhängig von der Unternehmensgrösse und der Branche gilt: Um in unsicheren Zeiten zu navigieren, müssen sich Unternehmen auf unterschiedliche Szenarien einstellen – sowohl strategisch als auch operativ. Gut vorbereitete Unternehmen sichern sich schon jetzt ab und berücksichtigen die Auswirkungen des Brexit auf ihre Supply Chains, Kunden und Wettbewerber.“

Marc Benzler, Partner bei Clifford Chance, sagt: „Wer sich nicht richtig vorbereitet, wird scheitern. Angesichts der Unvorhersehbarkeit der anstehenden Turbulenzen setzen sich viele Unternehmen nicht ausreichend mit dem Thema Brexit auseinander. Doch Unternehmen, die verstehen, wo die Risiken und Chancen des Brexits liegen, können entsprechend planen und die negativen Auswirkungen minimieren.“

Über Oliver Wyman

Oliver Wyman ist eine international führende Strategieberatung mit weltweit über 4.700 Mitarbeitern in mehr als 50 Büros in rund 30 Ländern. Wir verbinden ausgeprägte Branchenexpertise mit hoher Methodenkompetenz bei Digitalisierung, Strategieentwicklung, Risikomanagement, Operations und Transformation. Wir schaffen einen Mehrwert für den Kunden, der seine Investitionen um ein Vielfaches übertrifft. Wir sind eine hundertprozentige Tochter von Marsh & McLennan Companies (NYSE: MMC). Unsere Finanzstärke ist die Basis für Stabilität, Wachstum und Innovationskraft. Weitere Informationen finden Sie unter www.oliverwyman.ch. Folgen Sie Oliver Wyman auf Twitter @OliverWyman.

Über Clifford Chance

Clifford Chance, eine der weltweit führenden Anwaltssozietäten, begleitet ihre Mandanten über Grenzen hinweg weltweit in besonders anspruchsvollen Projekten und Transaktionen. Mit rund 3.400 Rechtsberatern ist die Sozietät in allen wesentlichen Wirtschaftszentren der Welt präsent. In Deutschland berät Clifford Chance namhafte Unternehmen, Investoren und Institutionen umfassend wirtschaftsrechtlich mit rund 300 Rechtsanwälten, Wirtschaftsprüfern, Steuerberatern und Solicitors von den Standorten Düsseldorf, Frankfurt und München aus.

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Oliver Wyman
Maike Wiehmeier
Communications Manager DACH

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