Hannover – Umfangreiches Programm zu 40 Jahren Städtepartnerschaft Hannover Poznan

Mittelrhein-Tageblatt - Deutsches Tageblatt - News - Hannover -Hannover (NI) – Seit 40 Jahren besteht die Städtepartnerschaft Hannover Poznan in diesem Jahr. Aus diesem Grund hat die Stadt gemeinsam mit anderen Partner*innen ein umfangreiches Programm auf die Beine gestellt, das seinen Höhepunkt vom 13. bis 15. Juni findet, wenn auch Jacek Jaskowiak, Stadtpräsident von Poznan, mit einer Delegation weiterer Vertreter*innen der Stadt Poznan nach Hannover kommt.

Hierbei stehen drei Veranstaltungen im Mittelpunkt:

1. Ausstellung „Vertriebene 1939“ vom 13. Juni bis 11. Juli, Foyer der Ada-und-Theodor-Lessing Volkshochschule Hannover

Den Auftakt der Feierlichkeiten macht die Ausstellungseröffnung „Vertriebene 1939“ von Dr. Jacek Kubiak aus Poznan am Donnerstag (13. Juni) um 18 Uhr im Foyer der Ada-und-Theodor-Lessing Volkshochschule Hannover, Burgstraße 14. Bis zum 11. Juli dokumentieren zirka 400 Fotografien, Plakaten und Dokumenten die traumatischen Erlebnisse und Erfahrungen der polnischen Zivilbevölkerung, die während des Zweiten Weltkriegs aus den Teilen Polens deportiert wurde, die an das Dritte Reich angegliedert wurden. Die gewaltsamen Zwangsaussiedlungen, Inhaftierungen und Ermordungen von insgesamt 1,5 Millionen polnischer und jüdischer Bürger*innen waren zugleich Teil der nationalsozialistischen Bevölkerungspolitik, die in der Errichtung von KZs und im Holocaust gipfelte.

An ihrer Stelle wurden Volksdeutsche aus Osteuropa angesiedelt, denn das Ziel der Besatzer war die völlige Germanisierung der Territorien. In einem Distrikt namens Warthegau sollte eine „blonde Provinz“ als ein Laboratorium zur Züchtung des germanischen Herrenmenschen entstehen. Zu den betroffenen Gebieten gehörten unter anderem die Provinz Poznan, ein Teil des Lodzer Gebiets, Pommern, das nördliche Masowien und Schlesien. Mit dieser Ausstellung gedenken die Städte Hannover und Poznan anlässlich von 40 Jahren Städtepartnerschaft den Zwangsaussiedlungen, die in diesem Jahr genau 80 Jahre zurückliegen und die mit dem zunehmenden Fehlen von Zeitzeug*innen in Gefahr geraten, vergessen zu werden.

Die Ausstellung wurde von dem Kurator Jacek Kubiak mit Unterstützung von Malgorzata Schmidt (visuelle Gestaltung) und Janusz Zemer (Koautor) und in Zusammenarbeit mit dem Institut für Nationales Gedenken und dem Polnischen Städteverband konzipiert.

2. Zeitzeugengespräch 40 Jahre Städtepartnerschaft Hannover-Poznan, 14. Juni, 15 Uhr, Mosaiksaal, Neues Rathaus

Ein Zeitzeugengespräch anlässlich des 40-jährigen Städtepartnerschaftsjubiläum Han-nover-Poznan führt Prof. em. Dr. Carl-Hans Hauptmeyer vom Historischen Seminar der Leibniz Universität Hannover mit dem ehemaligen Kulturdezernenten der Landeshauptstadt Hannover Harald Böhlmann über 40 Jahre Städtepartnerschaft Hannover-Poznan am Freitag (14. Juni) von 15 bis 17 Uhr im Mosaiksaal, Neues Rathaus. Stadtpräsident Jacek Jaskowiak aus Poznan und Hannovers Bürgermeisterin Regine Kramarek, die aus aktueller Sicht auf die langjährige Städtepartnerschaft blicken, vervollständigen das Podium. Eine Teilnahme ist nur mit Voranmeldung bis zum 7. Juni möglich. Anmeldungen an Barbara.Kolbe@Hannover-Stadt.de oder unter der Rufnummer 168-31027.

3. Offizieller Festakt mit Eintrag ins Goldene Buch, 15. Juni, 10.30 Uhr, Hodlersaal, Neues Rathaus, nur für geladene Gäste

Zum offiziellen Festakt 40 Jahre Städtepartnerschaft Hannover Poznan lädt die Landeshauptstadt Hannover für Sonnabend (15. Juni), 10.30 Uhr, Hodlersaal, Neues Rathaus, ein.

Nach den Reden der Ersten Stadträtin und Wirtschafts- und Umweltdezernentin Sabine Tegtmeyer-Dette und des Stadtpräsidenten Jacek Jaskowiak berichten Schüler*innen des Georg-Büchner-Gymnasiums über ihren Schulaustausch mit Poznan. Gegen 11.10 Uhr unterzeichnen dann beide Stadtspitzen ein Memorandum zur zukünftigen Zusammenarbeit in den Bereichen Jugend- und Bürgeraustausch, Bildung, Kultur, Sport, Verwaltung, Wissenschaft, nachhaltige Entwicklung und Wirtschaft. Im Anschluss trägt sich Jacek Jaskowiak ins Goldene Buch der Stadt Hannover ein.

Zur 40-jährigen Geschichte Hannover Poznan

Die Städtepartnerschaft gehört zu den ersten vier deutsch-polnischen Städtepartnerschaften überhaupt. Bereits im Jahr 1972, nachdem der Warschauer Vertrag den Weg zur Annäherung zwischen Deutschland und Polen geebnet hatte, schlug Hannovers ehemaliger Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg die Städtepartnerschaft mit Poznan vor. Zunächst mussten aber viele bürokratische Hürden überwunden werden und es dauerte noch sieben Jahre, bis am 29. Oktober 1979 in Poznan die „Rahmenvereinbarung über die Zusammenarbeit zwischen der Stadt Poznan in der Volksrepublik Polen und der Landeshauptstadt Hannover in der Bundesrepublik Deutschland“ unterzeichnet werden konnte.

Im selben Jahr wurde in Hannover die Deutsch-Polnische Gesellschaft Hannover e. V. gegründet, die somit ebenfalls in diesem Jahr ihr 40-jähriges Bestehen feiert.

Der Gründungsgedanke der Städtepartnerschaft bestand darin, durch eine umfangreiche kommunale Zusammenarbeit zur Normalisierung der Beziehungen zwischen Polen und Deutschland beizutragen und den Eisernen Vorhang durch freundschaftliche Kontakte zu überwinden. In den vergangenen 40 Jahren entwickelten sich daraus vielfältige gemeinsame Projekte. Bis heute ist eine vertrauensvolle Partnerschaft zwischen den beiden Städten entstanden, die sich durch ein lebendiges Netzwerk aus fachlichen und persönlichen Beziehungen auszeichnet.

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Stadt Hannover

Autor: Mittelrhein-Tageblatt Redaktion