332 Modemarken im Tierwohl-Check: VIER PFOTEN Report zeigt große Unterschiede – Daunen mit Tierwohl-Siegel: Kein verlässlicher Schutz vor Tierleid. VIER PFOTEN untersucht 332 Modemarken weltweit: Immer mehr Unternehmen verzichten auf neue Daunen, beim Tierwohl liegen Vorreiter und Nachzügler jedoch weit auseinander.
Hamburg, 02. November 2026 – Bei Daunen zeichnet sich in der Modebranche ein grundlegender Wandel ab: Immer mehr Unternehmen verzichten auf neue Daunen und setzen stattdessen auf recycelte oder tierfreie Alternativen. Das zeigt der neue VIER PFOTEN Report „Tierwohl in der Mode 2026“. Gleichzeitig weist VIER PFOTEN darauf hin, dass selbst weit verbreitete Daunen-Zertifizierungen das Risiko von Lebendrupf nicht zuverlässig ausschließen können.
Für die Untersuchung hat die globale Tierschutzorganisation die öffentlich zugänglichen Tierwohlrichtlinien und Websites von 332 Modemarken ausgewertet. Dabei zeigen sich erhebliche Unterschiede zwischen den Unternehmen: Während Marken wie C&A, die H&M Group, Tchibo, Closed oder Superdry vergleichsweise positiv bewertet werden, gehören unter anderem Betty Barclay, Drykorn, Chiemsee, Peter Hahn, Falke, Galeria, Engelhorn sowie Luxusmarken wie Hermès, mehrere LVMH-Marken und Off-White zu den Schlusslichtern.
„Ein Tierwohl-Siegel ist keine Garantie dafür, dass kein Tier gelitten hat. Gerade bei Daunen zeigt sich, wie groß die Lücken selbst in zertifizierten Lieferketten sein können. Verbraucher:innen können das beim Einkauf kaum erkennen. Deshalb müssen Modeunternehmen weitergehen: Lieferketten transparent machen, problematische tierische Materialien gar nicht mehr verwenden und mit tierfreien Alternativen ersetzen. Einige wenige Marken zeigen schon heute, wie das funktionieren kann“, sagt Leon Rein, Textil-Campaigner bei VIER PFOTEN.
Neue Daunen verlieren an Bedeutung, die Risiken bleiben
Der Anteil der nicht-veganen Marken, die vollständig auf Daunen beziehungsweise auf neue Daunen verzichten, ist von zehn Prozent im Jahr 2024 auf 14 Prozent im Jahr 2026 gestiegen. Dazu gehören unter anderem Marken der H&M Group, BODEN, Superdry, Hessnatur* und Tchibo*.
Gleichzeitig setzen immer mehr Unternehmen auf zertifizierte Daunen. 61 Prozent der Marken, die nachweislich Daunen verwenden, beziehen diese ausschließlich aus zertifizierten Lieferketten. Aus Sicht von VIER PFOTEN ist dies zwar ein wichtiger Schritt für mehr Rückverfolgbarkeit. Die Zertifizierungen können jedoch nicht garantieren, dass in der Lieferkette kein Lebendrupf stattgefunden hat.
Eine besondere Schwachstelle sieht VIER PFOTEN bei den Betrieben, auf denen Enten und Gänse für die spätere Mast nachgezüchtet werden. Diese sind bei gängigen Zertifizierungssystemen bislang nicht verpflichtend rückverfolgbar und unabhängig kontrolliert.
Zertifizierungen schließen Lebendrupf nicht zuverlässig aus
Von den 222 untersuchten Marken, die neue Daunen verwenden oder bei denen eine Nutzung nicht ausgeschlossen werden kann, stellt lediglich Fjällräven zusätzliche Anforderungen an Auditierung oder Rückverfolgbarkeit, die über etablierte Branchenstandards hinausgehen.
Damit bleiben Unternehmen, die über die Anforderungen gängiger Zertifizierungssysteme hinausgehen, weiterhin die Ausnahme. Aus Sicht von VIER PFOTEN kann Lebendrupf nur zuverlässig ausgeschlossen werden, wenn die Lieferketten bis zu den Elterntierbetrieben rückverfolgbar sind und alle Betriebe verpflichtend und engmaschig auditiert werden.
Die besten und schlechtesten Marken im Vergleich
Der Report macht deutlich, dass weder Preis noch Markenimage automatisch mit einem stärkeren Engagement für Tierwohl einhergehen. Vielmehr unterscheiden sich Transparenz, Rückverfolgbarkeit und konkrete Maßnahmen zur Vermeidung von Tierleid zum Teil erheblich.
| Schafswolle: Lücke zwischen Anspruch und Umsetzung
Nicht nur bei Daunen, auch bei Schafswolle zeigt der Report weiterhin Handlungsbedarf. Inzwischen kommunizieren 91 Prozent der Marken, die Wolle verwenden, dass sie Lämmerverstümmelung aus ihren Lieferketten ausschließen wollen. Allerdings verwenden nur 64 Prozent bereits ausschließlich zertifizierte Schafswolle ‚ohne Lämmerverstümmelung‘ oder haben sich verpflichtet, spätestens bis 2030 vollständig umzustellen. „Ein Statement gegen Lämmerverstümmelung ist schnell veröffentlicht. Entscheidend ist, dass Unternehmen die Praxis durch unabhängige Kontrollen und Rückverfolgbarkeit nachweislich aus ihrer Lieferkette ausschließen“, sagt Leon Rein, Textil-Campaigner bei VIER PFOTEN. Von den Marken mit einem entsprechenden Ziel beziehen bislang erst 20 Prozent ausschließlich zertifizierte Schafswolle ‚ohne Lämmerverstümmelung‘. 2024 lag dieser Anteil noch bei 13 Prozent. Zum Report Für den Report „Tierwohl in der Mode 2026“ hat VIER PFOTEN den „Wear It Kind“-Markenkompass auf 332 Modemarken erweitert. Bewertet wurde, welche öffentlich belegbaren Maßnahmen Unternehmen ergreifen, um Lebendrupf bei Daunen und Lämmerverstümmelung bei Schafswolle ausschließen, ob sie Echtpelz verwenden und in welchem Umfang sie tierische Materialien reduzieren. Die Bewertung basiert ausschließlich auf öffentlich zugänglichen Informationen, darunter Unternehmensrichtlinien, Nachhaltigkeitsberichte, Produktinformationen sowie externe Zertifizierungen. * trifft nur auf das Bekleidungssegment der Marken zu. |