Gespräche am Ende des Weges – Worte, die bleiben

Gespräche am Ende des Weges
Bild Gespräche am Ende des Weges © Manuela Engel-Dahan

Gespräche am Ende des WegesEin Gastbeitrag von Manuela Engel-Dahan.
In ihrem neuen Text nimmt sie uns mit in das stille, oft übersehene Feld der letzten Gespräche. Es geht um Zuhören, um Geduld, um die Kraft des Dableibens – und um die stille Würde, die sich manchmal in einem einzigen Satz offenbart.

Worte, die bleiben: Manuela Engel-Dahan erzählt von Begegnungen im Altenheim, von stillen Abschieden, verletzlichen Momenten und der Kraft des Dableibensauch ohne Worte.

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Gespräche am Ende des Weges

Es gibt Begegnungen, die tief berühren und das Herz schwer machen.

Ich war wieder im Altenheim.
Dort lese ich meine Gedanken aus dem Wald vor.
Nicht immer kommen sie so an,
wie ich es mir vorstelle.
Manchmal führen sie die Zuhörenden in eigene Gefilde,
in ihre Fantasiewelten, in Erinnerungen,
die nicht loslassen.

Oft höre ich Sätze wie:
„Ich will nach Hause.“
„Wer bringt mich zurück in meine Wohnung?“
Es gibt darauf keine tröstenden Antworten.
Altwerden ist nicht für jeden schön.

Manchmal bin ich nur
„die Schwester da vorne“,
manchmal ruft jemand „Danke, es reicht jetzt.“
Und manchmal führe ich intensive Gespräche.
Ein solches hatte ich mit einer Frau,
die über hundert Jahre Leben bewältigt hat.

Sie war so wach und klar in ihrer Formulierung.
Doch Trost, das spürte ich,
kann ich nicht spenden.

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Es bleibt oft nur die stille Zustimmung,
die Anteilnahme, das Mitfühlen.

„Ich möchte gehen“, flüsterte sie.
Sie erzählte von ihrem langen Leben,
von den Jahren mit ihrem Mann,
der sie einst nach dem Krieg gerettet hatte,
von den Schrecken, dem Leid und den Gräueln,
die ihr angetan wurden.
Alles andere, sagte sie, sei verblasst.
Auch der Weg zu Gott.

„Hier gibt es nur noch Leere“,
flüstert sie.
Und dann nur noch ein leises
„Bitte, bitte, bitte …“
wie Glassplitter aus einem zerbrochenen Bild,
das jetzt nicht mehr wichtig ist.

Ich las ihr aus meinen Texten vor,
die ich nach Begegnungen
mit anderen Menschen geschrieben hatte:
von Traurigkeit, von Wut,
von Sehnsucht nach Selbstbestimmung und
vom Zweifel im Glauben.
Sie nickte, sagte leise: „Ja, das fühle ich auch.“

Wie kann man Trost spenden,
wenn das Bedürfnis nach etwas so groß ist,
das nicht mehr zu erreichen ist?
Wie Fröhlichkeit vermitteln,
wenn die Gedanken im Nebel verweilen?

In solchen Momenten spüre ich:
Das Sterben hat, wie das Leben,
seinen eigenen Rhythmus.
Der Zwischenraum wird gefüllt mit Erinnerungen,
vielleicht, um den Abschied zu erleichtern.

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Liebe und Verlust liegen nah beieinander.
Es liegt eine seltsame Schönheit in der Traurigkeit,
die uns erinnert, wie kostbar die Momente sind,
die wir hatten.

Im Wald höre ich das Flüstern:
Es gibt in der Einsamkeit einen Raum für Erinnerungen.
Und vielleicht ist das der Schlüssel,
die Erkenntnis, dass das, was wir verloren haben,
zwar nicht mehr sichtbar ist,
aber immer noch Teil von uns bleibt.

Bevor ich gehe, sagt sie:
„Ein Lichtblick für mich.“
Und das ist besonders schön,
denn sie ist blind.

Vielleicht braucht es Geduld,
um die richtige Zeit des Loslassens zu finden.

Vielleicht ist das wertvollste Geschenk,
das wir geben können, einfach dazubleiben,
bis der Moment kommt.
Auch wenn man nicht die richtigen Worte hat.
Denn manchmal gibt es sie nicht.

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📌 Zur Autorin: Manuela Engel-Dahan

Manuela Engel-Dahan ist zertifizierter Stress- und Burnout-Coach, Entspannungstrainerin, Künstlerin und Autorin. Nach über 40 Jahren Erfahrung als Unternehmerin begleitet sie heute Menschen auf ihrem Weg zu innerem Frieden und Lebensfreude.
In ihren Kolumnen verbindet sie die Liebe zur Natur mit tiefgründigen Impulsen für persönliches Wachstum. Sie ist Autorin der „Freigeistigen Waldgedanken“ – von einem Kunsthistoriker bereits mit Friedrich Nietzsche verglichen – und Initiatorin des 1. Hessischen MUTmachSALONs „Schafft die Angst ab“ in Bad Orb.

➡ Mehr über ihre Arbeit unter:
👉 www.FormYourWorld.de
👉 www.hundertrotwein.de
👉 Instagram: @manuela.engel.dahan

P.S. Wenn du das Gefühl hast, dass es in deinem Leben noch mehr Licht braucht oder der Mut auf dem Weg verloren ging, bin ich gerne für dich da. E-Mail: me*@***********ld.de

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Bild & Text Gespräche am Ende des Weges: © Manuela Engel-Dahan, Mut- und Lebensberaterin

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