Landtagswahl Sachsen-Anhalt 2026: AfD gewinnt mit 43,8 Prozent – CDU erlebt historischen Absturz – Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hat die politischen Kräfteverhältnisse im Bundesland grundlegend verändert. Die AfD gewinnt die Wahl mit 43,8 Prozent der Stimmen und wird mit großem Abstand stärkste Kraft. Die CDU stürzt dagegen auf 17,2 Prozent ab. Eine absolute Mehrheit verpasst die AfD trotz ihres Rekordergebnisses knapp. Nun steht Sachsen-Anhalt vor einer ausgesprochen schwierigen Regierungsbildung.
Magdeburg – Es ist ein Wahlergebnis, das weit über Sachsen-Anhalt hinaus politische Auswirkungen haben dürfte. Bei der Landtagswahl am 6. September 2026 hat die AfD einen historischen Wahlsieg erzielt. Nach dem vorläufigen Endergebnis erreicht die Partei 43,8 Prozent der Zweitstimmen.
Die CDU, die bei der Landtagswahl 2021 mit 37,1 Prozent noch mit deutlichem Abstand stärkste Kraft geworden war, kommt diesmal lediglich auf 17,2 Prozent.
Damit liegen zwischen AfD und CDU mehr als 26 Prozentpunkte.
Für die AfD bedeutet das Ergebnis gleichzeitig einen enormen Zugewinn. 2021 hatte sie noch 20,8 Prozent erreicht. Innerhalb einer Wahlperiode hat die Partei ihren Stimmenanteil damit mehr als verdoppelt und rund 23 Prozentpunkte hinzugewonnen.
Ergebnis der Landtagswahl Sachsen-Anhalt 2026
Nach dem vorläufigen Endergebnis verteilen sich die Zweitstimmen folgendermaßen:
| Partei | Ergebnis 2026 | Veränderung zu 2021 |
|---|---|---|
| AfD | 43,8 % | +23,0 |
| CDU | 17,2 % | −19,9 |
| SPD | 9,3 % | +0,9 |
| Grüne | 8,9 % | +3,0 |
| Linke | 8,6 % | −2,4 |
| BSW | 5,3 % | neu |
| FDP | 2,6 % | −3,8 |
| Sonstige | 4,3 % |
Damit ziehen neben AfD und CDU auch SPD, Grüne, Linke und das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) in den neuen Landtag ein. Die FDP scheitert mit 2,6 Prozent deutlich an der Fünf-Prozent-Hürde.
AfD verpasst absolute Mehrheit nur knapp
So deutlich der Wahlsieg ausfällt: Für eine Alleinregierung reicht das Ergebnis der AfD nicht.
Der neue Landtag von Sachsen-Anhalt umfasst nach dem vorläufigen Ergebnis 83 Abgeordnete. Die AfD erhält davon 39 Sitze.
Die Sitzverteilung:
AfD: 39 Sitze
CDU: 16 Sitze
SPD: 8 Sitze
Linke: 8 Sitze
Grüne: 7 Sitze
BSW: 5 Sitze
Für eine absolute Mehrheit wären 42 Mandate erforderlich. Der AfD fehlen somit lediglich drei Sitze zur absoluten Mehrheit.
Gerade deshalb war am Wahlabend das Abschneiden des BSW von besonderer Bedeutung. Lange bewegte sich die Partei unmittelbar an der Fünf-Prozent-Hürde. Mit letztlich 5,3 Prozent schafft sie den Einzug in den Landtag – und verändert dadurch die Sitzverteilung entscheidend.
Die 43-Prozent-Umfrage wurde sogar noch übertroffen
Das Ergebnis kommt nicht völlig überraschend. Bereits Wochen vor der Wahl hatten Umfragen einen außergewöhnlich hohen Stimmenanteil für die AfD vorhergesagt.
Besondere Aufmerksamkeit hatte eine Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Pollytix ausgelöst, in der die AfD bei 43 Prozent gesehen wurde. Dieser Wert erschien damals bereits außergewöhnlich hoch.
Das tatsächliche Wahlergebnis liegt mit 43,8 Prozent sogar noch darüber.
Auch unmittelbar vor der Wahl deuteten die Umfragen auf einen deutlichen AfD-Sieg hin. Im letzten Sachsen-Anhalt-Trend vor der Wahl lag die Partei bei 42 Prozent, während die CDU nur noch 22 Prozent erreichte.
Das tatsächliche Ergebnis fällt für die CDU somit noch deutlich schlechter aus.
CDU verliert innerhalb einer Wahlperiode fast 20 Prozentpunkte
Neben dem AfD-Ergebnis gehört deshalb der Absturz der CDU zu den wichtigsten Ergebnissen dieser Wahl.
2021 hatte die Partei unter dem damaligen Ministerpräsidenten Reiner Haseloff noch 37,1 Prozent erzielt und die AfD deutlich auf Abstand gehalten.
2026 bleiben davon lediglich 17,2 Prozent übrig.
Der Verlust beträgt damit 19,9 Prozentpunkte. Die CDU verliert also mehr als die Hälfte ihres damaligen Stimmenanteils.
Das Ergebnis dürfte deshalb nicht nur in Sachsen-Anhalt eine intensive Debatte auslösen. Auch die Bundes-CDU muss sich mit der Frage auseinandersetzen, welchen Anteil die Bundespolitik an diesem Ergebnis hat.
Bereits am Morgen nach der Wahl wurden Forderungen nach einer politischen Aufarbeitung laut. Führende CDU-Politiker warnten gleichzeitig davor, die Niederlage unmittelbar mit einer Personaldebatte um Bundeskanzler und CDU-Chef Friedrich Merz zu verbinden.
SPD und Grüne legen zu – Linke verliert
Weit weniger dramatisch fallen die Veränderungen bei den kleineren Parteien aus.
Die SPD erreicht 9,3 Prozent und verbessert sich gegenüber 2021 leicht um 0,9 Prozentpunkte.
Auch die Grünen können zulegen. Sie erreichen 8,9 Prozent und gewinnen damit rund drei Prozentpunkte hinzu.
Die Linke kommt auf 8,6 Prozent. Gegenüber ihrem Ergebnis von 2021 bedeutet dies einen Verlust von 2,4 Prozentpunkten.
Das BSW zieht mit 5,3 Prozent erstmals in den Landtag von Sachsen-Anhalt ein.
Für die FDP endet die Wahl dagegen mit einer deutlichen Niederlage. Mit lediglich 2,6 Prozent verpasst sie den Wiedereinzug klar.
Rekordverdächtig hohe Wahlbeteiligung
Bemerkenswert ist außerdem die hohe Beteiligung an der Wahl. Nach den vorliegenden Angaben lag sie bei rund 78 Prozent.
Damit hat ein außergewöhnlich großer Teil der Wahlberechtigten seine Stimme abgegeben.
Das starke Abschneiden der AfD lässt sich somit nicht einfach mit einer niedrigen Wahlbeteiligung erklären. Vielmehr gelang es der Partei, bei einer ausgesprochen hohen Mobilisierung einen Stimmenanteil von fast 44 Prozent zu erreichen.
Wer kann Sachsen-Anhalt jetzt überhaupt regieren?
Nach der Wahl beginnt nun der möglicherweise schwierigste Teil: die Bildung einer Regierung.
Eine absolute Mehrheit besitzt keine Partei.
Gleichzeitig haben die übrigen Parteien eine klassische Koalition mit der AfD bislang ausgeschlossen. AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund erklärte nach der Wahl hingegen, seine Partei wolle anderen politischen Kräften die Hand ausstrecken.
Rechnerisch ist die Situation ausgesprochen kompliziert.
CDU, SPD und Grüne verfügen gemeinsam lediglich über 31 der 83 Sitze. Für eine Mehrheit sind mindestens 42 Mandate erforderlich.
Auch unter Einbeziehung des BSW kämen diese vier Parteien lediglich auf 36 Sitze.
Damit wäre auch eine Koalition aus CDU, SPD, Grünen und BSW ohne weitere Unterstützung nicht mehrheitsfähig.
Linke könnte für eine Regierung ohne AfD entscheidend werden
Damit rückt ausgerechnet die Linke bei der Suche nach einer Regierungsmehrheit in den Mittelpunkt.
CDU, SPD, Grüne, Linke und BSW verfügen zusammen über 44 Sitze und hätten damit rechnerisch eine Mehrheit.
Politisch wäre eine solche Konstruktion allerdings äußerst schwierig. Die CDU lehnt eine Koalition mit der Linken bislang ebenso ab wie eine Zusammenarbeit mit der AfD.
Damit stellt sich die Frage, ob bestehende Abgrenzungsbeschlüsse angesichts der neuen Mehrheitsverhältnisse Bestand haben können – oder ob Sachsen-Anhalt möglicherweise auf eine Minderheitsregierung zusteuert.
Eine solche Regierungsform wäre für das Bundesland keineswegs völlig neu. Bereits von 1994 bis 2002 wurde Sachsen-Anhalt von einer Minderheitsregierung geführt.
Auch eine AfD-Minderheitsregierung ist theoretisch möglich
Auch die AfD könnte versuchen, eine Minderheitsregierung zu bilden. Mit ihren 39 Abgeordneten fehlen ihr nur wenige Stimmen.
Entscheidend ist dabei eine Besonderheit der Landesverfassung und des Wahlverfahrens für den Ministerpräsidenten.
Ein Ministerpräsident muss nicht zwingend dauerhaft über die absolute Mehrheit aller Landtagsabgeordneten verfügen. Bei der Wahl des Regierungschefs kann unter bestimmten Voraussetzungen letztlich die Mehrheit der abgegebenen Stimmen entscheidend sein.
Dadurch könnte bereits eine geringe Zahl von Abweichlern oder Enthaltungen aus anderen Fraktionen die politische Situation erheblich verändern.
Ob Ulrich Siegmund tatsächlich eine Chance auf das Amt des Ministerpräsidenten erhält, dürfte deshalb von den Gesprächen der kommenden Wochen und von der Geschlossenheit der übrigen Fraktionen abhängen.
Sven Schulze bleibt zunächst geschäftsführend im Amt
Bis zur Wahl eines neuen Ministerpräsidenten bleibt die bisherige Landesregierung geschäftsführend im Amt.
Der neu gewählte Landtag muss spätestens am 6. Oktober 2026 zu seiner ersten Sitzung zusammentreten.
Eine feste gesetzliche Frist, innerhalb der anschließend ein neuer Ministerpräsident gewählt werden muss, gibt es in Sachsen-Anhalt nicht.
Sollten sich die Parteien nicht auf eine tragfähige Regierungsmehrheit einigen können, könnte sich die Regierungsbildung deshalb über einen längeren Zeitraum hinziehen.
AfD sieht klaren Regierungsanspruch
Für die AfD ist die Lage eindeutig: Als mit Abstand stärkste Partei leitet sie aus dem Ergebnis einen politischen Regierungsanspruch ab.
Rechtlich existiert ein solcher „Regierungsauftrag“ allerdings nicht. Entscheidend ist letztlich, welcher Kandidat im Landtag die notwendige Unterstützung für die Wahl zum Ministerpräsidenten erhält.
Politisch dürfte es für die anderen Parteien jedoch schwierig werden, ein Wahlergebnis von 43,8 Prozent bei der Regierungsbildung auszublenden.
Fast jeder zweite Wähler, der seine Stimme einer im Landtag vertretenen Partei gegeben hat, entschied sich für die AfD.
Gleichzeitig verfügt die Partei mit 39 von 83 Mandaten über eine Fraktion, die nur drei Sitze von der absoluten Mehrheit entfernt ist.
Wahlergebnis wird auch zum Problem für die Bundespolitik
Die Auswirkungen der Wahl dürften weit über Magdeburg hinausreichen.
Besonders die CDU steht nach dem Verlust von fast 20 Prozentpunkten unter erheblichem Druck. Innerhalb der Union wird bereits darüber diskutiert, welche Rolle die Bundespolitik bei der Niederlage gespielt hat.
Während Teile der CDU vor vorschnellen Personaldebatten warnen, gibt es gleichzeitig Stimmen, die ein einfaches „Weiter so“ ablehnen.
Auch SPD, Grüne und Linke sehen bundespolitische Ursachen für das starke Abschneiden der AfD.
Damit dürfte die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt auch die politische Diskussion in Berlin in den kommenden Wochen erheblich beeinflussen.
Landtagswahl Sachsen-Anhalt 2026 – Ein Wahlergebnis mit bundesweiter Signalwirkung
Die Landtagswahl vom 6. September 2026 markiert einen tiefgreifenden Einschnitt in der politischen Landschaft Sachsen-Anhalts.
Die AfD steigert sich von 20,8 auf 43,8 Prozent und wird mit großem Abstand stärkste Kraft. Die CDU verliert nahezu 20 Prozentpunkte und fällt auf 17,2 Prozent zurück.
Gleichzeitig verhindern der Einzug des BSW und die daraus resultierende Sitzverteilung eine absolute Mehrheit der AfD.
Das macht die Regierungsbildung allerdings nicht einfacher – im Gegenteil.
Die bisherigen politischen Abgrenzungen führen dazu, dass derzeit keine naheliegende klassische Mehrheitskoalition erkennbar ist. CDU, SPD und Grüne sind zu schwach. Selbst gemeinsam mit dem BSW reicht es nicht. Ohne AfD wäre für eine parlamentarische Mehrheit damit auch die Linke erforderlich – oder eine Minderheitsregierung müsste sich wechselnde Mehrheiten suchen.
Damit hat Sachsen-Anhalt nicht nur einen historischen Wahlabend erlebt.
Die vielleicht schwierigste politische Aufgabe beginnt erst nach der Wahl: Aus einem eindeutigen Wahlergebnis eine handlungsfähige Regierung zu bilden. (hk)
Quellen: Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt – Landtagswahl 2026, MDR – Landtagswahl Sachsen-Anhalt 2026, tagesschau.de