Sozialverband VdK fordert sozial gerechten Hitzeschutz

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Sozialverband VdK fordert sozial gerechten Hitzeschutz – Sozialverband VdK sieht gefährliche Schwächen bei derzeitigen Hitzeschutzkonzepten und legt eigenen Maßnahmenkatalog vor – Bentele: „Für viele Menschen entscheidet Hitzeschutz längst nicht mehr über Komfort, sondern über Leben und Tod“.

Hitzeschutz ist Ländersache und dadurch im Moment ein Flickenteppich vieler unterschiedlicher Maßnahmen. Derzeit gelten Hitzetipps auf Stadtwebseiten genauso als Aktionsplan gegen Hitze wie detaillierte Maßnahmenkataloge. Viel zu oft sind Menschen mit der Hitze auf sich alleine gestellt. Die Bundesregierung muss ihrem Versprechen aus dem Koalitionsvertrag jetzt nachkommen und die Klimaanpassung als Gemeinschaftsaufgabe im Grundgesetz verankern. Dann wäre eine dauerhafte Finanzierung von Anpassungs- und Schutzmaßnahmen möglich. Hitzeschutzpläne könnten bundesweit vereinheitlicht werden und Zuständigkeiten zwischen Bund, Ländern und Kommunen wären verbindlich festgeschrieben. Eine klare Aufgabenverteilung ist dringend notwendig, wie die vergangenen Wochen gezeigt haben: Nahezu 12.000 hitzebedingte Sterbefälle seit April sollten Weckruf genug sein.


„Für viele Menschen ist der Hitzeschutz längst kein Komfort mehr, sondern entscheidet über Gesundheit, Selbstständigkeit und im Extremfall über Leben und Tod“, sagt Verena Bentele, Präsidentin des Sozialverbands VdK. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Menschen mit Behinderung, chronisch Kranke, Pflegebedürftige, Kinder, Schwangere, Haushalte mit wenig Einkommen sowie wohnungslose Menschen. „Hitze trifft nicht alle Menschen gleichermaßen. Ob sie nur belastet oder zur Lebensgefahr wird, entscheidet häufig nicht allein die Temperatur, sondern die Lebenssituation. Hitze ist ein Brennglas sozialer Ungleichheit.“

Der Sozialverband VdK hat jetzt einen umfangreichen Maßnahmenkatalog für einen Hitzeschutz entwickelt, der die besonders vulnerablen Gruppen in den Fokus nimmt. Darin fordert er:

1. Freiwilliges Hitzeregister: Um besonders gefährdete Menschen bei Hitzewarnungen gezielt zu erreichen, sollen datenschutzkonforme, freiwillige, kommunale Register eingeführt werden. Kommunen können so beispielsweise alleinlebende oder ältere Menschen informieren und bei Bedarf telefonisch betreuen, Hausbesuche durch kommunale und ehrenamtliche Sozialarbeitende organisieren oder konkret unterstützen – etwa durch Hilfe bei der Flüssigkeitsversorgung, der Organisation von Kühlmöglichkeiten oder medizinischer Betreuung. Ergänzt werden könnten diese Maßnahmen durch nationale Hitzetelefon-Hotlines.


2. Hitzeschutz für alle: Nicht nur das Heizen im Winter kann teuer werden, sondern auch das Kühlen bei Hitzewellen. Hohe Stromkosten durch Ventilatoren oder Kühlgeräte sowie teure Markisen, Außenjalousien oder Rollläden kann längst nicht jeder stemmen. Doch Hitzeschutz darf nicht vom Einkommen abhängen. Die Politik muss vorbeugen und gezielte Förderungen zur Bekämpfung von Energiearmut im Sommer anbieten.

3. Öffentliche Kühlräume: Die Bundesregierung muss dafür sorgen, dass Einrichtungen der sozialen Infrastruktur, wie Pflegeheime, Schulen, Kitas, Krankenhäuser, Jugendzentren, Bildungsräume und Frauenhäuser ausreichend vor Hitze geschützt sind. Dazu braucht es verbindliche Mindeststandards und barrierefreie Hitzeschutzkonzepte sowie die Förderung baulicher und technischer Lösungen. Konkret könnte das zum Beispiel bedeuten, dass öffentliche klimatisierte Einrichtungen wie Museen oder Bibliotheken als „Cooling Centres“ geöffnet werden, Schulhöfe entsiegelt, begrünt und mit Trinkwasserbrunnen ausgestattet werden oder Pflegeeinrichtungen mindestens einen klimatisierten Gruppenraum haben müssen und die Patientenzimmer mit Außenrollläden oder Markisen verschattet werden können.


„Sozial gerechter Hitzeschutz ist eine strukturelle Aufgabe der Gesundheits-, Sozial- und Klimapolitik. Die Bundesregierung muss Rahmenbedingungen so gestalten, dass alle Menschen wirksam vor Hitze geschützt sind, unabhängig von ihrem Einkommen oder ihrer Wohnsituation und insbesondere unabhängig von ihrer ohnehin herausfordernden gesundheitlichen Lage“, sagt Bentele. „Wir brauchen verbindliche Standards, eine verlässliche Finanzierung und klare Zuständigkeiten. Und zwar jetzt.“

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Text: Sozialverband VdK Deutschland e.V.

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