Trier – OB setzt sich bei internationaler Tagung für nachhaltige Stadtentwicklung ein

Mittelrhein-Tageblatt - Deutsches Tageblatt - News - Trier -Trier – (mb) Wie können die Städte vor Ort lokal mehr Verantwortung für die globale Welt wahrnehmen? Dieser Frage widmeten sich gut 2600 Teilnehmer der „Urban Future Global Conference“ (UFGC) in Oslo. Trier wurde durch Oberbürgermeister Wolfram Leibe vertreten. Damit fand das in Graz initiierte Treffen erstmals außerhalb Österreichs statt. Die Tagungsstadt Oslo wurde von der Europäischen Kommission mit dem Titel „European Green Capital 2019“ ausgezeichnet.

Oslos Oberbürgermeisterin Marianne Borgen hob bei der Begrüßung im Rathaus die Bedeutung des globalen Städtenetzwerkes zur Bewältigung der Klimakrise hervor: „Rund die Hälfte aller Menschen weltweit lebt bereits heute in Städten und die Städte erzeugen nahezu drei Viertel der globalen Klimagas-Emissionen. Deshalb ist hier und heute die Zeit zum Handeln gekommen.“ Dort, wo sonst zum Jahresende die Nobelpreisträger verkündet werden, herrschte große Einigkeit: Ohne die Städte kann es keine globalen Lösungen für mehr Klimaschutz und Nachhaltigkeit geben.

Um diesen Anspruch zu unterstreichen, nahmen auch der norwegische Kronprinz Haakon und Ola Elvestuen, Norwegens Minister für Klima und Umwelt, an der Eröffnung der Konferenz mit rund 100 Veranstaltungen teil. Mit dem Minister tauschte sich Leibe über die Eindrücke beim jüngsten Umweltministertreffen in Triers französischer Partnerstadt Metz aus. Auf Einladung des Metzer OB Dominique Gros konnte Trier dort teilnehmen. Elvestuen zeigte sich sehr interessiert an den Trierer Entwicklungen. Aufgrund seines Studiums in Bonn und Düsseldorf ist ihm die Stadt an der Mosel bereits seit langem ein Begriff.

„Unsere Erde ist eine Limited Edition. Deshalb ist es so wichtig, dass die Städte voneinander lernen im Umgang mit den begrenzten Ressourcen. Uns bewegen in den Städten auf der ganzen Welt doch immer wieder die gleichen Fragen“, betonte Leibe. „Diese Konferenz bestätigt auch unsere Trierer Anstrengungen und gibt uns wertvolle Impulse, etwa im Umgang mit Nahrungsmitteln. Es ist zum Beispiel eine sehr interessante Idee, aus entsorgtem Essen neue Energie zu gewinnen. Das ist ressourcenneutral und ökologisch. Daher werden wir uns damit nun bei den Stadtwerken befassen. Zudem haben wir erfahren, wie in der Gastronomie der Umfang von Lebensmittelresten deutlich reduziert werden kann.“

Die Elektrifizierung des Verkehrs war ein Top-Thema bei der UFGC. 2017 waren rund 40 Prozent aller E-Automobile in China zugelassen. Das Land erscheint damit als globaler Motor der aktuellen Verkehrswende. Dieser Prozess findet mit immer mehr Ladestationen, immer mehr E-Bikes und E-Bussen auch in Trier statt. Leibe erläuterte Details: „Innovative städtische Transportlösungen sind entscheidend. Deshalb haben wir zu den bereits drei erworbenen Elektro-Bussen jetzt eine umfangreiche Rahmenvereinbarung abgeschlossen. Bis zu 90 Elektro-Busse könnten damit in den kommenden Jahren auf Triers Straßen unterwegs sein. Wir müssen unseren ÖPNV weiter verbessern und ihn nachhaltiger gestalten.“

Der Trierer OB ist Aufsichtsratsvorsitzender der Stadtwerke, die den städtischen Busverkehr betreiben. Er tauschte sich in Oslo mit Daniel Bachmann von Daimler Buses-Mobility Solutions über die Herausforderungen für städtische Busverkehre aus. Daimler war mit einem Elektrobus vor Ort und schilderte aus Konzernsicht die Chancen der Kommunen bei neuartigen Beförderungskonzepten. In Norwegens Hauptstadt sind tausende Elektroroller gerade auf kurzen Strecken im Einsatz. Für die Nutzer entfällt die Parkplatzsuche, da die Roller nur wenig Platz wegnehmen und am Zielort einfach für den nächsten Kunden bereitgestellt werden. Auch in Deutschland hat sich der Bundesrat mit den Voraussetzungen für E-Roller befasst und den Weg freigemacht für den bundesweiten Einsatz dieser smarten Fahrzeuge.

Bei der Konferenz tauschte sich Triers OB erneut mit dem Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer über die kommunalpolitische Verantwortung für globale Herausforderungen aus. Palmer erhielt einen „Trierer Aktionsplan Entwicklungspolitik“, der in den letzten beiden Jahren in einem breiten Beteiligungsverfahren mit den Ratsfraktionen, zivilgesellschaftlichen Akteuren und zahlreichen Institutionen erarbeitet wurde nach dem Credo: Nachhaltiges Handeln inklusiv mit den Menschen der Stadt voranbringen. Grundlage ist die UN-Agenda 2030, in deren Rahmen Trier für die lokale Umsetzung auch Gelder aus dem Bundeshaushalt erhält.

Leibes Fazit nach der Tagung: „Gerade als kleine Großstadt bietet sich in Trier die Chance, neue Ideen zu erproben. Die Aufgabe ist ganz klar: Wir müssen die richtigen Dinge einfach tun und dafür jetzt die nächsten Schritte machen. Deswegen hat die Stadtverwaltung Ende Mai das Dienstfahrräderkonzept gestartet, um den motorisierten Personenverkehr in der Stadt mit einer ganz konkreten Maßnahme zu reduzieren.“

***
Presseamt Trier

Autor: Mittelrhein-Tageblatt Redaktion