So lindern Sie das Leid ihres Tieres: VIER PFOTEN gibt Tipps für Halter:innen von Hunden mit Qualzucht-Merkmalen – Wer sich für einen Hund mit Qualzucht-Merkmalen entschieden hat, trägt eine besondere Verantwortung.
Hamburg, 10. September 2026 – In Deutschland sind Hunderttausende Hunde von Qualzucht betroffen. Das Selektieren nach Körpermerkmalen, die von Menschen landläufig als „schön“ oder besonders „süß“ wahrgenommen werden, führt bei diesen Tieren oft zu lebenslangem Leiden, warnt die internationale Tierschutzorganisation VIER PFOTEN. So können beispielsweise eine extrem kurze Schnauze, ein langer Rücken gepaart mit zu kurzen Beinen oder hervorstehende Augen zu Atemnot, Rückenschmerzen oder chronischen Augenentzündungen führen.
Die Wege, auf denen Halter:innen und die betroffenen Tiere zusammenfinden, sind vielfältig. Auf der einen Seite gibt es Fälle, in denen Menschen sich bewusst dazu entscheiden, einem Hund mit Qualzuchtmerkmalen aus dem Tierschutz ein neues Zuhause zu schenken. Doch meist mangelt es vor dem Kauf am Bewusstsein für Qualzucht: gesundheitliche Risiken werden unterschätzt; Einschränkungen des Hundes werden wegen des Wunsches nach der „perfekten Optik“ in Kauf genommen; dem Versprechen, einen gesunden Hund zu erwerben, wird leichtfertig geglaubt, ohne entsprechende Nachweise einzufordern.
Was die Betroffenen eint, ist der Wunsch, ihrem Hund trotzdem ein möglichst leidfreies Leben zu ermöglichen. Die Grundvoraussetzung dafür ist die Bereitschaft, sich mit seinen individuellen Problemen auseinanderzusetzen und ihn im Alltag bestmöglich zu unterstützen.
Hunde mit Qualzucht-Merkmalen werden oft lebenslang betreut
„Gerade Hunde mit Qualzucht-Merkmalen brauchen verantwortungsvolle und gut informierte Halter:innen, die sie angesichts ihrer bestehenden gesundheitlichen Probleme bestmöglich versorgen“, sagt Tierärztin Ulrike Lessiak, Expertin für Hunde und Katzen bei VIER PFOTEN. Sie betont, dass es mit Liebe und gutem Willen allein nicht getan ist: „Die betroffenen Tiere brauchen oft ein Leben lang tierärztliche Betreuung, Operationen und Medikamente, um ein schmerzfreies Leben führen zu können.“
Was kann ich konkret für meinen Hund tun?
- Gehen Sie regelmäßig zum Tierarzt, um Probleme frühzeitig zu erkennen, gerade weil sich rassetypische Krankheiten oft erst mit der Zeit entwickeln.
- Achten Sie auf eine gute körperliche Kondition: Übergewicht beispielsweise verschlechtert viele gesundheitliche Probleme wie Gelenkschmerzen oder Atemnot.
- Passen Sie den Alltag an die Bedürfnisse Ihres Hundes an, indem Sie starke Belastungen wie Spaziergänge in der Hitze vermeiden, gerade wenn Ihr Hund Atemprobleme hat.
- Kümmern Sie sich um gezielte Maßnahmen wie eine regelmäßige Reinigung der Hautfalten, Augenkontrollen oder physiotherapeutische Unterstützung bei Problemen des Bewegungsapparates.
- Schließen Sie im Zweifelsfall frühzeitig eine Hundeversicherung ab, um auf mögliche Tierarztkosten, die auf Qualzucht zurückzuführen sind, vorbereitet zu sein.
Dass interessierte Käufer:innen Schönheit in vielen Fällen über die Gesundheit eines Hundes stellen, ist weit verbreitet. Einschränkungen und erbliche Defekte werden dabei als „rassetypische Schicksale“ akzeptiert. Hundeausstellungen sowie Social Media verstärken diesen Effekt.
Viele Wissenslücken müssen gefüllt werden
VIER PFOTEN ermutigt Halter:innen von Tieren mit Qualzucht-Merkmalen, offen über die gesundheitlichen Probleme ihrer Hunde zu sprechen. Nur so kann ein Problembewusstsein entstehen. Umgekehrt sollte aber auch das Nachfragen erlaubt sein. Allerdings ist dabei Sensibilität gefragt, denn niemand entscheidet sich aus Böswilligkeit für ein Tier mit bestimmten Merkmalen. „Es gilt, viele Wissenslücken aufzufüllen“, betont Lessiak.
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Text: VIER PFOTEN – Stiftung für Tierschutz