Berlin – Ein Thema im Bundestag: Kosten bei Beschleunigeranlage FAIR

Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung/Antwort.

Deutsches Tageblatt - Heute im Bundestag - Aktuell -Berlin – Bundestag: (hib/ROL) Beim GSI Helmholtz-Zentrum für Schwerionenforschung (GSI) in Darmstadt wird das neue internationale Beschleunigerzentrum (Facility for Antiproton and Ion Research, FAIR) erbaut. Die Teilchenbeschleuniger-Anlage ist weltweit eines der größten und komplexesten Bauvorhaben für die internationale Spitzenforschung und physikalische Grundlagenforschung. Das schreibt die Bundesregierung in ihrer Antwort (19/13179) auf die Kleine Anfrage der FDP-Fraktion (19/12726). Baubeginn war 2017, die Inbetriebnahme sei für 2025 vorgesehen. Es sei das wichtigste Projekt der Helmholtz-Gemeinschaft (HGF) im Forschungsbereich Materie.

Nach gegenwärtigem Stand sollen circa 3.000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Deutschland und rund weiteren 50 Ländern an FAIR forschen, die sich von der neuen Anlage grundlegende Durchbrüche im Verständnis der Struktur der Materie und der Evolution des Universums versprechen. Darüber hinaus gebe es zahlreiche Anwendungen in der Materialforschung, der Strahlenbiologie und der Strahlenmedizin und in der Raumfahrt. In großen Planeten, Sternen und Sternexplosionen ist Materie extremen Bedingungen ausgesetzt, zum Beispiel extrem hohen Temperaturen, Drücken oder Dichten. An der FAIR-Anlage könnten Wissenschaftler genau diese Bedingungen im Labor herstellen.

Die GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung als Gründungsmitglied der Helmholtz-Gemeinschaft wird mit der Verwirklichung des FAIR-Projekts zum internationalen Ansehen Deutschlands wie auch zur Stärkung der internationalen Bedeutung der Helmholtz-Gemeinschaft als Forschungsorganisation erheblich beitragen, schreibt die Bundesregierung. Die HGF zeige mit dieser Mitgliedseinrichtung ihre herausragende Kompetenz als Errichter, Betreiber und auch als Bereitsteller größter Forschungsinfrastrukturen in Deutschland und auch als Partner weltweit.

Das FAIR-Projekt wird auch den Technologiestandort Deutschland erheblich stärken, insbesondere in den angewandten Naturwissenschaften und den Ingenieurwissenschaften sowie in den Bereichen Informationstechnik (IT) und Big Data, betont die Bundesregierung. So sei FAIR eine der wenigen Beschleunigeranlagen überhaupt, die die Grundlagentechnologie für eine erhebliche Anzahl weiterer Beschleunigeranlagen in der ganzen Welt liefere. Diese Technologie finde ihre Anwendung zum Beispiel in der Medizintechnik und in der Nahrungsmittelproduktion. Damit sei FAIR ein bedeutender Beitrag zur Sicherung von Hochtechnologiekompetenz in Deutschland und trage substantiell zur Ausbildung des wissenschaftlichen und technischen Nachwuchses bei.

Die Betriebskosten für FAIR werden derzeit auf 235 Millionen Euro pro Jahr geschätzt. Gemäß gültiger Beschlüsse der Gesellschafterversammlung der FAIR GmbH betrage der deutsche Anteil an den Betriebskosten etwa 140 Millionen Euro.

Die FDP-Fraktion hatte angeführt, dass für den Bau von FAIR deren Gesellschafter unter anderem aus Deutschland, Finnland, Frankreich, Indien, Polen, Rumänien, Russland, Schweden und Slowenien kommen und nach dem Abschlussbericht 2019 Mehrkosten entstünden. Demnach lägen die Kostenschätzungen um insgesamt rund 850 Millionen Euro (entspricht 530 Millionen Euro auf Basis des Preisniveaus von 2005) über der Planung von 2015. Laut Monitoring-Berichts der HGF von 2019 zum Pakt für Forschung und Innovation werden für die „Sicherstellung von Aufbau und Betrieb großer Forschungseinrichtungen“ für das FAIR-Projekt nun weitere 250 Millionen Euro bereitgestellt.

Die Bundesregierung begründet den großen Anteil, den Deutschland beim FAIR-Projekt trägt, mit dem Ansinnen, eine wissenschaftlich exzellente Forschungsinfrastruktur errichten und mit FAIR den Forschungs- und Technologiestandort Deutschland stärken zu wollen. Außerdem soll die Rolle der Helmholtz-Gemeinschaft als weltweit bedeutende Forschungsorganisation nachhaltig gefestigt werden.

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Deutscher Bundestag

Autor: Mittelrhein-Tageblatt Redaktion