Halle-Anschlag 2019: Sechs Jahre nach dem Terror gegen die Synagoge – Gedenken und Mahnung in Sachsen-Anhalt

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Halle-Anschlag 2019: Sechs Jahre nach dem Terror gegen die SynagogeGedenken und Mahnung in Sachsen-AnhaltHamburg, Halle (Saale) – Sechs Jahre nach dem rechtsextremen Terroranschlag auf die Synagoge von Halle gedenkt Deutschland am 9. Oktober 2025 der Opfer dieser schrecklichen Tat.

Was am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur 2019 geschah, erschütterte nicht nur die Stadt Halle, sondern das ganze Land. Auch sechs Jahre danach ist die Wunde nicht verheilt – und die Mahnung aktueller denn je.

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Der Anschlag vom 9. Oktober 2019

Am 9. Oktober 2019, dem höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur, versuchte der damals 27-jährige Rechtsextremist Stephan Balliet, in die Synagoge von Halle (Saale) einzudringen. Dort hatten sich rund 50 Gläubige versammelt, um gemeinsam zu beten. Der schwer bewaffnete Täter scheiterte nur knapp an der massiven Eingangstür – ein technischer Zufall, der ein Massaker verhinderte.

Frustriert über das Scheitern seines Plans, erschoss Balliet vor der Synagoge die 40-jährige Jana Lange, die zufällig vorbeiging. Anschließend fuhr er zu einem nahegelegenen Dönerimbiss und tötete dort den 20-jährigen Kevin Schwarze. Auf seiner Flucht verletzte er zwei weitere Menschen schwer, bevor er noch am selben Tag von der Polizei festgenommen wurde.

Im Dezember 2020 verurteilte das Oberlandesgericht Naumburg den Täter zu lebenslanger Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung. Das Gericht sprach von einem „feigen, antisemitisch und rassistisch motivierten Terroranschlag“.

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Sechs Jahre später – was sich verändert hat

Seit dem Anschlag hat sich viel getan – und doch bleibt das Gefühl, dass die Bedrohung fortbesteht.

  1. Mehr Schutz, aber auch mehr Angst
    Nach dem Attentat wurden Synagogen in ganz Deutschland mit verstärktem Polizeischutz, Panzerglas und Zugangskontrollen gesichert. Dennoch berichten jüdische Gemeinden weiterhin von Anfeindungen und wachsender Angst – besonders im Netz.

  2. Neue rechtsextreme Bedrohungen
    Im Frühjahr 2025 wurde ein 19-jähriger Deutscher festgenommen, der einen Anschlag auf eine Synagoge in Halle geplant haben soll. Ermittler fanden Waffen und antisemitische Pamphlete. Der Fall zeigt, dass der Hass nicht verschwunden ist – er verlagert sich, wächst digital und findet neue Anhänger.

  3. Der Täter bleibt gefährlich
    Stephan Balliet sorgte auch nach seiner Verurteilung für Schlagzeilen: 2022 versuchte er, aus der JVA Burg zu fliehen, nahm zwei Bedienstete als Geiseln und wurde 2024 dafür zu weiteren sieben Jahren Haft verurteilt.

  4. Politische Konsequenzen
    Die Landesregierung Sachsen-Anhalts verschärfte nach dem Anschlag ihre Strategien gegen Rechtsextremismus. Das Programm „Demokratie stärken – Sachsen-Anhalt gegen Hass“ wurde erweitert, um insbesondere Jugendliche präventiv zu erreichen.

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Gedenken am 9. Oktober 2025 in Halle

Zum sechsten Jahrestag finden heute in Halle mehrere Gedenkveranstaltungen statt:

  • Zentrale Gedenkfeier an der Synagoge in der Humboldtstraße mit Vertretern der Jüdischen Gemeinde Halle, Ministerpräsident Reiner Haseloff, Innenministerin Tamara Zieschang und Bundestagspräsidentin Bärbel Bas.

  • Kranzniederlegung für die Opfer Jana Lange und Kevin Schwarze am Gedenkstein in der Ludwig-Wucherer-Straße.

  • Öffentliche Mahnwache am Marktplatz, organisiert vom Bündnis Halle gegen Rechts, unter dem Motto: „Erinnern heißt handeln“.

  • In der Synagoge selbst findet ein interreligiöses Gebet statt – unter Beteiligung christlicher und muslimischer Vertreter.

Zahlreiche Schulen in Sachsen-Anhalt widmen den Tag Projekten gegen Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit. Die Stadtverwaltung Halle hat außerdem eine Schweigeminute um 12:03 Uhr – dem Zeitpunkt des Anschlags – angekündigt.

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Stimmen aus Politik und Gesellschaft

Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) erklärte im Vorfeld der Gedenkfeier:
„Der Anschlag von Halle war ein Angriff auf das friedliche Zusammenleben in unserem Land. Er mahnt uns, jeden Tag für Demokratie, Toleranz und Menschlichkeit einzutreten.“

Die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Halle, Max Privorozki, betonte, dass Erinnerung allein nicht ausreiche:
„Wir brauchen mehr als Gedenken – wir brauchen Solidarität, Bildung und Konsequenzen gegen Hass.“

Auch Bundeskanzler Friedrich Merz äußerte sich am Abend vor dem Jahrestag:
„Antisemitismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen. Der Anschlag von Halle verpflichtet uns, jüdisches Leben in Deutschland mit allen Mitteln zu schützen.“

Eine Stadt mit offenen Wunden

Halle hat seit 2019 viele sichtbare Zeichen des Erinnerns geschaffen: Stolpersteine, Gedenktafeln und Bildungsinitiativen. Doch die emotionale Wunde bleibt spürbar. Für viele Bürgerinnen und Bürger war der Anschlag ein Moment, der das Bewusstsein für Rassismus und Antisemitismus dauerhaft veränderte.

In der Innenstadt leuchten heute Abend symbolisch 50 Kerzen – für die Gläubigen, die am Jom Kippur 2019 in der Synagoge eingeschlossen waren und nur durch Zufall überlebten.

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Halle-Anschlag 2019 Fazit

Sechs Jahre nach dem Anschlag auf die Synagoge von Halle steht Deutschland erneut still – in Erinnerung an Jana Lange und Kevin Schwarze, in Solidarität mit der jüdischen Gemeinschaft und in der Hoffnung, dass aus Schmerz Verantwortung wächst.

Der Terror von 2019 darf nicht vergessen werden. Er bleibt Mahnung und Auftrag zugleich: gegen Hass, für Menschlichkeit. (hk)

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