Wien / Österreich – Corona: StepStone meldet jeder Zehnte bereits gekündigt

Umfrage zeigt große Probleme für Arbeitsmarkt – aber auch Chancen.

Mittelrhein-Tageblatt - Deutsches Tageblatt - News - Wien in Österreich -.jpgWien / Österreich – Corona: Das Coronavirus hat Österreich weiterhin fest im Griff. Das wirkt sich auch auf die Arbeitswelt aus, wie eine aktuelle Umfrage von StepStone bestätigt: So wurde jeder zehnte Befragte (10%) bereits wegen Corona gekündigt, ein weiteres Drittel (30%) hat Angst, demnächst seinen Job zu verlieren. Für die Studie wurden mehr als 3.500 Arbeitnehmer und Arbeitsuchende in ganz Österreich befragt.

„Corona kann finanziellen Ruin bedeuten“

„Corona kann den finanziellen Ruin für mich bedeuten“, schreibt etwa einer der Umfrageteilnehmer, während ein anderer sich um seinen Arbeitsplatz sorgt, „wenn die Krise länger als bis Mitte April dauert“. Die Sorgen der Menschen sind durchwegs nachvollziehbar, sagt die Arbeitspsychologin Veronika Jakl: „Diese Krise ist ein großer Einschnitt in unser Wirtschaftssystem und betrifft alle Branchen. Es kommt jetzt zu anderen psychischen Belastungen als im Alltag vor der Corona-Krise.“

85% aller Arbeitnehmer machen sich Sorgen

Tatsächlich mehren sich die Sorgen der österreichischen Arbeitnehmer, zeigt die Umfrage: 85% aller Befragten geben an, sich wegen des Virus Sorgen zu machen, jeder Zweite (50%) hat Angst, dass sich das Coronavirus negativ auf den Unternehmenserfolg auswirkt. Ein weiteres Drittel (30%) fürchtet außerdem, sich selbst am Arbeitsplatz mit Corona zu infizieren.

Transparenz: In Krisenzeiten besonders wichtig

Zudem berichten Befragte auch von unbezahlten Überstunden, mentaler Belastung und ungleicher Behandlung: „Manche Mitarbeiter mit Laptop arbeiten von zu Hause aus, alle anderen müssen ihren Urlaub zwangsweise verschenken.“ Jakl rät Arbeitgebern zu verstärkter Transparenz: „Stellen Sie klar, warum Sie sich für bestimmte Vorgehensweisen entschieden haben. Auch wenn die Ungleichbehandlung ihre Gründe haben mag, sind diese für die Mitarbeiter nicht immer klar.“

Jedes 4. Unternehmen (zeitweise) geschlossen – Einzelhandel besonders betroffen

Von den Auswirkungen auf das tägliche Arbeitsleben sind jedenfalls alle gleichermaßen betroffen, wie die Umfrage zeigt: Mehr als jedes vierte Unternehmen (27%) ist gleich ganz oder zeitweise geschlossen, in jedem fünften Unternehmen (20%) kommt es zu Kurzarbeit. 16% aller Befragten berichten von Kündigungswellen im Unternehmen.

Besonders betroffen ist der Einzelhandel: Hier berichtet ein Viertel (35%) aller Mitarbeiter, dass ihr Betrieb (zeitweise) zugesperrt hat. Zudem berichten 22% aller Mitarbeiter im Einzelhandel und 18% der Vertriebsangestellten, dass Mitarbeiter gekündigt oder zur Kündigung angemeldet wurden.

Arbeitgeber setzen auf Zeitausgleich

Neben Kündigungen und Kurzarbeit werden 22% aller Befragten auch dazu gedrängt, aufgesparte Urlaubstage oder Zeitausgleich zu nehmen. In 34% aller Unternehmen werden Projekte oder Investitionen verschoben. Das hat oft negative Konsequenzen, berichten Umfrageteilnehmer: „Stress und Frustration“ sind an der Tagesordnung, viele sind verzweifelt: „Keine Ahnung, wie es weitergehen soll. Der Arbeitgeber lässt mich hängen“. Besonders unangenehm ist die Situation für jene, die Kinder haben: „Der Urlaub ist aufgebraucht und steht in den Ferien nicht mehr für die Kinderbetreuung zur Verfügung.“

Krise als Chance: Zeit für Projekte, Digitalisierung und Familie

Arbeitspsychologin Jakl sieht aber bestimmten Fällen in der Krise auch Handlungsmöglichkeiten: „Durch das ‚Herunterfahren‘ der Arbeitsgeschwindigkeit kann Zeit frei werden für Projekte, die man schon lange vor sich her geschoben hat. Oder man wollte sich schon immer um die Digitalisierung des Unternehmens kümmern und wurde jetzt ins kalte Wasser gestoßen. Auch Arbeitnehmer in Kurzarbeit können sich auf das Positive fokussieren, die Zeit mit der Familie bewusst nutzen und sich auf die eigenen Bedürfnisse besinnen.“

Wer vorausplant, hat die Nase vorn

Österreichische Unternehmen gehen jedenfalls verschieden mit der Krise um. Manche sind für unvorhersehbare Ereignisse gewappnet, andere schauen solange sie können weg: „Ich kenne Organisationen, die nun einen genauen Plan aus der Schublade geholt haben und diesen schrittweise abarbeiten. Und dann gibt Manager, die sich noch eine Woche vor den Ausgangsbeschränkungen weigerten, überhaupt über Home-Office zu diskutieren. Die wurden kalt erwischt und brauchten dann, um sich auf die neue Situation einzustellen und technische Voraussetzungen zu schaffen“, so Jakl.

Wichtiger Rat: Mit Angestellten in Kontakt bleiben

Die Arbeitspsychologin rät Arbeitgebern in diesen Zeiten zu erhöhter Transparenz und regelmäßiger, ehrlicher Kommunikation. So können sie Gerüchten und Ängsten besser entgegenwirken: „Halten Sie auch mit Beschäftigten Kontakt, die zu Hause sind. Geben Sie Updates, berichten Sie, was gerade im Büro oder bei der Geschäftsführung los ist.“ Um Arbeitnehmern in der schweren Zeit die Unsicherheit zu nehmen, könnten telefonisch oder per Videokonferenz auch psychologische Sprechstunden abgehalten werden: „Das zeigt, das Ihnen die Mitarbeiter als Menschen am Herzen liegen und sie wollen, dass diese auch psychisch gesund bleiben.“

Zur Studie: StepStone Österreich zählt zu den führenden Recruiting-Unternehmen Österreichs und führt laufend Studien zu den Themen Employer Branding, Recruiting und Personalmanagement durch. Für die vorliegende Studie wurden im März 2020 rund 3.500 ArbeitnehmerInnen aus ganz Österreich online befragt. Die vorliegenden Zitate sind Eigenaussagen einzelner Umfrageteilnehmer. Weiter Informationen rund um Corona und Arbeit finden Sie unter https://www.stepstone.at/Ueber-StepStone/pressebereich/

Veronika Jakl ist zertifizierte Arbeitspsychologin, Personalpsychologin und Trainerin aus Wien. Sie sitzt im Vorstand des Fachforums für Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie. Mehr unter https://www.apjakl.at/

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Autor: Mittelrhein-Tageblatt Redaktion