CDU Nachruf auf Prof. Dr. Rita Süssmuth – Die CDU Deutschlands trauert um Bundestagspräsidentin a.D. Prof. Dr. Rita Süssmuth. Mit ihr verlieren wir eine außergewöhnliche Politikerin, die sich herausragende Verdienste erworben hat – für unser Land und für unsere Partei. Sie wird in Erinnerung bleiben, vor allem als eine Pionierin der Frauen-, Familien- und Gesundheitspolitik.
Rita Süssmuth wird am 17. Februar 1937 in Wuppertal geboren. Bereits in frühen Jahren deutet sich an: Da geht eine Frau einen selbstbestimmten Weg; sie weiß, was sie vom Leben will, und lässt sich nicht aufhalten. Nach dem Abitur studiert sie in Münster, Paris und Tübingen Germanistik, Geschichte und Pädagogik. Anschließend, es sind die frühen sechziger Jahre, absolviert sie ein Postgraduiertenstudium der Erziehungswissenschaft, Soziologie und Psychologie. Ihr Abschluss: die Promotion.
Rita Süssmuth macht fortan Karriere in der Wissenschaft und arbeitet als Hochschullehrerin, zunächst als Dozentin, dann als Professorin für Erziehungswissenschaft in Bochum und Dortmund, ehe sie 1982 die Leitung des Forschungszentrums „Frau und Gesellschaft“ in Hannover übernimmt. Ein Jahr zuvor ist sie der CDU beigetreten.
Rückblickend wird Rita Süssmuth den Schritt in die aktive Politik damit begründen, dass es sie gereizt habe, die „über Jahre gewonnenen Erkenntnisse in der Familien-, Frauen- und Kinderforschung politisch umzusetzen“. Und so engagiert sie sich zunächst im Bundesfachausschuss Familienpolitik der CDU, dessen Vorsitzende sie 1983 wird, um schließlich auf Vorschlag des Bundeskanzlers Helmut Kohl 1985 ins Kabinett zu wechseln – als Nachfolgerin des Bundesfamilienministers Heiner Geißler. Und mit ganz eigenen Vorstellungen von diesem Amt. Dass das Bundesministerium für Jugend, Familie und
Gesundheit erstmals auch explizit zuständig für Frauen wird, ist nur eine der nachhaltigen Entscheidungen der bedeutenden Christdemokratin.
Rita Süssmuth hinterlässt ihre Fußspuren: Sie initiiert 1988 den Erziehungsurlaub für Eltern, der heute als Elternzeit von Müttern und Vätern genommen wird. Sie setzt durch, dass Kinderziehung auch in der Rente berücksichtigt wird. Und sie sorgt dafür, dass die CDU ein Frauenquorum bekommt. Ideenreich und zielstrebig, entschlossen und streitbar, aber zugleich versöhnend: Rita Süssmuth geht ihren Weg und wird zur Wegbereiterin einer modernen Frauen- und Familienpolitik. Als Gesundheitsministerin setzt Rita Süssmuth im Kampf gegen Aids auf Aufklärung statt auf Ausgrenzung. Auf ihre Initiative hin wird 1987 die Nationale AIDS-Stiftung gegründet, zu deren Ehrenvorsitzenden sie 2006 ernannt wird.
Die selbstverständliche Gleichberechtigung von Mann und Frau und die Parität in Funktionen, Ämtern und Mandaten bilden für sie das Kernelement moderner Gesellschaftspolitik. Sie folgt dabei konsequent ihrer grundlegenden Überzeugung:
Gerade bei den großen Fragen kann es Antworten nur mit den Frauen geben. Das heißt für sie aber auch: Frauen sollen sich aktiv einmischen. Sie selbst tut das auch als selbstbewusste Vorsitzende der Frauen Union der CDU Deutschlands von 1986 bis 2001.
1988 lässt sie sich ein weiteres Mal von Bundeskanzler Helmut Kohl in die Pflicht nehmen. Nur widerwillig gibt sie das Amt der Bundesministerin auf und erklärt sich bereit, Bundestagspräsidentin zu werden. Sie ist erst die zweite Frau im zweithöchsten Staatsamt – und nach der Wiedervereinigung die erste Präsidentin des gesamtdeutschen Parlaments.
Fast zehn Jahre führt sie diese „Werkstatt der Demokratie“, wie sie den Deutschen Bundestag selbst bezeichnet, und wird zeitweise zur beliebtesten Politikerin im Land – geachtet und gelobt für ihre ausgleichende Art, ihre Bereitschaft zum Dialog, ihre Offenheit. Doch Rita Süssmuth will mehr sein als eine Repräsentantin, sie bleibt politisch: In der Debatte um den Schwangerschaftsabbruch §218 stellt sie 1990 einen „Dritten Weg“ vor, der einen Mittelweg aus Indikations- und Fristenlösung vorsah. Ihre Überzeugung: „Die letzte Entscheidung muss bei der Frau liegen.“
Und wer sie trifft, lernt eine Frau kennen, die stets ein offenes Ohr für ihre Mitmenschen hat. Unermüdlich ist sie in ihrem Wahlkreis Göttingen unterwegs und steht als Bundestagsabgeordnete auf der Straße Rede und Antwort. Und sie nutzt ihre Bekanntheit, holt Prominente aus Sport und Kultur nach Göttingen, um unsere Demokratie für unterschiedliche Gruppen interessant und zugänglich zu machen.
Nachdem sie 2002 nicht wieder für den Bundestag kandidiert hat, bleibt sie politisch aktiv und bringt sich immer wieder in gesellschaftliche Debatten ein. Sie kehrt als Präsidentin des Deutschen Volkshochschulverbandes zu ihren Wurzeln zurück und meldet sich fortwährend weiter schriftlich zu Wort – so im Jahr 2020 mit ihrem „Brief an die Enkel“. Der Titel des Buches dieser unermüdlichen Kämpferin könnte treffender nicht lauten: „Überlasst die Welt nicht den Wahnsinnigen“.
Am 01.02.2026 ist Rita Süssmuth im Alter von 88 Jahren gestorben. Unsere Gedanken und Gebete sind bei ihrer Familie und ihren Angehörigen. Die CDU Deutschlands wird ihr ein ehrendes Andenken bewahren.
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Text: CDU Deutschlands