Koblenz – Bei Geld hört die Freundschaft auf – Vorsicht beim virtuellen Flirten

Nachrichten-aus-Koblenz-RLP-Koblenz – Die Bearbeitung von Straftaten rund ums Internet gehört mittlerweile zum Alltag der Polizei. Das Spektrum ist recht groß und reicht von Betrugsdelikten beim Anbieten von Waren in Onlineversandhäusern, Kreditkartenbetrug, illegaler Verkauf von Betäubungsmitteln und Waffen im Darknet bis hin zum Ausspähen von Daten. Ständig kommen neue Maschen der Betrüger hinzu. Auch eine altbekannte Masche flammt immer mal wieder auf.

So geschehen in den letzten Wochen in der Region Koblenz, ein Betrug, bei dem ein Mann um einen hohen fünfstelligen Betrag geprellt wurde. Der Geschädigte unterhielt seit mehreren Wochen einen Facebook-Mail-Kontakt zu einer angeblichen amerikanischen Ärztin der Vereinten Nationen, die zu einem weiteren Auslandseinsatz abkommandiert wurde. Da sie beabsichtigte, nach Beendigung des Einsatzes eine Stelle in der BRD anzunehmen, bat sie ihren „Bekannten“, ein Paket mit Geld und persönlichen Dokumenten und Unterlagen, anzunehmen. Hierfür wurden dann die hohen Gebühren für Steuer, Zoll und ein angebliches „Anti-Terror-Zertifikat“ fällig, die anschließend auf ein Konto eines angeblichen Diplomaten in den USA eingezahlt wurden. Nach Buchung des Geldbetrages riss der Kontakt ab, das Facebookprofil der angeblichen Ärztin wurde gelöscht.

Diese Betrugsmasche wird als Scamming oder Romance-Scamming bezeichnet.

Hier einige weiterführende Erläuterungen:

Die Scammer suchen auf Online-Partnerbörsen oder in sozialen Netzwerken wie Instagram, Snapchat oder Facebook nach Opfern und durchforsten dort die Mitgliederlisten . Eine kurze Online-Einladung zum Chat dient vielen als Erstkontakt. Um sich beim potenziellen Opfer interessant zu machen, legen sich die Scammer ungewöhnliche Lebensgeschichten zu – und sie hinterlassen immer einen seriösen Eindruck. Sowohl Scam-Männer als auch Scam-Frauen schaffen es, sich im täglichen Leben ihrer Opfer unverzichtbar zu machen – und zwar ohne ein einziges Treffen. Auf eine romantische Mail am Morgen folgt ein kurzes Telefonat am Mittag, nach Feierabend wird gechattet oder stundenlang telefoniert.

Bei den Gesprächen geht es zu Beginn keineswegs um Geld, sondern um den Beruf, die Familie sowie um Liebe und eine gemeinsame Zukunft. Oft werden Geschichten über verstorbene Ehepartner und Kinder aufgetischt. Wenn die Scammer nicht schon dort sind, dann müssen sie dringend geschäftlich oder aus familiären Gründen nach Westafrika. Dabei versprechen die Betrüger, dass sie ihre neue Liebe danach besuchen werden. Doch bevor oder kurz nachdem das Ticket nach Deutschland gebucht wird, gibt es Schwierigkeiten: Überfälle, gestohlene oder konfiszierte Pässe, ein Krankenhausaufenthalt nach einem Autounfall oder Probleme mit Kreditkarten. Die Opfer werden gebeten, per Bargeldtransfer (z.B. Western Union oder MoneyGram) Geld zu senden. Die Liebe wird in solchen Bettelmails immer stark hervorgehoben.

Manchmal werden Opfer von einem „Arzt“, einem „Polizisten“ oder „Angehörigen“ kontaktiert, der noch mehr Druck auf das Opfer ausüben soll. Das geht oft so weit, dass die Scammer ihren Selbstmord ankündigen – nur um an das Geld zu kommen.

Lange Zeit hatten es die Betrüger vor allem auf ausländische Ausweispapiere abgesehen. Oft bitten sie ihre Opfer, ihnen Kopien von Pass und Reisepass zu schicken – mit der Erklärung, ein gemeinsames Konto eröffnen zu wollen. So können leicht Ausweise gefälscht werden. Sehr begehrt sind auch Einladungen nach Deutschland als Unterstützung für einen Visumsantrag.

In anderen Fällen werden Opfer gebeten, afrikanische Schecks und Zahlungsaufträge auf das eigene Bankkonto einzureichen (weil das in Westafrika nicht möglich sei). Den größten Teil des Schecks sollen die Opfer per Bargeldtransfer über MoneyGram oder Western Union wieder nach Westafrika überweisen, einen kleinen Rest dürfen sie für sich behalten. Problem: Die Schecks sind Rückschecks, für deren Rückzahlung an die Bank die Kontoinhaber verantwortlich sind. Im schlimmsten Fall droht dem Opfer gar eine Strafanzeige wegen Betruges.

Auch kleine Päckchen, die eine dritte Person vorbeibringt, sollen dem Scammer nach Afrika gesandt werden. Der Inhalt ist zumeist mit einer gestohlenen Kreditkarte bezahlt. Das Weiterleiten oder Aufbewahren der Päckchen ist illegal und kann Opfer in ernsthafte Schwierigkeiten bringen.

Oft täuschen Scammer vor, dass sie das Flugticket für das Treffen in Deutschland nicht bezahlen können. Auch werden Kosten für das Visum oder die Visumserteilung fällig – nicht zu vergessen eine Art Gebühr an die Regierung, ohne die man das Land gar nicht verlassen könne, und die bar vor Abflug entrichtet werden muss. Diese Gebühr gibt es offiziell gar nicht.

Weiter Infos finden Sie unter: www.polizei-beratung.de

OTS: Polizeipräsidium Koblenz

Autor: Mittelrhein-Tageblatt Redaktion